Mädchenarbeit
Mädchenarbeit wird bei der Jugendberatung Mobilé nach dem parteilichen Ansatz praktiziert.
Parteilichkeit bedeutet, dass die Interessen und Bedürfnisse von Mädchen uneingeschränkt im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Die Mädchen werden ernstgenommen, ihnen wird
Unterstützung und Schutz zuteil. Eigene Lebensentwürfe werden ebenso akzeptiert wie neue Wege aufgezeigt.
Realisiert werden diese Grundsätze durch geschlechtshomogene offene oder geschlossene
Angebote für Mädchen, in denen sie in geschützten Räumen eigene Erfahrungen machen und
sich mit anderen auseinandersetzen können. Ohne Negativbewertung können die Mädchen
sich selbst erleben und ihre Fähigkeiten und Stärken entdecken.
Aber auch in gemischtgeschlechtlichen Angeboten wird Mädchen diese Wertschätzung und
dieser Arbeitsansatz, der sich inzwischen auch im gender-mainstreaming wiederfindet, zuteil.
Eine wesentliche Bedingung für Parteilichkeit ist daher, dass eine Frau mit den Mädchen
arbeitet, da sie zum einen die gesellschaftlichen Machtstrukturen aus eigenem Erleben kennt
und zum anderen für die Mädchen als Vorbild- und Identifikationsfigur dienen kann.
Um als Frau in die parteiliche Mädchenarbeit einzusteigen, bedarf es folgender
Vorraussetzungen:
Ø sich mit der eigenen Sozialisation auseinandersetzen
Ø sich mit den Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft befassen
Ø Empathie für Mädchen und Frauen empfinden
Ø Mädchen in ihrer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und sie mit ihren verschiedenen
Interessen und Bedürfnissen ernst nehmen
Ø sich der Unterstützung im Team sicher sein können
Ø sich mit anderen Fachfrauen auf unterschiedlichen Ebenen inhaltlich und strukturell vernetzen
Lebensweltorientierung
Der Ansatz parteilicher Mädchenarbeit findet überall dort statt, wo Mädchen anzutreffen sind. Das kann bei einem Gespräch auf der Straße, dem Schulhof oder im Bus, aber auch in Form gezielter geschlechtsspezifischer Angebote sein. Parteilichkeit beinhaltet eine Einstellung, die allen Mädchen in jedem Alter und zu jeder Zeit an jedem Ort zukommt. Parteilichkeit umfasst alle Lebensbereiche von Mädchen, ob im Kindergarten, in der Schule, im Stadtteil, im Freizeitbereich, im Verein, oder in spezifischen Problemlagen wie Drogenabhängigkeit, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Kriminalität. Überall wird deutlich, dass weibliche Zugangsweisen, Aneignungsformen und Verarbeitungsmuster sich von männlichen unterscheiden und es daher auch differenzierter Analysen, Angebote und Methoden bedarf, um entspr. § 9,3 KJHG "... die Benachteiligung von Mädchen abzubauen".
Ganzheitlichkeit
die gesamte Lebenssituation und Lebenswelt von Mädchen und jungen Frauen wird einbezogen, das heißt: Schule, Bildung, Ausbildung, Freizeit, Herkunft, Kultur, Gesundheit, Körper und Psyche finden Berücksichtigung. Somit erhalten Mädchen Gelegenheit, sich selbst und andere als ganzheitlich zu erleben.