Mädchenarbeit
WenDo, ein aus dem Englischen (women - Frauen) und dem Japanischen (do - der Weg) zusammengesetztes Wort bedeutet "der Weg der Frauen" und ist ein von Frauen für Mädchen und Frauen entwickeltes ganzheitliches Konzept zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung.
In der weiblichen Sozialisation lernen Mädchen, sich anzupassen, für andere da zu sein und sich über andere zu definieren. Es wird Mädchen ebenso wie Frauen nicht gestattet, eigene Interessen zu entwickeln, Grenzen zu setzen und sich durchzusetzen. Daneben erfahren Frauen spätestens ab der Pubertät, dass ihr Körper nicht über Stärke und Ausdauer definiert, sondern zum Objekt männlicher Sichtweise deklariert wird, so dass sie durch ihn angreifbar und verletzbar werden. Daher müssen Rechte wie Selbstbestimmung und das Wahrnehmen eigener Interessen und Bedürfnisse erst neu erfahren und geübt werden.
Hier setzt WenDo an. Mit Präventionsangeboten werden die Mädchen unterstützt und ihnen Möglichkeiten aufgezeigt, die sie schützen und stärken. Sie erfahren einfache und praktikable Verhaltensweisen, entsprechend ihren Möglichkeiten belästigende und grenzüberschreitende Situationen zu bewältigen. Die wichtigste Grundlage bei dieser Form der Selbstverteidigung ist die Stärkung der einzelnen Persönlichkeit. WenDo setzt bei jedem einzelnen Mädchen an.
Das bedeutet:
- Mädchen lernen, ihre Hemmungen abzubauen, sich zu wehren.
- Sie erfahren, daß es erlaubt ist, "n e i n" zu sagen.
- Sie erleben, daß sie ein Recht darauf haben, eigene Grenzen zu setzen.
In geschützter Atmosphäre lernen sie, eigene Stärken zu erkennen und Widerstand zu entwickeln. Dabei wird von den Fähigkeiten jedes einzelnen Mädchens ausgegangen. Sie erfahren auch, daß sie ein Recht auf Hilfe und Unterstützung haben (z.B. nach sexuellen Gewalterfahrungen).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich zu wehren und jedes Mädchen kann probieren, welche Möglichkeiten ihr entsprechen. Es existiert im Gegensatz zum Kampfsport kein Leistungsdruck, und es geht nicht allein um die Vermittlung körperlicher Techniken, da erfahrungsgemäß die Hemmschwellen, diese in der Realität anzuwenden, sehr sehr hoch sind.
Doch: Selbstbewußte und starke Mädchen können sich besser wehren!
Mit Hilfe von angeleiteten Gruppengesprächen, Rollenspielen, Entspannungsübungen und Selbstverteidigungstechniken erfahren Mädchen eine Vielzahl von Möglichkeiten der Stärkung und Selbstbehauptung.
Mobilé bietet jedes Jahr WenDo-Kurse mit zwei ausgebildeten, erfahrenen Trainerinnen an. Diese werden seit 1998 erstmals in Kooperation mit den örtlichen Schulen realisiert.
In
Kooperation mit Schulen finden gemeinsame Projekte statt. So wurde beispielsweise 1998 mit der Realschule in Liblar ein Projekt "Die Zukunft gehört uns" zur Berufswahlorientierung für Mädchen der 8. Klasse durchgeführt.
Hintergrund des Projektes bildeten folgende Erfahrungen:
Mädchen sind in jüngeren Jahren in ihren Berufsvorstellungen noch sehr offen und selbstbewußt , dies läßt jedoch mit zunehmendem Alter nach, so dass in Klasse 10 bei den meisten Mädchen mit mittlerem Bildungsabschluß nur noch sehr wenige Berufe als vorstellbar benannt werden.
Mädchen werden mit der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und möglichem Kinderwunsch alleingelassen.
Mädchen erleben bei der Praktikumsplatzsuche häufig, daß sie in geschlechtsspezifische Berufe gedrängt werden.
Ziel des Projektes war es, das Berufswahlspektrum zu erweitern und den Mädchen somit eine breitere Palette an möglichen Berufen anzubieten. Gleichzeitig sollten sie sich mit den Vorstellungen und Erwartungen über ihre Zukunft auseinandersetzen und diese im Hinblick auf ihre Berufswahl überprüfen. Hierzu gibt es eine Dokumentation, die für den Preis von 3,00 DM in Briefmarken bei uns zu bestellen ist.
Ergänzt wurde dieses Projekt durch einen praktischen Tag im FrauenhandwerkerinnenHaus in Köln, wo die Mädchen Gelegenheit erhielten, in den Bereichen Holz, Glas, Elektro und Metall praktische Erfahrungen zu sammeln.
Zusätzlich gab es eine Infoveranstaltung der IHK und einen Besuch im Berufsinformationszentrum (BIZ) beim Arbeitsamt.