Konzeption und Erfahrungsberichte 1992-1994 und 1995-1997

 

1992-1994
Mobile - eine schwere Geburt 
Am 19.05.1992 beschloß der Rat der Stadt Erftstadt die 
Neukonzeption der offenen Jugendarbeit in Erftstadt. Dies 
beinhaltete, daß 
- das Jugendzentrum Köttingen an fünf Tagen pro Woche für 
mindestens 25 Stunden mit einer pädagogischen Fachkraft, mehreren 
Honorarkräften und einer Praktikantin im Anerkennungsjahr geöffnet 
bleibt, und die Mitarbeiter/innen verstärkt Bemühungen unternehmen 
sollten, Jugendliche aus Kierdorf mitzubetreuen.
 
- der bisherige Jugendtreff in Lechenich als "Jugendberatung Mobile" 
weitergeführt wird. Das Jugendcafé sollte als Kontakt- und 
Anlaufadresse dienen. Die Jugendberatung wurde mit fünf 
hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeiter/innen besetzt.
 
- von der Stadt keine weiteren Räumlichkeiten von vornherein für 
Jugendliche zur Verfügung gestellt werden. Sollte sich in der 
Praxis der Mobile-Arbeit die Notwendigkeit ergeben, daß solche 
Räumlichkeiten in einzelnen Stadtteilen erforderlich sind, wird im 
Einzelfall in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Jugendlichen 
und den vor Ort betroffenen Jugendverbänden eine Prüfung 
vorgenommen. Dabei sollte der Gedanke vorrangig sein, daß 
Jugendliche sich selbst die von ihnen gewünschten Räume suchen und 
diese nach ihren Vorstellungen gestalten.
 
- in der konkreten Praxis der Mobile-Arbeit geprüft werden sollte, 
ob die Bereitstellung eines Jugendbusses sinnvoll erscheint. Ein 
solcher Jugendbus könnte sich sowohl wechselnd in verschiedenen 
Stadtteilen als Treffpunkt für Jugendliche (rollendes Jugendcafé) 
dienen, wie auch eine Beförderung von Jugendlichen zu zentralen 
Veranstaltungen sicherstellen. 
 
Diesem Beschluß vorausgegangen waren gründliche Diskussionen mit 
Jugendlichen und Erwachsenen, Laien und Fachleuten im Jugendzentrum 
Köttingen, Jugendtreff Lechenich und nicht zuletzt dreimal im 
Jugendhilfeausschuß. Der Rat war sich bewußt, daß die bisherige 
Konzeption der dezentralen, von der Stadt mindestens mit acht 
hauptamtlichen Mitarbeiter/innen betriebenen Jugendtreffs mit 
dieser Beschlußfassung nicht mehr verfolgt wurde. Diese Konzeption 
wäre ungleich teurer geworden als Mobile, aber leicht vorstellbar 
gewesen.
 
Mobile Jugendarbeit in Erftstadt als experimentelle Jugendarbeit 
sollte deshalb, ehe sie gegebenenfalls langfristig eingerichtet 
wird, zuvor zwei Jahre lang erprobt werden. Erst nach diesen zwei 
Jahren sollte eine endgültige Entscheidung fallen. 
 
Mobile hat im Oktober 1992 seine Arbeit aufgenommen. Die Probezeit 
ist vorbei. 
 
 
Das Konzept
Ausgehend von der Tatsache, daß Jugendhäuser immer nur einen 
kleinen, regional begrenzten Teil von Besucher/innen (z.B. Skins) 
erreichen und daß ggf. ein bestimmter Besucher/innenkreis andere 
potentielle Besucher/innengruppen gänzlich ausschließt, versucht 
Mobile, Ansprechpartner für alle Jugendlichen zu sein.
 
Setzt Freizeitarbeit in Jugendhäusern die "Komm-Struktur" voraus, 
geht Mobile verstärkt von der "Geh-Struktur" aus. 
 
Während das Jugendhaus den "Raum" für Freizeitarbeit verortet, geht 
Mobile von einem erweiterten Raumbegriff aus und bezieht in seine 
Arbeit neben der Einrichtung selbst auch die informellen 
Jugendtreffs wie den Park, das Freibad, Schulhöfe und andere 
öffentliche Plätze mit ein. Mobile unterstützt die 
Raum(wieder)-Aneignungsprozesse der Jugendlichen und macht sie zum 
konzeptionellen Teil seiner Arbeit.
 
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die 
Zusammenarbeit mit Institutionen, Vereinen und Verbänden. Während 
"teure" offene Jugendhausarbeit einer "billigen" 
Jugendverbandsarbeit oftmals unversöhnlich gegenübersteht, begreift 
sich Mobile als Mittler zwischen Jugendlichen und Verbänden, als 
Teil einer gesamtstädtischen Jugendarbeit.
 
Mit der Verabschiedung der Neukonzeption der offenen Jugendarbeit 
in Erftstadt hat das Mobile-Team vom Rat folgende Arbeitsaufträge 
erhalten:
 
Straßenarbeit/aufsuchende Arbeit
 
Jugendliche werden von den Mitarbeiter/innen an ihren Treffpunkten 
im Stadtteil aufgesucht. Hilfestellung bei der Verwirklichung ihrer 
Freizeitinteressen und auch bei der Bewältigung von persönlichen 
Problemen wird ihnen angeboten, aufgedrängt wird sich nicht.
 
Beratung
 
An ihren angestammten Plätzen genießen die Jugendlichen "Heimrecht". 
Sie bestimmen die Formen des Miteinanders. Hier ist Mobile zu Gast. 
Für viele Jugendliche ist dieses Setting eine gute Voraussetzung, 
Beratung anzunehmen. Weitergehende, eventuell verbindlichere Formen 
der Beratung ermöglicht die Beratungsstelle im Mobile-Café in 
Lechenich.
 
Jugendkulturarbeit
 
Abgesehen von der Jugendmusikschule, dem kommunalen Kino in 
Köttingen und den gelegentlichen Veranstaltungen einiger weniger 
freier Träger hat Erftstadt im Jugendkulturbereich wenig zu bieten. 
Zu Beginn der Mobile-Arbeit fanden kaum Konzerte und keine einzige 
Disco-Veranstaltung aus Angst vor tätlichen Ausschreitungen mehr 
statt. Die Initiierung und Durchführung jugendkultureller 
Aktivitäten gehört deshalb mit zum Aufgabenspektrum.
 
Stadtteilarbeit/Gemeinwesenarbeit
 
Die Jugendlichen sind Teil des Gemeinwesens. Wenn Jugendliche Raum 
benötigen, muß die Brücke zu den Raumbesitzern, und das sind immer 
die Erwachsenen, im Stadtteil geschlagen werden. Geht es darum, daß 
Jugendliche an von ihnen besetzten Räumen (Park, Spielplatz usw.) 
als störend empfunden werden, muß auch wieder - soll der Konflikt 
für beide Seiten fruchtbar verlaufen - die Brücke zu den 
Erwachsenen geschlagen werden. Das Gemeinwesen integriert oder 
grenzt aus. Mobile vermittelt.
 
Café
 
Als Anlauf- und Kontaktadresse sollte der ehemalige Jugendtreff an 
vier Tagen in der Woche, davon an einem nur für Mädchen, von 16.00 
bis 19.00 Uhr zur Verfügung stehen - als niederschwelliges Angebot.
 
Kinderbüro
 
Mobile sollte sich durch seine Präsenz vor Ort und im 
Beratungscafé, durch die Kenntnis der Problemlage im Stadtteil und 
durch den Bekanntheitsgrad der Mitarbeiter/innen und zum Kinderbüro 
oder - wie dies in der Vorlage 5/1820 vom 07.04.1992 
"Kinderfreundlichkeitsprüfung" noch dezidierter beschrieben ist - 
zum "Kinderbeauftragten" entwickeln.
 
Kinder- und Jugendsprechstunden
 
Seit Anfang 1991 sollten aufgrund eines Beschlusses des 
Jugendhilfeausschusses zweimal jährlich Kinder- und 
Jugendsprechstunden mit dem Bürgermeister und dem Stadtdirektor 
durchgeführt werden. Aufgrund der Erfahrungen der ersten beiden 
Veranstaltungen war die Verwaltung mit dem Bürgermeister der 
Meinung, daß zukünftig diese Sprechstunden in den Ortsteilen 
angeboten werden sollten, da die Themen ortsspezifischer Natur 
waren. Die Ortsvorsteher/innen sollten als Ansprechpartner/innen 
fungieren, Mobile diese Sprechstunden organisieren und moderieren.
 
 
Rahmenbedingungen
 
3.1. Personal
 
Zur Zeit arbeiten in der Jugendberatung Mobile sechs 
Mitarbeiter/innen: 
Frau Monika Lauer (Dipl.-Päd.) Teilzeit, 
Frau Petra Strack (Dipl.-Sozialarbeiterin) Vollzeit, 
Frau Angela Tigges (Dipl.-Sozialpädagogin) Vollzeit, 
Herr Ralf Knütter (Dipl.-Sozialpädagoge) Vollzeit, 
Herr Klaus Röttgen (Dipl.-Päd.) Vollzeit, Leiter der Einrichtung, 
Her Rolf Röttgen (Student der Sozialpädagogik), Honorarkraft (9 
Stunden in der Woche).
 
Das Anforderungsprofil, das an die Mitarbeiter/innen eines solchen 
Projekts gestellt wird, unterscheidet sich wesentlich von den 
traditionellen Arbeitsfeldern in der offenen Jugendarbeit.
 
In einem Jugendhaus etwa bestimmen die Pädagogen/innen den 
Handlungsrahmen, in dem sich die Jugendlichen bewegen. Sie setzen 
die Regeln fest, nach denen das Haus geführt wird und verfügen über 
Sanktionsmöglichkeiten (z.B. Hausverbot), um die Einhaltung zu 
gewährleisten. Dieser Rahmen bietet den Kolleg/innen ein hohes Maß 
an Sicherheit. 
 
Ganz anders stellt sich die Situation bei der Arbeit von Mobile 
dar. Hier suchen die Mitarbeiter/innen die Jugendlichen an den von 
ihnen besetzten und gestalteten Räumen auf, ohne daß sie zunächst 
darum gebeten worden wären. Die hier geltenden Spielregeln stammen 
von den Jugendlichen und sind zunächst auch von den Pädagogen/innen 
zu akzeptieren, will man überhaupt Kontakt bekommen. Daß diese 
Regeln häufig nicht sozialpädagogischen Vorstellungen entsprechen, 
liegt auf der Hand. Die Möglichkeit, weggeschickt und abgewiesen zu 
werden, ist groß. Es hängt auch viel vom persönlichen Geschick 
der/des Einzelnen ab, ob man akzeptiert wird und wiederkommen darf, 
zumal man zunächst nichts anzubieten hat, außer der eigenen Person.
 
Um den breiten Arbeitsauftrag von Mobile erfüllen zu können, wird 
von den Mitarbeiter/innen zudem ein hohes Maß an 
Organisationsfähigkeit, Flexibilität und Fachkompetenz in 
unterschiedlichen Bereichen erwartet.
 
Die o.g. Anforderungen und die damit verbundenen 
Auseinandersetzungen um den richtigen Weg von Mobile führten dazu, 
daß in den ersten 1 1/2 Jahren vier Kollegen/innen das Projekt 
verließen. Darüber hinaus hat ein weiterer Kollege das Projekt aus 
beruflichen Gründen verlassen. Nunmehr hat sich die 
Personalsituation konsolidiert, das zur Zeit bestehende Team steht 
geschlossen hinter dem Mobile-Konzept und ist in der Lage, es 
praxisgerecht umzusetzen. Nicht zufriedenstellend für die 
Kollge/innen ist, daß die anspruchsvolle Arbeit derzeit nicht 
adäquat honoriert wird. So bleibt die Gefahr, daß sich immer wieder 
Kollegen/innen auf klarer strukturierte Arbeitsstellen bewerben, 
auf denen sie die gleiche oder eine bessere Bezahlung erhalten.
 
3.2 Arbeitszeiten
 
Die offiziellen Arbeitszeiten für die Vollzeitkräfte sind wie 
folgt: 3 x je Woche 10.00 bis 18.00 Uhr, einmal in der Woche 10.00 
bis 20.30 Uhr, freitags 10.00 bis 16.00 Uhr, bei Veranstaltungen 
16.00 bis 22.00 Uhr.
 
Die praktische Arbeit vor Ort hat in zwei Jahren gezeigt, daß o.a. 
Zeiten lediglich als Orientierung dienen können. Neben zahlreichen 
Abendveranstaltungen und Terminen ist das Mobile-Team häufig auch 
an Wochenenden im Einsatz. Hinzu kommen Ferienfreizeiten. Es ist 
notwendig, den Mitarbeiter/innen ein Höchstmaß an Flexibilität bei 
der Gestaltung ihrer Arbeitszeit zuzubilligen, damit der 
Arbeitsauftrag sinnvoll erfüllt werden kann. Dies hat bisher 
problemlos funktioniert.
 
3.3 Finanzen
Die finanzielle Ausstattung für die Arbeit stellt sich wie folgt 
dar: 2.000,-- DM für die Anschaffung und Unterhaltung von Mobiliar 
und Gerätschaften, 7.000,-- DM für die Durchführung von 
Veranstaltungen und die Anschaffung von Spiel- und 
Beschäftigungsmaterial.
 
Die Arbeit zeigt, daß dies die absolute Mindestausstattung ist, die 
jedoch die Durchführung eines anspruchsvolleren 
Veranstaltungsprogrammes nicht zuläßt. Die Aufstockung des Etats 
durch Sponsoring gestaltet sich derzeit schwierig, da potentielle 
Geldgeber durch eine Vielzahl von Institutionen um Hilfe gebeten 
werden, und die Notwendigkeit einer Spende für kommunale 
Einrichtungen selten eingesehen wird. Gleichwohl ist dies in 
Einzelfällen gelungen.
 
 
3.4 Sachausstattung/Räume
 
Die räumlichen Verhältnisse, in denen das Mobile-Team arbeitet, 
sind sehr beengt. Sechs Kollegen/innen teilen sich zwei Büroräume, 
die zusätzlich mit Kopierer, Drucker und Computer bestückt sind. 
Der hierdurch zwangsläufig bestehende permanente Geräuschpegel läßt 
ein konzentriertes Arbeiten kaum zu. Dies führt dazu, daß Arbeiten, 
die Ruhe und Konzentration erfordern, häufig zu Hause erledigt 
werden müssen. Daß dies das Arbeitsklima belastet, ist sicherlich 
vorstellbar. Um so ärgerlicher erscheint diese Situation, da im 
Stadthaus Räume vorhanden sind, die offenkundig nur selten genutzt 
werden.
 
Im Bereich Sachausstattung benötigt Mobile dringend einen 
leistungsfähigeren Computer, damit die Öffentlichkeitsarbeit 
(Plakate, Faltblätter, Handzettel etc.) adäquat durchgeführt werden 
kann. Daß sich die Mitarbeiter/innen ihre Schreibtische zum Teil 
aus ausrangiertem Mobiliar von Erftstädter Schulen zusammen suchen 
mußten, sei nur am Rande erwähnt.
 
4. Umsetzung des Konzeptes in die Praxis
4.1 Aufsuchende Arbeit/Straßenarbeit
 
Überblickt man den Projektzeitraum von nunmehr zwei Jahren, läßt 
sich insgesamt feststellen, daß das Konzept der aufsuchenden Arbeit 
in Erftstadt erfolgreich gegriffen hat.
 
Das Prinzip, die Jugendlichen in den Ortsteilen aufzusuchen und 
ihnen in ihrem unmittelbaren Wohnbereich Freizeit- und 
Hilfsangebote zu unterbreiten, wird größtenteils akzeptiert. Das 
läßt sich u.a. an der Vielzahl von Treffpunkten erkennen, die im 
gesamten Stadtgebiet von den Mobile-Mitarbeiter/innen betreut 
werden. Ein Teil dieser Treffs konnte mittlerweile von der Straße 
in Räume verlegt werden. Möglich wurde dies durch die solidarische 
Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie Vereinen, Kirchen oder 
auch Privatinitiativen.
 
Ein weiteres Indiz für die Akzeptanz der aufsuchenden Arbeit ist 
der inzwischen sehr hohe Bekanntheitsgrad von Mobile unter den 
Erftstädter Jugendlichen. 
 
Nicht verschweigen sollte man jedoch die Tatsache, daß es natürlich 
auch Gruppierungen gibt, die den Besuch des Mobile-Teams nicht 
wünschen und in ihrer Freizeit nicht von Mitarbeiter/innen des 
Jugendamtes belästigt werden möchten. Diesem Wunsch wird 
entsprochen.
 
 
4.2 Beratung
 
Insbesondere in der zweiten Hälfte des Projektes nahm die Zahl 
derjenigen Jugendlichen, die Rat und Hilfe aufgrund persönlicher 
Probleme bei Mobile suchten, zu. Hierbei handelte es sich im 
wesentlichen um Beziehungskrisen (Liebeskummer), die für 
Jugendliche oft existentielle Bedeutung haben, und die in ihrem 
unmittelbaren sozialen Umfeld häufig nicht ernst genommen werden. 
Hinzu kommen innerfamiliäre Konflikte (Scheidung, Stiefeltern, 
Adoption, Arbeitslosigkeit, Alkohol etc.) und schulische Probleme.
 
In diesen Fällen wird eine Einzelberatung eingeleitet, die maximal 
zwei Monate dauern sollte, wobei eine Stunde, maximal zwei Stunden 
in der Woche, vorgesehen sind. In diesem Zeitraum wird eine 
Problemanalyse durchgeführt und anschließend mit dem/der 
Jugendlichen gemeinsam eine Zielperspektive entwickelt. Benötigen 
die Ratsuchenden weitergehende oder spezifische Hilfestellung, 
werden sie an andere Fachinstitutionen weitervermittelt. Nur in 
begründeten Ausnahmefällen wird vom Mobile-Team eine intensive 
Einzelfallhilfe durchgeführt.
 
Grundsatz für die Beratungsarbeit ist, daß sich die Jugendlichen 
selbst bei Mobile melden. "Überweisungen" von anderen Institutionen 
sind nicht möglich, da zuvorderst die Jugendlichen selbst die 
Auftraggeber von Mobile sind.
 
4.3 Jugendkulturarbeit
Wie schon in den vorherigen Erfahrungsberichten vermerkt, 
bereicherte die Jugendberatung Mobile in den letzten zwei Jahren 
das jugendkulturelle Spektrum Erftstadts durch eine Vielzahl von 
Veranstaltungen, an denen sie entweder federführend oder 
unterstützend beteiligt war. Das Schwergewicht lag hierbei in den 
Bereichen Disco, Rockmusik und Kino.
 
Zahlreiche Disco-Veranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen, die 
mit unterschiedlichen Kooperationspartnern veranstaltet wurden, 
zählten insgesamt ca. 7.500 Jugendliche als Besucher. Erfreulich 
ist besonders, daß es auf keiner Veranstaltung zu gewaltätigen 
Auseinandersetzungen kam. Dies ist um so erstaunlicher, da vor der 
Existenz von Mobile keine Institution in Erftstadt mehr bereit war, 
derartige Tanzveranstaltungen durchzuführen, aus Angst vor Ärger 
und Randale. Erklärt werden muß dies mit dem hohen Bekanntheitsgrad 
des Mobile-Teams und seiner Akzeptanz bei den Jugendlichen, die 
letztlich auch aus Sympathie und dem Bewußtsein heraus, daß Mobile 
für sie da ist, auf größeren Ärger verzichten, bzw. auf diese 
"Action" nicht mehr angewiesen sind.
 
Im Bereich Rockmusik hat sich das Mobile-Café mit seiner 
Veranstaltungsreihe "Rock-live" fest in der Jugendkulturszene 
Erftstadts etabliert. Allmonatlich treffen sich bis zu 130 
Besucher/innen im Café, um den Bands unterschiedlicher 
Stilrichtungen zuzuhören. Bewährt hat sich das Konzept, 
insbesondere jungen, noch unerfahrenen Gruppen die Möglichkeit zu 
geben, erste Bühnenerfahrungen zu sammeln.
 
Im Bereich Kino gelang es durch die erste Erftstädter Kinder- und 
Jugendfilmwoche, die im Spätherbst letzten Jahres zusammen mit dem 
BDKJ Erftstadt durchgeführt wurde, die Kinoszene dieser Stadt zu 
beleben.
 
In neun, über das gesamte Stadtgebiet verteilten Spielorten, fanden 
25 Kinovorführungen statt. Noch wichtiger als dieses Angebot an 
sich war, daß sich, motiviert durch die Vorbereitung und 
Durchführung der Filmwochen, in einzelnen Pfarrgebieten Jugendliche 
zu kleinen Filmclubs zusammengefunden haben, die das ganze Jahr 
hindurch Kinder- und Jugendfilmvorführungen in ihrem Ortsteil 
organisieren. Im November 1994 werden die zweiten Erftstädter 
Kinder- und Jugendfilmwochen gestaltet stattfinden.
 
Erweitert man den Kulturbegriff um einen multikulturellen Ansatz, 
sind an dieser Stelle die von Mobile durchgeführten 
Begegnungsfreizeiten zwischen Erftstädter Jugendlichen und jungen 
Asylbewerber/innen zu erwähnen, die in Finkenberg und Dattenberg 
stattfanden. Ziel dieser Maßnahmen war es, insbesondere nach den 
zahlreichen rechtsradikalen Anschlägen im gesamten Bundesgebiet, 
bei Jugendlichen unterschiedlicher Nationalitäten Vorurteile 
abzubauen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Daß dieses 
Ziel erreicht wurde, zeigen nicht nur die Dokumente (Zeitungen, 
Videofilme), die auf diesen Freizeiten gemeinsam erstellt wurden, 
sondern auch die Tatsache, daß sich die Teilnehmer/innen nach wie 
vor regelmäßig im Mobile-Café treffen.
 
4.4 Mädchenarbeit
Bedingt durch die vom Rat verabschiedete Konzeption und die 
Stellenausschreibung des Jugendamtes Erftstadt erhielt 
Mädchenarbeit einen eigenen Platz im Rahmen des Mobilé-Projekts. 
 
So begann Mobilé vor ca. zwei Jahren mit dem Angebot des 
Mädchen-Cafés jeden Dienstagnachmittag in den Räumen des ehemaligen 
Jugendtreffs in Lechenich.
 
Der Ansatz von Mädchenarbeit entstand zum einen aus den Erfahrungen 
der offenen Jugendarbeit, wo Besucherinnen - bedingt durch das an 
männlichen Bedürfnissen orientierte Angebot - in der Regel 
unterrepräsentiert sind. Zum anderen waren die Erkenntnisse aus 
vielen Jahren Frauenbewegung, daß die nach wie vor herrschende 
Wahrnehmung von Frauen/Mädchen durch männliche Zensur erfolgt, 
ausschlaggebend für die Entwicklung dieses Arbeitsschwerpunktes.
 
Ein mädchenspezifisches Angebot wie das Mädchen-Café soll den 
Besucherinnen eigenen Raum geben, in dem ihre Interessen und 
Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Die Mädchen können sich hier 
ungestört treffen und sich austauschen. Dabei setzt dieses Konzept 
nicht an den Defiziten der Mädchen an, sondern will Möglichkeiten 
bieten, eigene Fähigkeiten und Stärken zu entdecken und 
weiterzuentwickeln.
 
Hinzu kommt, daß Mädchen durch den mobilen Ansatz unseres Konzepts 
auf der Straße weniger erreicht werden als Jungen, da sich Mädchen 
(und Frauen) in öffentlichen Räumen weniger wohl fühlen, denn sie 
sind potentiell immer der Kontrolle und Anmache von Jungen 
ausgesetzt. Zudem werden Töchter von ihren Eltern stärker 
beaufsichtigt und für Hausarbeiten und die Versorgung von 
Geschwistern eingeplant, so daß sie eher in einen kontrollierten 
Raum entlassen werden.
 
Konsequenterweise wird dieses Angebot denn auch von weiblichen 
Fachkräften realisiert. Die Stellenwechsel und zuletzt die Abgabe 
einer halben Stelle nach Köttingen hat gerade in diesem Bereich 
auch für einen häufigen Wechsel der Bezugspersonen gesorgt.
 
Zunächst war das Mädchen-Café als offenes pädagogisches Angebot für 
alle Mädchen in Erftstadt im Alter von 12-20 Jahren gedacht. 
Während zu Beginn der Projektphase die Altersspanne zwischen 12 und 
18 Jahren schwankte, und das Café kein festes Programm aufwies, hat 
sich das Alter der Besucherinnen seit ca. einem Jahr auf 12 bis 15 
Jahre eingependelt; es sind Mädchen, die die Haupt-, die Realschule 
oder das Gymnasium besuchen und größtenteils aus Lechenich und den 
umliegenden Orten wie Erp oder Friesheim kommen.
 
Für die Mädchen hat es sich als sinnvoll und wichtig erwiesen, ein 
monatliches Programm anzubieten.
Das Angebot ist sehr breitgefächert: über sportliche Aktivitäten, 
Kreativangebote, Erfahrungen im handwerklich-technischen Bereich, 
Lebensplanung bis hin zu Informationen und Beratungen zu 
mädchenspezifischen Themen reicht die Palette. Beliebt sind auch 
Besuche von Veranstaltungen für Mädchen oder von 
Jugendkulturangeboten.
 
Höhepunkte in diesem Jahr waren der Mädchentag im Erftkreis "Just 
for Girls" am 16. Juni in Kerpen und eine Mädchenfreizeit am 
Wisseler See, Kreis Kleve, im Juli.
 
In diesen zwei Jahren wurde das Mädchen-Café von 40 bis 50 Mädchen 
besucht; davon kommen einige regelmäßig, einige sporadisch.
 
Allerdings gibt es auch einiges, was zur Steigerung der 
Effektivität noch verbesserungswürdig wäre:
 
Zur Zeit haben wir als Raum lediglich eine Küche, die von den 
Mitarbeiter/innen als Pausenraum und von verschiedenen Gruppen als 
Sitzungsraum genutzt wird. Ein eigener Raum, der mit den Mädchen 
gestaltet werden könnte, würde ihre Identifikation mit diesem 
Angebot - z.B. durch die längerfristige Präsentation von 
Arbeitsergebnissen - wesentlich erhöhen. Außerdem hätten die 
Mädchen auch an anderen Tagen eine Rückzugsmöglichkeit.
 
Auch die Teilnahme an notwendigen Fortbildungsveranstaltungen, die 
Anschaffung von Fachliteratur, und die Finanzierung größerer 
Projekte wird durch fehlende Gelder verhindert.
 
Die Vernetzung von Mädchenarbeit im Erftkreis in Form von 
regelmäßigen Arbeitstreffen ist trotz schwieriger Voraussetzungen 
wie unterschiedliche Anstellungsträger, andere regionale Strukturen 
und unterschiedliches Alters- und Bildungsniveau der Zielgruppe 
erfolgreich gelungen. Dies hat der Mädchentag im Erftkreis 
dokumentiert.
 
In Liblar wird ein Angebot für Mädchen in Kürze realisiert werden. 
Die evangelische Kirchengemeinde steht dieser Idee aufgeschlossen 
gegenüber, und so wird ab Mitte Oktober ein wöchentlicher 
Mädchentreff für 12-16jährige jeden Donnerstag in ihren Räumen 
unter Anleitung und Betreuung von Mobilé aufgebaut werden.
 
Für das kommende Jahr ist die Teilnahme von Erftstädter Mädchen an 
der Mädiale '95, dem dritten bundesweiten Mädchen-Kulturfestival, 
in Berlin geplant.
 
Außerdem soll in den Sommerferien erneut eine Mädchenfreizeit von 
ca. einer Woche stattfinden. 
 
4.5 Stadtteilarbeit
Bliesheim
Seit Sommer 1993 besteht zu einer Gruppe von ca. 10 bis 15 Jungen 
und Mädchen Kontakt. Diese Gruppe trifft sich jeden Nachmittag auf 
dem Schulhof der Erich-Kästner-Gemeinschaftsgrundschule. Hier 
werden die Tischtennisplatte und ein unter einem Baum liegender 
Stamm als Kommunikationsräume genutzt. Als die vorhandenen 
Basketballkörbe noch benutzbar waren, war Straßenbasketball 
Hauptfreizeitgestaltung der Jugendlichen. Da die Korbanlagen nicht 
stabil genug waren, war es nur eine Frage der Zeit, wann die Anlage 
nicht mehr bespielbar war. Nach kurzer Zeit wurde eine neue 
Sportart für den Schulhof entdeckt, die in Deutschland noch recht 
unbekannt ist, nämlich Baseball: ein Spiel für zwei Mannschaften, 
das sehr viel mit Kommunikation untereinander zu tun hat. 
 
Unstimmigkeiten gab es zuweilen mit dem Hausmeister und den 
Reinigungsfrauen. Durch Verunreinigungen durch die Jugendlichen 
werden zum Teil Gespräche mit dem Hausmeister und den Jugendlichen 
nötig, manchmal auch ein Hausverbot (Betreten des Schulhofs) 
ausgesprochen. Dieses Verbot besteht aber nur einige Tage. Trotz 
dieser Unstimmigkeiten kann das Verhältnis zwischen Hausmeister und 
Jugendlichen als gut beschrieben werden.
 
Seitens der Schulleitung besteht mittlerweile das Angebot, mit 
Mobilé bezüglich dieser Gruppe zu kooperieren. 
 
Die Jugendlichen haben offen den Wunsch geäußert, daß Mobilé noch 
mehr Präsenz in Bliesheim zeigen soll. Im Moment wird versucht, 
dem Wunsch durch Arbeitsstrukturveränderungen zu entsprechen.
 
Nach der 1993 durchgeführten Kinder- und Jugendsprechstunde mit dem 
starken Wunsch der Jugendlichen, in Bliesheim eine Disco 
durchzuführen, wurden Kontakte zur katholischen Kirche und zur St. 
Sebastianus-Schützenbruderschaft aufgenommen. Wegen 
Renovierungsarbeiten an der Kirche konnte keine gemeinsame 
Umsetzung für den Wunsch der Jugendlichen gefunden werden. Der 
Jugendwart der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft stand dem 
Bedürfnis der Jugendlichen wohlwollend gegenüber. Er versprach, es 
mit Unterstützung von Mobilé dem Vorstand zu unterbreiten. Nach 
einigen Überlegungen wurde für eine Disco "grünes Licht" gegeben. 
Anschließend sollte überprüft werden, ob weitere Veranstaltungen 
dieser Art in der Schützenhalle stattfinden könnten. Die erste 
Disco fand am 12.11.1993 statt. Die Veranstaltung war mit fast 300 
jugendlichen Besucher/innen ein voller Erfolg. Alle aus dem 
Organisationsteam und die Besucher/innen waren zufrieden, so daß am 
11.03.1994 eine zweite Disco stattfand. Zu dieser Tanzveranstaltung 
kamen mehr als 350 jugendliche Gäste, so daß für den Jugendwart der 
St. Sebastianus-Schützenbruderschaft und Mobilé feststand, diese 
Art der Veranstaltung zu einem festen Bestandteil der 
Jugendkulturarbeit in Bliesheim werden zu lassen.
 
Friesheim
"Tümpel" nennen Jugendliche ihren Kellerraum im AWO-Haus. Dieser 
Raum war über die Wintermonate der einzige Raum, der für die 
Jugendlichen nutzbar war. Seit ca. einem Jahr kann auch der Raum 
der Altentagesstätte (an zwei Tagen in der Woche geöffnet) 
mitbenutzt werden. Hier stehen Stühle und Tische in gemütlicher 
Atmosphäre zur Verfügung. In diesem Raum werden Gesellschaftsspiele 
und Gruppengespräche angeboten. Im unteren Raum, dem eigentlichen 
"Tümpel", können die Jugendlichen ihre Musik hören, sich 
unterhalten und herumtoben, da das Mobiliar aus alten Sofas und 
Matratzen besteht. Zur Zeit treffen sich bis zu zehn Jugendliche 
jeden Donnerstag von 16.00 bis 18.00 Uhr in diesen Räumen. Im 
Sommer befanden sie sich meistens im anliegenden Garten, wo 
Volleyball, Fußball oder an einem Gartentisch Gesellschaftsspiele 
gespielt wurden.
 
Weitere Actionen waren Schwimmbad- und Kinobesuche, Filmnachmittage 
usw. Ein von Jugendlichen entdeckter alter Bezinrasenmäher wurde 
von ihnen repariert. Anschließend mähten sie damit regelmäßig die 
ihnen zur Verfügung gestellte Wiese. Dies beweist, daß Jugendliche 
durchaus bereit sind, ihnen zur Verfügung gestellte Räume 
verantwortlich zu nutzen.
In Friesheim bestehen gute Kontakte zu den Verantwortlichen der AWO 
und dem Ortsvorsteher. Der Pfarrer von St. Martin hat die erste 
Kinder- und Jugendfilmwoche bestens unterstützt. Es sind auch 
Kontakte zum Vorsitzenden der KJG intensiviert worden, so daß die 
zweite Kinder- und Jugendfilmwoche gemeinsam mit Mobilé in 
Friesheim durchgeführt wird.
 
Gymnich
Bis zum Sommer 1994 trafen sich regelmäßig montags ca. zehn 
Jugendliche im Alter von 13-16 Jahren in der Emmaus-Kirche, um ihre 
Freizeit zu gestalten. Hierzu gehörten neben Spiel- und 
Bastelnachmittagen auch Fahrten in benachbarte Städte, um das 
dortige Freizeitangebot zu nutzen. Hinzu kamen Gesprächsrunden zu 
jugendrelevanten Themen wie Partnerschaft, Sexualität etc.. Nach 
den Sommerferien wurde der Treff jedoch nur noch sehr wenig 
frequentiert, da sich ein Großteil der Jugendlichen mittlerweile in 
andere Richtungen orientiert. Zur Zeit wird mit den Jugendlichen 
überlegt, ob eine Fortführung des Treffs weiterhin sinnvoll 
erscheint.
 
Loser Kontakt besteht zu einer Gruppe Jugendlicher und junger 
Erwachsener im Alter von 14-25 Jahren, die ca. 15 Personen umfaßt. 
Die Gruppe fällt auf durch starken Alkoholkonsum, hohe 
Gewaltbereitschaft und latente wie offene Kriminalität. Die 
Jugendlichen sind zum Teil berufstätig, gehen zur Schule oder sind 
arbeitslos. Die Fluktuation innerhalb der Gruppe ist recht hoch. 
Ein engerer Kontakt zu Mobilé wird nicht gewünscht.
 
Nach wie vor erfreut sich der "Club Zupp" in der evangelischen 
Kirche großer Beliebtheit bei den Jugendlichen. Seit Oktober 1992 
treffen sich Jugendliche im Alter von 16-25 Jahren jeden Montag 
abend. Initiiert wurde der Club Zupp von den Jugendlichen selbst, 
die für sich und andere einen Jugendtreffpunkt installieren 
wollten, in dem sich mehrere Leute treffen können, kein 
Verzehrzwang herrscht, und man nicht permanent von Erwachsenen 
beobachtet und reglementiert wird.
 
Unterstützt wurden die jungen Leute bei ihrem Vorhaben von Mobilé. 
Gemeinsam machte man sich auf die Suche nach geeigneten 
Räumlichkeiten und wurde in der evangelischen Kirche fündig. Das 
Presbyterium stimmte dem Anliegen der Jugendlichen zu mit der 
Auflage, daß der Treff von Mobilé verantwortlich betreut wird. Seit 
nunmehr über zwei Jahren treffen sich durchschnittlich 25 
Jugendliche im Club. Es besteht ein regelmäßiges Freizeitangebot 
von Parties über Kino, Spielabende bis hin zu gemeinsamen 
Wochenendfahrten. Auch für das leibliche Wohl ist stets gesorgt. 
Organisiert wird dies alles von den Jugendlichen selber.
 
Bezüglich der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen kann zu 
Gymnich gesagt werden, daß der Kontakt zum Ortsvorsteher als gut, 
zur katholischen Kirche als ausbaufähig und zur evangelischen 
Kirche als hervorragend bezeichnet werden kann.
 
Erp
Zu Beginn des Projektes nahm eine damalige noch bei Mobilé 
beschäftigte Mitarbeiterin Kontakt zur katholischen Pfarrgemeinde 
in Erp auf. In Absprache mit dem Pfarrer und dem Jugendarbeitskreis 
der Pfarrgemeinde wurde beschlossen, die im Pfarrheim stattfindende 
Teestube attraktiver zu gestalten und neu zu beleben, da die 
Jugendlichen offensichtlich das Interesse daran verloren hatten. 
Durch die unerwartete Kündigung dieser Kollegin und die daraus 
resultierende knappe Personalsituation im Mobilé-Team konnten diese 
Kontakte leider nicht vertieft und fortgeführt werden.
 
Der weitergehende Personalwechsel war verantworltich dafür, daß Erp 
auch im Verlauf des Jahres 1993 nur sehr sporadisch von Mobilé 
betreut werden konnte. Jedoch wurde im Rahmen der Kinder- und 
Jugendfilmwoche Erp mit einbezogen, es wurden dort im Pfarrheim 
zwei Filme gezeigt.
 
Als im Februar dieses Jahres durch zwei Neueinstellungen das Team 
wieder vollständig besetzt war, sollte Erp wieder konstant von 
Mobilé erreicht und betreut werden.
 
Zu diesem Zeitpunkt existierte noch eine feste, langjährige 
Mädchengruppe unter Leitung einer ehrenamtlichen Betreuerin sowie 
eine lose Clique von ca. zehn männlichen Jugendlichen, die meist 
mit ihren Mofas durch den Ort fuhren. Beide Gruppen trafen sich 
unregelmäßig in den Räumen der Pfarrgemeinde (Teestube). Zu beiden 
Gruppen wurde Kontakt aufgenommen.
 
Zur gleichen Zeit hatte der Pastor der Pfarrgemeinde Kontakt zum 
Katholischen Jugendbüro Erftkreis hergestellt und um Unterstützung 
in der Jugendarbeit gebeten. Gemeinsam traf man sich zur 
Koordination des Aufbaus von Jugendarbeit. Aus diesem Treffen ergab 
sich der Vorsatz, eine feste Jugendgruppe auf Zeit zu installieren, 
die sich themmenzentriert mit Jugendarbeit, Gruppe, Gruppenarbeit 
befassen sollte. Diese Gruppe sollte gemeinsam von Jugendbüro und 
Mobilé betreut werden. Hieran nahmen die bestehende Mädchengruppe, 
Jungen aus der "Mofaclique" sowie weitere Erper Jugendliche teil. 
Aus organisatorischen Gründen ergab sich, daß diese Gruppe mit 
Jugendlichen aus Friesheim gemischt wurde, so daß die Treffen 
abwechselnd in Erp und Friesheim stattfanden.
 
Die Gruppe war ein voller Erfolg. Das Zusammenwachsen der 
Jugendlichen aus beiden Ortsteilen erwies sich als unproblematisch 
und sehr fruchtbar, und es entstanden neue Freundschaften. Die 
Teilnahme der Jugendlichen (21 Personen zwischen 14 und 18 Jahren) 
war konstant und nach 11 wöchentlichen Treffen und einer 
Wochenendfahrt war diese Arbeit am 13.09.1994 offiziell beendet.
 
Die Jugendlichen haben von sich aus den Wunsch geäußert, sich 
weiterhin zu treffen. In jedem Fall hat Mobilé Unterstützung bei 
der Umsetzung zugesichert.
 
Aus dieser Gruppe hat sich eine kleinere Mädchenclique (15-17 
Jahre) gebildet. Diese nahm auch an der diesjährigen Ferienfreizeit 
am Heiderbergsee in Brühl teil und trifft sich seitdem wöchentlich 
in Erp mit der Mobilé-Mitarbeiterin. Zudem besuchen die Mädchen 
auch das Mobilé-Café. Hier besteht mittlerweile ein so guter 
Kontakt, daß auf der Grundlage gewachsenen Vertrauens auch 
persönliche Probleme und Fragen von den Jugendlichen angesprochen 
werden. Eine Erweiterung der Gruppe wird angestrebt.
 
Der Kontakt zu der Mofaclique hat sich jedoch schwieriger gestaltet 
als zuvor angenommen. Anfangs hatten die Jugendlichen Interesse an 
einem offenen Teestubentreff bekundet, kamen zu den Terminen und 
planten auch Ausflüge, von denen zumindest einer in die Tat 
umgesetzt wurde (Besuch des Phantasialandes). Dann jedoch blieben 
sie den Terminen fern. Zu dieser Zeit war auch das Wetter so schön, 
daß sich die Jungen lieber draußen trafen oder mit ihren Mofas 
durch die Gegend fuhren. So bestand der Kontakt nur noch aus losen 
Treffen auf der Straße. Nach den Sommerferien sind diese Kontakte 
sehr sporadisch geworden. Einige der Jungen haben den Besuch einer 
weiterführenden Schule begonnen, andere befinden sich schon in der 
Ausbildung und vor allem hat ein Teil von ihnen jetzt den 
Führerschein gemacht, so daß sich die Gruppe auch stärker in andere 
Ortsteile bzw. Städte orientiert. Es ist aber zu vermuten, daß mit 
kommendem Herbst/Winter und schlechten Witterungsverhältnissen die 
Gruppe wieder verstärkt den Pfarraum nutzen wird.
 
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Vorhaben, den Ortsteil Erp 
mit Mobilé zu erreichen, erfolgreich angelaufen ist. Mittlerweile 
ist Kontakt zu ca. 20 bis 25 Erper Jugendlichen aufgenommen worden, 
der jedoch unterschiedlich intensiv ist. Fruchtbar gestaltet sich 
die Zusammenarbeit mit der katholischen Pfarrgemeinde. So ist der 
Mobilé-Mitarbeiterin seitens des Pastors ein Schlüssel für das 
Pfarrheim und den Teestubenraum zur Verfügung gestellt worden. 
Zudem wurde zusammen mit dem Jugendausschuß des Pfarrgemeinderats 
beschlossen, einen regelmäßigen Informations- und 
Erfahrungsaustausch über die Jugendarbeit vor Ort zu pflegen. Hier 
sind Mobilé und das Jugendbüro Erftkreis mit eingebunden.
 
Liblar
Liblar ist mit über 11.000 Einwohner/innen nach Lechenich der 
zweitgrößte Ortsteil Erftstadts. Er besteht aus mehreren Teilen, 
die zu historisch unterschiedlichen Zeiten entstanden sind, und so 
ist bis heute im Stadtbild kein Zentrum erkennbar. Liblar 
zergliedert sich in Neubauviertel, das ehemalige Straßendorf 
entlang der Carl-Schurz-Straße und die ehemalige 
Bergarbeitersiedlung in Oberliblar.
 
Hinzu kommt die Bebauungsweise an der Theodor-Heuss-Straße in Form 
einer Hochhaussiedlung, die durch Anonymität, beengte 
Wohnverhältnisse, erhöhtes Aggressionspotential, zu wenig 
Freiflächen und krasse soziale Unterschiede auf engstem Raum ihre 
eigene Problematik mit sich bringt.
 
Diese strukturellen Probleme spiegeln sich auch in der Arbeit mit 
den in Liblar lebenden Jugendlichen wider.
 
Es gibt verschiedene informelle Treffs, die sich zum Teil an wenig 
einsehbaren Stellen befinden, zum Teil jedoch gerade dort, wo 
"etwas los ist".
 
Als Mobilé in Liblar vor ca. zwei Jahren die Arbeit begann, wurden 
zunächst Kontakte zu verschiedenen Institutionen wie Schulen, 
Kirchen und freien Verbänden aufgenommen, um das Projekt 
bekanntzumachen und mögliche Kooperationspartner zu finden. Die 
Resonanz war sehr unterschiedlich; sie erstreckte sich von 
konkreten Anfragen nach Zusammenarbeit über Informationsbedarf bis 
zu Ablehnung. Nicht immer wurde deutlich, ob das Desinteresse an 
Zusammenarbeit daran lag, daß kein Bedarf nach Unterstützung 
bestand oder ob es Ablehnung gegenüber dem neuen Konzept von 
Jugendarbeit bzw. das Mißtrauen einer kommunalen Institution 
gegenüber war.
 
Da es im Gegensatz zu Lechenich in Liblar kein Jugendcafé gab, 
bemühte sich das Team zunächst darum, einen Raum zu finden, in dem 
Mobilé erreichbar und präsent war.
 
Dieses Ziel wurde Anfang 1993 mit der Teestube des Ville-Gymnasiums 
auf dem Campus erreicht. "Canapé", wie dieser Raum genannt wurde, 
war ein offener Treff für Jugendliche, der einmal wöchentlich für 
drei Stunden geöffnet hatte.
 
Zunächst wurde dieses Angebot unregelmäßig von vorzugsweise 
männlichen Jugendlichen im Alter von 13-16 Jahren in Anspruch 
genommen.
 
Als zum Sommer hin trotz verstärkter Bemühungen, dieses Angebot 
bekannter und attraktiver zu gestalten, das Interesse der 
Besucher/innen nachließ, blieb der Raum vorübergehend geschlossen. 
Mobilé verlegte die Arbeit wieder auf die Straße und suchte die 
Jugendlichen an ihren Treffs, wie im Einkaufszentrum, im Park oder 
auf anderen Plätzen auf. 
 
Zu einer Clique männlicher Jugendliche entstanden regelmäßige 
Kontakte. Im Winter 93/94 nutzte diese Clique das "Canapé" als 
ihren Treffpunkt. Einmal wöchentlich traf sich eine Mitarbeiterin 
von Mobilé mit den Jugendlichen für zwei Stunden in diesem Raum. 
 
Durch interne Querelen veränderte sich die Clique, und mit Beginn 
der besseren Witterungsverhältnisse zog sich die Gruppe an ihren 
alten Treffpunkt zurück.
 
Als zu Beginn des Jahres 1994 das Mobilé-Team nach mehreren Monaten 
endlich wieder vollständig war, wurde auch die Arbeit in Liblar 
verstärkt.
 
Durch den Einsatz des Beratungsbusses hat sich die Arbeit 
verändert. Zweimal wöchentlich bauen zwei Mitarbeiterinnen von 
Mobilé den Bus mit Tischen, Stühlen und einem Sonnenschirm auf und 
bieten Möglichkeiten zu Gesprächen und Freizeitgestaltung an. 
Während dieses Angebot jeden Montag am Bürgerplatz für alle 
Jugendlichen offen ist, entwickelt sich mittwochs im 
Einkaufszentrum der Bus für eine Gruppe von 13- bis 14-jährigen zu 
einem festen Treff. Hier zeichnet sich eine Veränderung von einem 
offenen Angebot hin zu Gruppenarbeit ab. 
 
Auch schon die länger anstehende Graffiti-Aktion konnte im Frühjahr 
1994 durchgeführt werden. Seitens der Stadt war die Schulwand an 
der Skater-Anlage (Bahnhofstraße) zum Besprayen zur Verfügung 
gestellt worden. Zur Durchführung des Projektes hat sich unter 
Mithilfe von Mobilé eine Gruppe von jungen Graffiti-Künstlern 
gebildet, die in einer öffentlich angelegten Aktion die Wand 
besprayten. Seitdem finden sich an diesem Platz regelmäßig 
Jugendliche ein, um das Angebot einer legalen Sprayfläche zu 
nutzen. 
 
Eine weitere Gruppe, zu der erneut Kontakt aufgenommen wurde, ist 
die Gruppe der Skater an der Half-Pipe. Da hier Größe und 
Zusammensetzung der Gruppe sehr wetterabhängig ist und zumindest im 
Frühjahr häufig wechselte, besteht zum jetzigen Zeitpunkt noch ein 
eher loser Kontakt. Zusammen mit Mobilé besserten sich die 
Jugendlichen die Platten der Pipe aus und besprachen die 
Modalitäten zur Nutzung des Bauwagens, der ihnen als Treff 
versprochen worden war. 
 
Nach langer Vorlaufzeit wurde der Bauwagen im September 1994 auf 
den Platz an der Skater-Anlage gebracht. Die Chance, durch den 
Bauwagen einerseits einen überdachten, eigenen Raum als Treffpunkt 
zu haben und andererseits eine nähere Anbindung an Mobilé zu 
erwirken, konnte nicht genutzt werden, da der Bauwagen bereits nach 
einer Woche von Unbekannten dermaßen demoliert und zerstört wurde, 
daß er abtransportiert werden mußte. Dieser Platz dient jedoch nach 
wie vor bis zu 20 Jugendlichen täglich als Treffpunkt.
 
Seit März 1994 gibt es in Liblar den "Club JustUs", der ähnlich 
aufgebaut ist, wie der "Club Zupp" in Gymnich. Die Räumlichkeiten, 
die von den Jugendlichen genutzt werden können, wurden vom 
Arbeiter-Samariter-Bund in Liblar schnell und unbürokratisch zur 
Verfügung gestellt. Es handelt sich hierbei um einen Schulungsraum 
und eine Küche. Zunächst trafen sich ca. 10 Jugendliche jeden 
Donnerstagabend im Club. Mit Beginn des schönen Wetters konnte man 
jedoch nicht mehr mit den Biergärten in Liblar konkurrieren, die 
Besucher/nnenzahlen gingen erheblich zurück. Zur Zeit wird 
versucht, über ein interessantes Programmangebot neue Jugendliche 
für den Club "JustUs" zu gewinnen. Der Club wird geführt von Szene 
e.V., also von Jugendlichen selbst, mit Unterstützung von Mobile.
 
Mit der Aufnahme der Arbeit von Mobilé entstand in Liblar eine 
Jugendarbeitsgemeinschaft, bestehend aus Jugendvertreter/innen, 
schulischer, freier und kirchlicher Träger. Sie stellte eine Form 
gemeinwesenorientierter Jugendarbeit dar und diente dem Austausch 
und der Planung von Angeboten im Stadtteil. 
 
Aus dieser Kooperation entwickelte sich eine fruchtbare 
Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde (EKG) und 
Mobilé.
 
So konnten nach langer Zeit wieder Disco-Veranstaltungen in Liblar 
erfolgreich durchgeführt werden. Zielgruppe sind 12- bis 16-jährige 
Jugendliche, von denen über 800 Besucher/innen die Veranstaltungen 
bisher besuchten. 
 
Auch ein Anfang November stattfindendes Jugendkultur-Festival wird 
die Teestuben-Gruppe der EKG tatkräftig unterstützen. Ebenso wird 
von der Ev. Kirche die Möglichkeit, Mädchenarbeit in Liblar zu 
etablieren, unterstützt (siehe auch Mädchenarbeit). 
 
In Zusammenarbeit von Hauptschule Liblar und Mobilé wird ab Mitte 
Oktober ein außergewöhnliches Projekt starten. Einmal wöchentlich 
werden zwei Mitarbeiterinnen vormittags mit dem Bus in der großen 
Pause auf dem Schulhof stehen und den Jugendlichen als Anlaufstelle 
dienen. Hier können die Hauptschüler/innen sich über die Angebote 
von Mobilé informieren, die für Liblar zuständigen Kolleginnen 
kennenlernen und sich bei Fragen und Problemen beraten lassen. Bei 
Bedarf können Gesprächstermine in der darauffolgenden Stunde 
stattfinden bzw. am Nachmittag angeboten werden. Sollte diese 
Kooperation nach einer sechswöchigen Pilotphase erfolgreich 
weitergeführt werden, soll ein regelmäßiger Austausch mit den 
Lehrern/innen der Schule stattfinden. 
 
Die geplante Jugendbefragung in Liblar wird in Form eines 
Preisausschreibens durchgeführt werden. Die Leiter der Haupt- und 
der Realschule haben sich bereiterklärt, diese Aktion an ihren 
Schulen zu unterstützen. Ziel der Befragung sind genauere 
Informationen über Freizeitverhalten, Interessen und Bedürfnissen 
von Jugendlichen in Liblar. 
 
Insgesamt greift das Mobilé-Konzept zunehmend erfolgreicher auch in 
Liblar, jedoch dauert dieser Prozeß hier wesentlich länger als in 
anderen Orten. Das liegt nicht zuletzt auch daran, daß dieses 
Projekt hier teilweise auf sehr viel Widerstand stieß. Nach wie vor 
erweist es sich z.B. als äußerst schwierig, geeignete 
Veranstaltungsräume zu finden. Verschiedentlich taucht immer wieder 
die Forderung nach einem eigenen Jugendtreff auf. 
 
Als Erfahrung von 2 Jahren Mobilé-Arbeit wäre es für die Zukunft 
sinnvoll, eine Art Stadtteilbüro in Liblar aufzubauen, mit 
festgelegten Öffnungszeiten. Hier könnten dann sowohl Jugendliche 
wie Erwachsene den/die zuständigen Mitarbeiter/innen vor Ort 
erreichen. Es gäbe die Möglichkeit, Beratungsgespräche in 
geeigneten Räumlichkeiten zu führen, spontan vorbeizuschauen und in 
Kontakt zu bleiben. Auch für die Multiplikatoren/innen wäre 
ein/eine Ansprechpartner/in leichter greifbar. Dazu würde sich 
beispielsweise ein kleines Ladenlokal am Bürgerplatz oder im 
Einkaufszentrum eignen, ausgestattet mit Schreibtisch, Telefon und 
einem Getränke- und Spieleangebot, in dem Jugendliche sich unter 
Umständen auch einen Nachmittag aufhalten könnten, das jedoch nicht 
die Strukturen eines Jugendtreffs hätte. 
 
Wie bereits im Zwischenbericht ausgeführt, fehlt es an geeigneten 
Möglichkeiten, Jugendkulturarbeit in Liblar anzubieten. 
Wünschenswert wären Räumlichkeiten, die mit entsprechenden 
Voraussetzungen wie Strom, Heizung und Sanitär-Anlagen ausgestattet 
sein müßte und abseits der Wohnbereiche liegt, so daß es keine 
Lärmbelästigung für Nachbar/innen gäbe. 
 
Dirmerzheim
In Dirmerzheim findet von Beginn des Mobilé-Projektes an eine 
kontinuierliche Arbeit mit Jugendlichen statt. In Ermangelung 
jedweder Räumlichkeiten, die von den Jugendlichen genutzt werden 
konnten, begann die Arbeit auf der Straße. Zwei Altersgruppen 
wurden betreut: 16- bis 20-jährige und 10- bis 15-jährige. Während 
sich die Gruppe der 16- bis 20-jährigen nach ca. einem Jahr, wie im 
letzten Bericht beschrieben, auflöste, gelang es, der Gruppe der 
10- bis 15-jährigen eine räumliche Alternative zu bieten: Der 
Sportclub Dirmerzheim stellt seit ungefähr einem Jahr sein 
Sportlerheim zweimal wöchentlich den Jugendlichen zur Verfügung. 
Die Modalitäten der Nutzung wurden zwischen Sportverein und Mobile 
vertraglich geregelt. Dieses Angebot wird von den Jugendlichen 
dankbar angenommen. Der Treff wird stets gut besucht. Zusätzlich zu 
den allwöchentlichen Treffs veranstaltet diese Gruppe weitere 
Freizeitaktivitäten, wie Feriencamps, Mithilfe bei 
Konzertveranstaltungen von Mobilé, Benefiz-Veranstaltungen etc.
 
Die intensive und kontinuierliche Arbeit mit dieser Gruppe ließ ein 
intensives Vertrauensverhältnis zwischen Jugendlichen und Betreuer 
entstehen, welches Lösungen auch bei schwierigen persönlichen 
Problemen ermöglichte.
 
Seit Beginn dieses Jahres findet erfreulicherweise auch eine engere 
Zusammenarbeit mit der Katholischen Pfarrei St. Remigius statt. 
Mobilé unterstützt die Pfarrei im Aufbau eigener Jugendarbeit 
derart, daß eine Jugendgruppe von 8- bis 13-Jährigen betreut wird, 
die später von einem älteren Jugendlichen übernommen werden soll. 
Geplant ist, weitere Gruppen zu etablieren. Hierzu stellt die 
Kirche den Jugendlichen einen eigenen Raum im Pfarrhaus zur 
Verfügung, der nach den Vorstellungen der jungen Leute gestaltet 
werden kann. Diese Gruppe trifft sich einmal in der Woche zur 
gemeinsamen Gruppenarbeit. 
 
Als Ergebnis der ersten Erftstädter Kinder- und Jugendfilmwoche 
1993 hat sich in Dirmerzheim ein Film-Club gegründet. Er besteht 
aus Jugendlichen im Alter von 12-15 Jahren, die es sich zur Aufgabe 
gemacht haben, regelmäßige Kinovorführungen für Kinder und 
Jugendliche in Dirmerzheim zu veranstalten. Die Kinonachmittage 
finden im Kath. Pfarrhaus statt. Finanziert wird die Arbeit durch 
die Pfarrei St. Remigius, betreut wird der Film-Club von Mobilé.
 
Resümierend läßt sich sagen, daß in Dirmerzheim ausgehend von einem 
vermeintlichen "Nichts" im Laufe von 2 Jahren akzeptable Angebote 
für Jugendliche entstanden sind, die gut genutzt werden. Es hat 
sich jedoch gezeigt, daß man dafür Zeit und manchmal einen langen 
Atem braucht. Als besonders wichtig stellte sich heraus, daß 
Kontinuität sowohl im Angebot als auch in der betreuenden Person 
bestand.
 
Lechenich
In den zwei Jahren Mobilé hat sich eine äußerst fruchtbare 
Zusammenarbeit zwischen der KJG Lechenich (Katholische Junge 
Gemeinde) und der Jugendberatung entwickelt. Dies schlägt sich in 
einer Vielzahl gemeinsamer Veranstaltungen und Projekten nieder. 
Hierzu gehören Disco-Veranstaltungen, Rock-Konzerte, Flohmärkte für 
Kinder und Jugendliche etc.. 
 
Nach wie vor gibt es einmal wöchentlich einen offenen Treff, der 
von der KJG und Mobilé gemeinsam betreut wird. Jeden Donnerstag 
treffen sich Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren im Pfarrzentrum 
Lechenich, um gemeinsam bei Spaß und Spiel ihre Freizeit zu 
verbringen. 
 
Kontakt wurde auch aufgenommen zu einer Gruppe von 30-40 
Jugendlichen, die sich allabendlich am Schulberg (Südschule) 
trifft. Die Jugendlichen, größtenteils Realschüler/innen und 
Gymnasiasten/innen, wünschten sich einen Treff, in dem sie sich 
auch bei schlechter Witterung aufhalten könnten. Sie wandten sich 
mit ihrem Anliegen an den Lechenicher Ortsvorsteher. Mobilé, die 
Jugendlichen und der Ortsvorsteher suchten gemeinsam in mehreren 
Gesprächen nach Umsetzungsmöglichkeiten ihres Anliegens. Ein 
zunächst von allen akzeptierter Vorschlag war die Aufstellung eines 
als Jugendtreff umgebauten Reisebusses, der günstig hätte beschafft 
werden können. Nachdem den Jugendlichen jedoch klar wurde, daß 
dieser Bus nicht an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden lang 
unkontrolliert genutzt werden kann, und ihnen Mitarbeit und 
besonders Mitverantwortung abverlangt wurde, verloren sie das 
Interesse an diesem Projekt und treffen sich nach wie vor am 
Schulberg. 
 
Weiterhin wird in Lechenich eine Gruppe von ca. 20 Jugendlichen im 
Alter von 12-18 Jahren, vorwiegend Sonder-, Hauptschüler/innen und 
Auszubildende, betreut. Sie treffen sich regelmäßig auf dem 
Spielplatz Elsa-Brändström-Straße. Hier kam es häufig zu 
Differenzen mit den Anwohnern, die sich durch die Jugendlichen 
insbesondere in ihrer Ruhe gestört fühlten. Mobilé lud beide 
Parteien zu einem gemeinsamen Treffen ins Mobilé-Café ein. Ziel war 
es, beide Seiten miteinander ins Gespräch zu bringen, um ggf. 
Verständnis für die andere Seite zu entwickeln. Dieses Ziel wurde 
erreicht. Ob die getroffenen Vereinbarungen von Dauer sein werden, 
wird die Zukunft zeigen.
 
4.6 Das Mobilé-Café
Das Mobilé-Café befindet sich im Stadthaus, zentral in 
Erftstadt-Lechenich. Außerhalb der Öffnungszeiten werden die 
Räumlichkeiten von verschiedenen Erftstädter Initiativen genutzt, 
z.B. BUND, W.O.M.A.N., Junge Union, Initiativkreis 
Jugendgemeinderat, Schulklassen etc. Vom 01. September 1992 bis zum 
30. September 1993 wurde das Café betreut von zwei halbtags 
beschäftigten Sozialpädagog/innen. Mehrere Ebenen pädagogischer 
Arbeit wurden realisiert: offener Café-Betrieb, Beratung in 
persönlichen Problemsituationen und kulturelle Angebote. Zum 
01.10.1993 wechselten diese Kolleginnen zum Jugendzentrum 
Köttingen.
 
Der Café-Betrieb wurde im weiteren gewährleistet durch eine 
Honorarkraft mit 9 Stunden in der Woche und die Präsenz einer der 
hauptamtlichen Kräfte für jeweils einen Nachmittag in der Woche, 
die vor allem für das Beratungsangebot zur Verfügung stand.
 
Mitte Februar 1994 wurde die vakante halbe Stelle besetzt, damit 
konnte die geplante konzeptionelle Neugestaltung des Cafés 
realisiert werden. 
 
Das Café dient nicht mehr vorrangig nur als Freizeit-Angebot, 
sondern fungiert als qualifiziertes Beratungs-Café. Neben der 
Möglichkeit, sich im Café über eine Vielzahl von Themen (z.B. AIDS, 
Sexualität, Freizeitveranstaltungen, Fortbildungsmöglichkeiten) zu 
informieren, wird für den Zeitraum von zwei bis vier Monaten ein 
jugendrelevanter Themenkomplex schwerpunktmäßig präsentiert. Zum 
einen besteht für die Jugendlichen die Möglichkeit, sich 
unverbindlich bei einer Tasse Kaffee mit den ausliegenden 
Materialien zu beschäftigen, zum anderen können die anwesenden 
Mitarbeiter/innen jederzeit beratend in Anspruch genommen werden. 
Selbstverständlich kann das Café auch weiterhin zwanglos als Treff 
genutzt werden.
 
Mit dieser Umgestaltung des Cafés wird die Einbindung der 
Café-Mitarbeiterin in das Team wesentlich verstärkt, da die jeweils 
präsentierten Schwerpunktthemen mit dem Mobilé-Bus in die einzelnen 
Stadtteile transportiert werden. Diese Mobilität hat sich als 
zwingend notwendig erwiesen, um die Jugendlichen mit unserem 
Angebot zu erreichen.
 
Der erste im Café realisierte Themen-Komplex war 
Ausländer/innenfeindlichkeit/Asylproblematik, ab Oktober 1994 
gefolgt von dem Komplex Sucht/Drogen. Da für jedes Thema zunächst 
eine "informationelle Infra-Struktur" (Welchen Ansprechpartner/in 
gibt es? Woher bekomme ich Informationsmaterial? etc.) zu schaffen 
ist, wird sich bei einer turnusgemäßen Wiederholung der Themen die 
Vorbereitungszeit entsprechend verkürzen. 
 
Im Café wurde das erste Thema präsentiert durch Plakate, 
Stellwände, Bücher, mehrere Spiele, Fragebögen, wobei diese 
Materialien größtenteils von Mobilé erarbeitet wurden. Über die 
ausliegenden Spiele beispielsweise wird eine persönliche 
Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht. 
 
Zum Thema Sucht sind in Zusammenarbeit mit der 
Drogenberatungsstelle Hürth mehrere Nachmittags- bzw. 
Abendveranstaltungen geplant; während der ersten erftkreisweiten 
Aktionswoche "Sucht hat immer eine Geschichte" Ende Oktober 1994 
dient das Café zudem als Informationsbörse.
 
Eine intensive Erprobung des Themenangebots außerhalb des Cafés 
fand erfolgreich in Dirmerzheim statt, wo mit jeweils ca. 20 
Jugendliche mehrere Nachmittage gestaltet wurden.
 
An Gymnasien, Haupt- und Realschulen in Erftstadt wurde mehrfach 
das Angebot übermittelt, entsprechende Unterrichtseinheiten zu 
gestalten oder Schüler/innen mit Material für Referate auszustatten 
o.ä., dies wurde jedoch bisher nicht wahrgenommen.
 
Während aktionsorientierte Angebote (Spiele zum Thema, Fragebögen 
zum Selbstausfüllen, Befragungen anderer etc.) von den Jugendlichen 
sehr engagiert aufgegriffen wurden, blieben rezeptive Angebote wie 
Stellwände, Plakate - auch wenn sie jugendadäquat gestaltet waren - 
weitgehend unbeachtet. Es wird zu überlegen sein, wie dieser 
Erkenntnis Rechnung getragen werden kann.
 
4.7 Kinderbüro
 
Die Erwartungen an Mobilé als Kinderbüro oder Kinderbeauftragte 
haben sich nicht erfüllt. Eine Subsumierung nahezu aller irgendwie 
mit Kindern in Verbindung zu bringenden Aufgaben hätte Mobilé 
überfordert. Neben den konzeptionellen Aufgaben ist es nicht 
möglich,
 
- alle städtischen und freien Aktivitäten zu koordinieren,
- regelmäßig einen Kinderbericht vorzulegen
- Kinderfreundlichkeitsprüfungen bei Verwaltungsvorhaben 
durchzuführen, 
- Kinderbeiräte aufzubauen und zu betreuen
- mit dem Landeskinderbeauftragten zusammenzuarbeiten usw.
 
Diese Aufgaben mußten in Teilen auf andere Personen im Jugendamt 
übertragen werden. Durch die Zuordnung des Bereichs 
Jugendhilfeplanung beim Jugendpfleger ist die Wahrnehmung der 
Aufgaben eines Kinderbeauftragten an dieser Stelle sinnvoll 
sichergestellt. Kinderinteressen können somit im Rahmen der 
Jugendhilfeplanung wie der weitergehenden Stadtplanung 
Berücksichtigung finden. Dies setzt Kooperation aller Dienste der 
öffentlichen und freien Träger selbstverständlich voraus. Ein 
Kinderbericht wird z.Zt. erarbeitet.
 
5. Zahlen
 
Es erscheint in pädagogischen Arbeitsfeldern oft problematisch, 
geleistete Arbeit über die Zahl der erreichten Jugendlichen 
legitimieren zu müssen. All zu schnell wird der Wert der Arbeit 
dann nur noch anhand von Zahlen diskutiert, qualifizierte 
pädagogische Arbeit mit Einzelpersonen oder kleinen Gruppen 
schwindet aus dem Blickwinkel. 
 
Im Bewußtsein dieser Problematik soll es dennoch nicht unterlassen 
werden, oben beschriebene Arbeit mit einigen Zahlen zu belegen:
 
Im Bereich der Stadtteilarbeit auf der Straße oder in den 
entstandenen Jugendtreffs erreicht Mobilé Woche für Woche mehr als 
300 Jugendliche. Im Rahmen der Jugendkulturarbeit zählten alleine 
die Disco-Veranstaltungen über 7.500 Besucher/innen. Die 
Filmveranstaltungen wurden von ca. 800 Kino-Fans gesehen, ca. 1.000 
junge Leute hörten den Bands zu, die im Mobilé-Café auftraten. Etwa 
150 Jugendliche waren mit Mobilé in acht Ferienfreizeiten 
unterwegs. Hierbei handelte es sich mit Ausnahme der 
Begegnungswochen um stadtteilbezogene Maßnahmen.
 
Zusätzlich war Mobilé auf einer Vielzahl von Veranstaltungen 
präsent, die federführend von anderen Organisationen durchgeführt 
wurden. Die hier erreichten Leute sind nicht mehr quantifizierbar. 
 
Insgesamt kann man davon ausgehen, daß ca. 50 % der Erftstädter 
Jugendlichen mehr oder weniger intensiv von Mobilé erreicht werden.
 
6. Bilanz
 
Zwei Jahre Jugendberatung Mobilé zeigen, daß das Konzept, 
Jugendliche an ihren Treffpunkten aufzusuchen und mit ihnen 
gemeinsam Freizeitmöglichkeiten in ihren jeweiligen Ortsteilen 
aufzubauen, funktioniert. In Gymnich, Dirmerzheim, Liblar, 
Lechenich, Friesheim und Erp können mittlerweile Räumlichkeiten 
genutzt werden, die vorher den Jugendlichen nicht zugänglich waren. 
Der dabei für die Stadt entstehende Kostenfaktor liegt bei Null. 
Als zu hohe Erwartung hat sich die Hoffnung herausgestellt, diese 
Räume nach kurzer Zeit den Jugendlichen in Selbstverwaltung 
überantworten zu können. Durch den offenen Charakter dieser Treffs 
und die Fluktuation innerhalb der Besucher/innengruppen sind die 
Mobilé-Mitarbeiter/innen die Konstanten, die die reibungslose 
Nutzung der Räume im Sinne der Institutionen, die sie zur Verfügung 
stellen, gewährleisten. Diese Tatsache knüpft nahtlos an die 
Geschichte der selbstverwalteten Jugendzentren Anfang der 70er 
Jahre an. Dennoch ist Ziel der Arbeit, die Jugendlichen zu 
befähigen, eigenverantwortlich Freizeit zu gestalten und 
überlassene Räume zu nutzen.
Dieses Ziel ist als prozeßhafter Verlauf immer wieder Inhalt und 
auch Methode der Arbeit. Damit soll der dominierenden Konsumhaltung 
in nahezu allen Bereichen entgegengewirkt werden.
 
Das jugendkulturelle Angebot wurde durch Mobilé erheblich 
erweitert. Ca. 20 Disco-Veranstaltungen, 30 Kinonachmittage und 15 
Rock-Konzerte konnten Erftstädter Jugendliche besuchen. Gerade im 
jugendkulturellen Bereich schlägt sich jedoch die relativ niedrige 
finanzielle Ausstattung von Mobilé nieder. Anspruchsvolle 
Musik-Gruppen und Theaterstücke lassen sich nicht finanzieren. Hier 
stellt sich die Frage, ob der Kulturetat dieser Stadt nicht 
gerechter zugunsten junger Leute verteilt werden müßte. Sowohl im 
infrastrukturellen (Raum, Personal etc.) wie im 
Veranstaltungskostenbereich ist das Kulturangebot in Erftstadt 
eindeutig erwachsenzentriert.
 
Häufig wurde Mobilé in den letzten beiden Jahren als 
jugendpolitisches Allheilmittel betrachtet. Wo immer sich ein 
Problem mit Jugendlichen auftat, irgendwann landete die 
Angelegenheit bei Mobilé, verbunden mit der Erwartung, die 
Mitarbeiter/innen sollten die betreffenden Jugendlichen im Sinne 
der Erwachsenen disziplinieren. Die Einlösung dieser Erwartung 
widerspricht gänzlich dem Auftrag von Mobilé. Das "Team für Jugend" 
erfüllt keine sozial-polizeilichen Aufgaben; Ziel ist es, gemeinsam 
mit Jugendlichen und Erwachsenen, Lebensräume für junge Leute zu 
sichern, in denen nicht ausschließlich den Bedürfnissen der 
Erwachsenen Rechnung getragen wird. Denn bedauerlicherweise haben 
zwei Jahre Mobilé-Arbeit auch gezeigt, daß Jugendliche, wo immer 
sie sich im Stadtgebiet in Gruppen aufhalten, über kurz oder lang 
vertrieben werden sollen. Anfragen an Mobilé, diesbezüglich im 
Sinne der Erwachsenen tätig zu werden, kamen häufig; Angebote, die 
Interessen der Jugendlichen gemeinsam mit Mobilé zu unterstützen, 
fehlten bis auf wenige Ausnahmen. 
 
Fazit: Jugendliche haben in dieser Stadt nur eine sehr kleine 
Lobby. Diese Lücke will und muß Mobilé schließen. Hierbei sind wir 
jedoch zwingend angewiesen auf die Mithilfe der jugendpolitischen 
Gremien. 
 
Abschließend sei bemerkt, daß das Mobilé-Team mit der derzeit 
anfallenden Arbeit an der Obergrenze seiner finanziellen, 
personellen und zeitlichen Kapazität arbeitet. Eine weitere 
Ausdehnung seines Aufgabengebietes kann ohne eine Veränderung der 
finanziellen und personellen Ausstattung nicht mehr geleistet 
werden, ohne daß qualitative Einbußen in den bisherigen 
Arbeitsfeldern hingenommen werden müssen.
 
 
1995-1997
 
Vorwort
In den letzten Erfahrungsberichten wurde ausführlich das Konzept von Mobilé und die Arbeit
der Jugendberatung in den einzelnen Ortsteilen beschrieben. Hierauf wird deshalb im
vorliegenden Bericht verzichtet. Statt dessen beschreiben wir Entwicklungen und Tendenzen,
wie sie sich aus unserer Sicht im Berichtszeitraum (2/1995 - 5/1997) ergeben haben. Folgende
Bereiche finden dabei Berücksichtigung: aufsuchende Arbeit auf der Straße, Mädchenarbeit,
Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, individuelle Beratung, Prävention,
Jugendkulturarbeit und Rahmenbedingungen der Arbeit.
 
Diese sicherlich subjektiven Beobachtungen, erwachsen aus der täglichen Arbeit mit den
Jugendlichen, decken sich häufig mit aktuellen Ergebnissen aus der Jugendforschung, sodass
eine gewisse Gültigkeit unserer Aussagen belegbar ist.
 
1. Aufsuchende Arbeit
Im Verlauf des Berichtzeitraums hat sich gezeigt, dass die aufsuchende, mobile Jugendarbeit
wichtigstes Element von Mobilé bleibt. Hier entsteht der direkte Kontakt zu den Jugendlichen
und eine genaue Kenntnis von deren Lebenswelt. Dies erst ermöglicht eine
zielgruppenspezifische, bedürfnisorientierte Arbeit in den anderen Aufgabenbereichen von
Mobilé. 
 
Als äußerst wichtig für das Entstehen von informellen Jugendtreffs auf der Straße, die von
Mobilé betreut werden, ist personelle und zeitliche Kontinuität, d.h. das regelmäßige
Erscheinen der gleichen Betreuungsperson. Seitdem dies aufgrund konstanter Personalsituation
seit Anfang 1996 gewährleistet ist, hat die Inanspruchnahme der Treffs, insbesondere in Liblar
und Erp, stark zugenommen. 
 
Das Alter der Jugendlichen, die Mobilé auf der Straße trifft, liegt in der Regel zwischen 13 und
18 Jahren. Der Anteil Mädchen/Jungen ist momentan annähernd gleich, hier hat eine
Verschiebung zugunsten der Mädchen stattgefunden.
 
Ob eher Jungen oder Mädchen als erste einen Treff besuchen, hängt vom Geschlecht der
betreuenden Person ab: Bietet eine Kollegin einen Treff an, versammeln sich zunächst die
Mädchen und bestimmen Atmosphäre und Spielregeln, an die sich die später hinzukommenden
Jungen halten müssen und umgekehrt.
 
Besonders attraktiv war für die Jugendlichen der Einsatz des Mobilé-Busses. Gründe hierfür
sind zum einen Schutz vor Witterungsunbill, zum anderen die dichte, gemütliche und
ungezwungene Atmosphäre. Der Bus ist den Jugendlichen häufig sogar lieber als feste
Räumlichkeiten, da er punktgenau an ihren Lieblingsplätzen eingesetzt werden kann. Wegen
der hohen Nachfrage wurde Ende 1996 ein zweiter Bus angeschafft und in Betrieb genommen.
 
Im Bereich der aufsuchenden Arbeit findet zur Zeit in den Ortsteilen, die Mobilé seit längerer
Zeit kontinuierlich betreut, ein Generationswechsel statt. Die älter gewordenen Jugendlichen
kommen aus beruflichen Gründen nicht mehr so häufig. Zudem sind für sie durch höhere
Mobilität (Führerschein, Auto) andere Freizeitangebote erreichbar geworden. Ganz auf Mobilé
verzichten möchten sie jedoch auch nicht, zumal im Bereich Konfliktmanagement und
Lebensbewältigung nach wie vor Betreuungsbedarf vorhanden ist. Gleichzeitig wächst die
nachfolgende Generation heran, die in der Anfangsphase der Arbeit einer intensiven Betreuung
bedarf, um ein tragfähiges Beziehungsgefüge herstellen zu können.
 
2. Mädchenarbeit
Parteiliche Mädchenarbeit ist als Bestandteil offener Jugendarbeit zu betrachten und wird
durch 
§9, 3 im KJHG auch vom Gesetzgeber gefordert. Parteilichkeit heißt in diesem Zusammenhang:
 
- Mädchen in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen
- sie ernst- und anzunehmen
- ihnen Unterstützung und Schutz anzubieten
- eigene Lebensentwürfe von Mädchen zu akzeptieren und neue Wege aufzuzeigen
 
Realisiert werden diese Grundsätze zum einen durch spezielle offene oder geschlossene
Angebote für Mädchen, in denen sie in geschützten Räumen eigene Erfahrungen machen, sich
mit sich selber und anderen Mädchen auseinandersetzen und sie selber sein können.
 
Zum anderen steckt dahinter aber auch das Angebot an jedes einzelne Mädchen , eine weibliche
Ansprechpartnerin zu finden, die sie ernst nimmt und sie in ihrem Entwicklungsprozeß
begleitet, ohne sie zu bewerten und in herkömmliche Rollenklischees zu drängen. Das bedeutet:
Parteiliche Mädchenarbeit deutet um, sieht die Fähigkeiten, Stärken und Besonderheiten jedes
einzelnen Mädchens.
 
Dieser Arbeitsansatz wurde von Mobilé seit Beginn umgesetzt und konsequent
weiterentwickelt.
Deutlich wurde dabei, daß Parteilichkeit für Mädchen in allen Bereichen der Jugendhilfe
erforderlich ist. Denn die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Sozialisation führt bei den
Fragen nach Ursachen und Auswirkungen, ob im Bereich von Drogenkonsum, Arbeitslosigkeit,
Lebensplanung, Gestaltung öffentlicher Räume oder Kriminalität ebenso wie die methodische
Herangehensweise zu unterschiedlichen Antworten für Jungen und Mädchen.
 
Daher ist parteiliche Mädchenarbeit eine Querschnittsaufgabe, die sich zum Ziel gemacht hat,
Interessen von Mädchen in allen Lebensbereichen deutlich zu machen und ihnen ausreichend
Aufmerksamkeit und Empathie entgegen zu bringen.
 
2.1 Aufsuchende Mädchenarbeit
Unsere Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß parteiliche Mädchenarbeit in
Ansätzen auch im Rahmen der aufsuchenden Arbeit möglich sein kann. Voraussetzung dafür ist
die Mitarbeit von weiblichem Personal, da wir festgestellt haben, daß die Kontakte von den
Jugendlichen zu den MitarbeiterInnen und umgekehrt in der Regel geschlechtsspezifisch
erfolgen. Das bedeutet: Die Frauen des Teams sprechen eher Mädchen auf der Straße an, die
Männer finden den Kontakt schneller zu den Jungen.
 
Um parteiliche Mädchenarbeit auf der Straße ansatzweise realisieren zu können, müssen
folgende Bedingungen erfüllt sein:
 
- Die Kollegin muß sich mit der eigenen Sozialisation auseinandergesetzt haben.
- Sie muß sich mit Lebensbedingungen von Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft 
befaßt haben.
- Sie muß praktische Erfahrungen in der Mädchen- oder Frauenarbeit haben.
- Sie muß die Mädchen in ihrer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und sie mit ihren 
 verschiedenen Interessen und Bedürfnissen ernstnehmen.
- Sie muß sich der Unterstützung im Team für ihren parteilichen Arbeitsansatz sicher sein.
- Sie muß Mädchen auf der Straße antreffen.
 
Im Laufe des letzten Jahres läßt sich im Stadtteil Liblar eine positive Veränderung bezogen
auf die Erreichbarkeit von weiblichen Jgdl. feststellen. Dadurch verändern sich
Arbeitsbedingungen: In dem Maße wie mehr Mädchen sich öffentlichen Raum aneignen,
wird ihre Anwesenheit nicht mehr so sehr durch Jungen bestimmt, sondern sie fühlen sich
stark genug, Angebote von Mobilé auf der Straße eigenständig in Anspruch zu nehmen.
 
Erklären läßt sich diese Entwicklung durch den höheren Bekanntheitsgrad und die damit
einhergehende Akzeptanz von Mobilé, aber auch durch einen Wechsel von Cliquen, die das
Bild auf der Straße bestimmt haben. Wenn Mädchen den Mobilé-Bus stärker als bisher
frequentieren, so nehmen sie Einfluß auf die Atmosphäre dort, was den Umgangston ebenso
wie die Inhalte von Gesprächen verändert.
 
2.2 Mädchenarbeit in Räumen
Vor zwei Jahren wurde in Liblar der MädchenTreff in den Räumen der ev. Kirchengemeinde
installiert. Zu Beginn richtete sich das offene Angebot an alle Mädchen ab 12 Jahren und war
für zwei Stunden pro Woche geplant. 
 
Es kamen zunächst sehr viele unterschiedliche Mädchen, was die Altersstruktur und
Interessen betraf. Eine Gruppe von 13 - 14 jährigen Realschülerinnen etablierte sich und
bestimmte wesentlich die Atmosphäre des Treffs. Sie forderten nach einiger Zeit auch, die
Altersgrenze auf 14 Jahre anzuheben.
 
Inhalte waren neben gemeinsamen Freizeitaktivitäten, Auseinandersetzung und
Informationen zu Themen wie Freundschaft, Liebe, Sexualität und Verhütung , aber auch
Probleme mit Eltern und LehrerInnen.
 
Bedingt durch schulische Veränderungen oder Interessensverlagerungen nahmen diese
Mädchen das Angebot nach ca. 1,5 Jahren nicht mehr in Anspruch.
 
Das Mädchencafé in Lechenich wird dagegen schon seit längerer Zeit nicht mehr
angenommen. Als dort der Generationswechsel stattfand, wurde deutlich, daß für Mädchen
neben einem geschlechtsspezifischen Angebot auch eine kontinuierliche Präsenz im Stadtteil
wichtig ist.
 
Während die Kollegin in Liblar auch auf der Straße und an der Schule anzutreffen ist, war
dies in Lechenich bedingt durch den stadtteilorientierten Arbeitsansatz des Teams nicht
gegeben. Somit bestand und besteht keine Möglichkeit der persönlichen Kontaktaufnahme
bzw. ergänzender Angebote auf der Straße durch eine Frau.
 
2.3 Mädchen in der Jugendhilfeplanung
Seit Okt. 95 gibt es in Erftstadt den Arbeitskreis "Mädchen in der Jugendhilfeplanung", der
zwischenzeitlich auch als Arbeitsgemeinschaft (AG) nach §78 KJHG anerkannt ist. Diese AG
wurde von Mobilé ins Leben gerufen und wird von hier auch geleitet. Neben verschiedenen
Abteilungen des Jugendamtes sind die ehrenamtliche Leiterin einer Gruppe aus Erp, die
Haupt- und Realschulen aus Liblar und Lechenich, die Don-Bosco-Schule und die
Gleichstellungsbeauftragte vertreten. Ziel dieser AG ist es, die Jugendhilfeplanung
dahingehend zu unterstützen, daß Mädchen mit ihren Stärken, Interessen, Vorstellungen und
Bedürfnissen als Zielgruppe von JHPL berücksichtigt und gefördert werden.
 
Um neben der theoretischen Arbeit auch praktisch etwas für und mit Mädchen zu gestalten,
wurde in den Herbstferien 1996 ein Mädchen-Tag "Girls just wonna have fun" von der AG
organisiert und durchgeführt. Einen Nachmittag lang wurden Workshops wie Schreinern,
Trommeln, Seidenmalerei oder Selbstverteidigung ebenso wie ein Café und eine Infobörse
angeboten. Sowohl bei den Besucherinnen als auch bei den Veranstalterinnen fand dieser
Tag großen Anklang, so daß für 1997 erneut ein Mädchen-Tag geplant ist.
 
Darüber hinaus konnte ein Teil der Besucherinnen für den MädchenTreff in Liblar begeistert
werden, so daß sich dort jetzt eine Gruppe von 12-13 jährigen Mädchen regelmäßig trifft.
 
Dieser Generationswechsel scheint eine normale Entwicklung unserer Arbeit zu sein, der
immer wieder Brüche und Neuanfänge nach sich zieht.
 
3. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
Von Anfang an hat sich Mobilé bemüht, mit anderen Institutionen, die Jugendarbeit
betreiben, zusammenzuarbeiten und sie zu unterstützen. So wurde es möglich, in einzelnen
Stadtteilen offene Angebote für Jugendliche zu etablieren, die bis dahin nicht vorhanden
waren. Hierbei ist es wichtig, von einem offenen Angebot unter hauptamtlicher Betreuung
hin zu einem in Eigenverantwortlichkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen
geführten Treff zu gelangen. Die Bereitschaft anderer Institutionen, diesen Ansatz sowohl
mit Räumen als auch personell zu unterstützen, wächst ständig. 
 
Angenommen wird auch das Angebot von Mobilé, Hilfestellung bei Fragen zur Jugendarbeit
und Gestaltung von Jugendräumen zu leisten.. Hier versteht sich Mobilé als Mittler zwischen
Jugendlichen, Verbänden und Erwachsenen. Beispielhaft genannt für diese Vernetzung seien
hier der Jugendarbeitskreis Gymnich (JAK Gymnich) und die Kooperation zwischen Mobilé
und der Gemeinde St. Remigius in Dirmerzheim. Durch diese Kooperationen ist die
Angebotspalette für Freizeitgestaltung in den Ortsteilen gesteigert worden.
 
Hinzu kommt eine Vielzahl von Angeboten und Veranstaltungen für Jugendliche, die ohne
die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und deren ehrenamtlichen
JugendarbeiterInnen nicht denkbar gewesen wären. Eine sinnvolle und effektive Umsetzung
des Mobilé-Konzepts ohne die Unterstützung durch die Jugendverbände, Vereine und
Kirchen ist nicht vorstellbar.
 
4. Beratung
Im Berichtszeitraum wurde deutlich, daß sich individuelle Beratungssituationen im
wesentlichen aus den persönlichen Beziehungen ergeben, die in der aufsuchenden Arbeit
entstehen. Das Beratungsangebot wurde von den Jugendlichen wahrgenommen, denen die
MitarbeiterInnen durch die Arbeit auf der Straße bekannt waren. Dies belegt auch der
geringe Anteil an "FremdmelderInnen".
 
Der Grundsatz der Beratungsarbeit, Jugendliche kontaktieren von sich aus Mobilé (d.h.
"Überweisungen" von anderen Institutionen sind nicht möglich), sowie Mobilé als parteiliche
Anlaufstelle, hat sich bewährt. Jugendliche verstehen Mobilé als eigene Anlaufstelle, die
nichts ohne ihr Wissen und Einverständnis unternimmt. Dadurch ist das Vertrauen in die
BeraterInnen weiter gewachsen.
 
Zu allen Themenbereichen, mit denen Jugendliche die Beratung aufsuchen, ist es möglich,
der geschlechtsspezifischen Problematik, z.B. bei Drogenkonsum, Sexualtität, Gewalt, fam.
Probleme etc. durch weibliche und männliche BeraterInnen gerecht zu werden.
 
Die Problembereiche mit denen Jugendliche unser Beratungsangebot überwiegend
aufsuchen, sind:
 
- innerfamiliäre Konflikte und Problemlagen
 (Scheidung, Stiefeltern, Konflikte mit Eltern, Adoption, Arbeitslosigkeit, Alkohol etc.)
- schulische Schwierigkeiten
- Partnerschaft/Beziehung
- Sexualität
- Drogen.
 
Bei Problemen und Konflikten, die einer längerfristigen Beratung oder Betreuung bedürfen,
findet eine Weitervermittlung in Absprache mit dem/der Jugendlichen an bestehende
Institutionen, z.B. Erziehungsberatungsstelle, Allgemeiner Sozialer Dienst, Drogenberatung,
Frauen helfen Frauen... statt.
 
5. Präventionsarbeit
Aufgrund der von uns beobachteten Zunahme des Drogenkonsums, insbesondere von
Haschisch, Ecstasy und Alkohol, und das Antreffen von arbeitslosen Jugendlichen auf der
Straße, wurde im Laufe des Berichtszeitraums die Präventionsarbeit verstärkt
wahrgenommen.
 
5.1. Drogenprävention
Vielen Berichten in den Medien zufolge hat der Drogenkonsum bei Jugendlichen
zugenommen. Diese Tendenz konnte auch Mobilé in der Arbeit beobachten. Es handelt sich
vor allem um den Konsum von Haschisch, Ecstasy und Alkohol. Da die KonsumentInnen
gleichzeitig immer jünger werden und ein hoher Informationsbedarf rund um das Thema
Drogen festgestellt werden konnte, wurde sich der Drogenprävention intensiv gewidmet.
 
Hierzu gehörte die Teilnahme an einer Fortbildung bei der Fachstelle zur Suchtprävention in
Hürth, um sich im Vorfeld mit der Thematik auseinanderzusetzen und qualifizierte
Beratungsangebote machen zu können.
Da die notwendige Vernetzung von verschiedenen Institutionen aus Erftstadt zu diesem
Themenbereich im AK Jugendschutz bereits erfolgt war, wurde hier die Mitarbeit
intensiviert.
 
In der konkreten Arbeit mit den Jugendlichen wurde die Drogenproblematik in der
Gruppenarbeit verstärkt thematisiert. Dem Informationsbedarf der Jugendlichen kam Mobilé
mit einer jugendadäquaten Infobroschüre "What about drugs" entgegen. Diese Broschüre
findet einen großen Anklang bei den Jugendlichen.
 
5.2. Jugendarbeitslosigkeit
Ausgehend von den o.g. Erfahrungen und Presseveröffentlichungen über ständig steigende
Zahlen arbeitssuchender Jugendlicher wurde sich dem Thema der Jugendarbeitslosigkeit
verstärkt zugewendet.
 
Mobilé richtete eine Anlaufstelle für arbeitslose Jugendliche in Form eines offenen Cafés
einmal wöchentlich im Vormittagsbereich ein. Zusätzlich wurden Beratungsmöglichkeiten
für alle Jugendlichen zu den Themen Arbeit, Lehrstellensuche, Bewerbung und
Vorstellungsgespräche angeboten. Es zeigte sich, daß diese Angebote nicht angenommen
wurden. Trotz unserer Bemühungen in der Motivationsarbeit sowie eines eingesetzen
Busdienstes, um interessierte Jugendliche aus den Ortsteilen abzuholen, zeigte sich kein
Interesse an dem von uns eingerichteten Angebot.
 
Zudem wurde das Beratungsangebot allen Schulen zugänglich gemacht. Mobilé entwickelte
ein auf Schulen zugeschnittenes Präventionskonzept. Beides wurde nicht nachgefragt.
 
Abschließend ist hier zu betonen, daß ein Hilfsangebot fast nur über die stadtteilbezogene
Arbeit, d.h. über den persönlichen Kontakt funktioniert. Demnach wurde das Thema der
Jugendarbeitslosigkeit verstärkt in der Gruppenarbeit vor Ort miteinbezogen.
 
6. Jugendkulturarbeit
Die Jugendkulturarbeit von Mobilé in Kooperation mit anderen Trägern hat einen festen
Stellenwert in Erftstadt erhalten.Unsere Arbeitsbereiche in der Jugendkulturarbeit bilden
sieben Schwerpunkte:
 
Die Discoveranstaltungen in drei verschiedenen Stadtteilen haben sich auch bei den jüngeren
Jugendlichen etabliert. Gleichbleibende Besucherzahlen und Zulauf auch aus benachbarten
Städten sprechen für die Qualität von ca. 12 Veranstaltungen im Jahr. Dadurch, daß in
Lechenich Besucherzahlen von 650 Personen keine Seltenheit sind, hat sich die
Veranstaltung auch zu einem Treffpunkt von Jugendlichen entwickelt, die die eigentliche
Disco nicht besuchen und sich vor dem Veranstaltungsort aufhalten. Bei der
Aufrechterhaltung der Ordnung und der Regelung des abfließenden Verkehrs nach
Veranstaltungsende hat sich die Zusammenarbeit mit dem Bezirksbeamten der hiesigen
Polizei als fruchtbar erwiesen.
 
Die Filmarbeit ist fester Bestandteil der Arbeit von Mobilé geworden. Seit der Entstehung
von Mobilé sind insgesamt 4 Kinowochen ins Leben gerufen worden. Hier ist besonders die
Kooperation der verschiedenen Veranstaltungsorte in unterschiedlichster Trägerschaft zu
erwähnen. Aus diesem Gedanken heraus entstanden viele kleinere Filmclubs, die das
Angebot vor Ort beleben. Hier wird Kino von Jugendlichen für Kinder und Jugendliche
gemacht.
 
Auch die Erftstädter Musikszene wird von Mobilé unterstützt. Hier bekommen Jugendliche,
die Musik verschiedener Stilrichtungen anhängen, ein Forum, in dem sie sich präsentieren
können. Dabei sind monatliche Konzerte in der Reihe ROCK-LIVE im Mobilé-Café und im
Club Zupp in Gymnich die einzigen regelmäßigen Auftrittsmöglichkeiten in Erftstadt. Einen
besonderen Höhepunkt bildet die Produktion einer CD mit Erftstädter Bands, die 1997 der
Öffentlichkeit vorgestellt wird.
 
Einmal im Jahr veranstaltet Mobilé ein Jugendkulturfestival mit unterschiedlichen
Kooperationspartnern und Konzepten. Wichtig ist bei diesen Veranstaltungen, daß ein
möglichst breites Publikum angesprochen wird.
 
Auch der deutsch-polnische Jugendaustausch war 1996 wichtiger Bestandteil des
Arbeitsbereiches. Insgesamt wurden 2 Maßnahmen durchgeführt, von denen eine in Jelenia
Góra/Polen, die andere in Erftstadt stattfand. Wichtig war bei der Rekrutierung der
TeilnehmerInnen, daß sie weitgehendst aus den betreuten Gruppen von Mobilé kamen.
 
Einen weiteren Höhepunkt bildete das Streetbasketballtunier in Gymnich. Hier waren fast
250 Jugendliche einen Tag lang auf 4 Courts beschäftigt, verschiedene Pokale im fairen
Spiel zu erlangen. 3 unterschiedliche Träger schafften es, die Veranstaltung über
Sozialsponsoring zu finanzieren. Derartige größere Veranstaltungen sind immer nur in
Trägergemeinschaften machbar, da so eine optimale Nutzung der Ressourcen möglich ist und
sich so die Angebotsvielfalt steigert.
 
7. Rahmenbedingungen der Arbeit
7.1. Praktikumsstelle
Auf Beschluß des JHA wurde 1996 die Teilzeitstelle (19,25 Std) mit einem Praktikanten im
Anerkennungsjahr (Vollzeit) besetzt. Die Suche nach geeigneten PraktikantInnen für das
komplexe Aufgabengebiet aufsuchender Arbeit hat sich schwierig gestaltet. Von den
BewerberInnen wird erwartet, dass sie in kurzer Zeit selbständig einen Ortsteil betreuen und
somit ein zusätzliches Angebot für die Erftstädter Jugendlichen schaffen. Ob dies gelingt,
hängt von den jeweiligen Fähigkeiten der PraktikantInnen ab. Viel Zeit, sich einzuarbeiten,
bleibt bei einem Jahr Verweildauer nicht. Zur Zeit wird Erp von einem Praktikanten mit
großem Erfolg versorgt. Ob und wie der Übergabeprozeß bei Stellenwechsel gelingt und wie
die Jugendlichen mit der regelmäßigen Personalfluktuation umgehen werden, bleibt
abzuwarten.
 
Insgesamt hat sich der Wechsel von Teilzeit auf Anerkennungspraktikum bewährt, da
aufgrund der doppelt so hohen zeitlichen Präsenz eine wesentlich bessere Anbindung an das
Team gewährleistet ist, und die Aufgaben im Ortsteil flexibler wahrgenommen werden
können. Dennoch ist es aus unserer Sicht unbedingt wünschenswert und sinnvoll, die
Teilzeitstelle auf Vollzeit auszuweiten, damit mittelfristig personelle Kontinuität als
unabdingbare Voraussetzung unserer Arbeit gesichert wird.
 
7.2. Öffentlichkeitsarbeit
 
Während des Berichtszeitraums erstellte Mobilé eine PC-Diskette, auf der in anschaulicher
Weise das Konzept der Jugendberatung präsentiert wird. Nach Veröffentlichung in diversen
Fachpublikationen wurde diese Diskette ca. 50 mal von anderen Städten, Hochschulen,
Parteien und Privatpersonen aus der BRD und dem benachbarten Ausland angefordert. Seit
Ende 1996 ist Mobilé zusätzlich im Internet vertreten. Das Konzept wurde dort ca. 100 mal
abgerufen. 
 
Im Berichtszeitraum informierten sich Delegationen aus Weißrußland, Rußland, Polen,
Frankreich, England und Griechenland über die Arbeit der Jugendberatung.
 
Für vier Fortbildungsveranstaltungen des Landesjugendamtes zum Thema "Neue Ansätze
und Konzeptionen in der offenen Jugendarbeit" wurde der Leiter von Mobilé als Referent
angefordert.
 
Zusätzlich fanden im Berichtszeitraum zahlreiche Informationsveranstaltungen
unterschiedlicher Institutionen innerhalb und außerhalb von Erftstadt statt, in denen die
MitarbeiterInnen von Mobilé das Konzept auf Anfrage erläuterten und dafür warben.
 
7.3. Budgetierung
Im Rahmen der Einführung des neuen Steuerungsmodells wurde das Jugendamt budgetiert.
Für die Arbeit von Mobilé bedeutet das einen höheren Spielraum in der Ausschöpfung der
vorhandenen finanziellen Mittel. Da mittlerweile die Mittel von Mobilé eigenständig
bewirtschaftet werden und eine Deckungsfähigkeit der einzelnen Haushaltsstellen
untereinander gegeben ist, lassen sich nun in einem Bereich eingesparte Mittel sinnvoll in
anderen einsetzen. Dies führt dazu, dass die MitarbeiterInnen stärker als vorher auf eine
planvolle Mittelverwendung achten, um zusätzliche Angebote für die Jugendlichen schaffen
zu können. Insgesamt wird somit bei gleichbleibender finanzieller Ausstattung der finanzielle
Bewegungsspielraum von Mobilé vergrößert. Die Suche nach managementbedingten
Einsparmöglichkeiten bindet natürlich Arbeitskapazitäten, die von der eigentlichen
pädagogischen Arbeit abgezogen werden. Auf der anderen Seite sind nun jedoch Aktivitäten
möglich, die ohne dieses Verfahren nicht zu finanzieren wären.
 
7.4. Umorganisation im Jugendamt
Anfang 1997 fand eine Umorganisation im Jugendamt statt. Ca. 85% der bisher getätigten
kommunalen Jugendpflege wurden auf Mobilé übertragen. Hierbei handelt es sich im
wesentlichen um die Aufgabenfelder Kinder- und Jugendschutz, Stadtjugendring,
internationale Jugendbegegnung, Aus- und Weiterbildung von FerienhelferInnen und
GruppenleiterInnen.
 
Da Mobilé in einzelnen Bereichen schon vorher tätig war, ist die inhaltliche Zuordnung der
Jugendpflege zu Mobilé konzeptionell durchaus sinvoll und von den MitarbeiterInnen
gewollt. Inwieweit sich die o.a. Arbeitsbereiche letztlich in ein Konzept mobiler Arbeit
integrieren lassen, bleibt abzuwarten. Die für die Jugendpflege notwendigen
Arbeitskapazitäten werden zur Zeit auf Kosten der aufsuchenden Arbeit in den Stadtteilen
bereitgestellt. Will man das erreichte Level im Bereich der aufsuchenden Arbeit halten und
gleichzeitig Jugendpflege betreiben, die den hohen Erwartungshaltungen von Kindern,
Jugendlichen, Eltern, Verbänden wie gelegentlich auch der Politik gerecht werden soll, wird
man an einer Aufstockung des Mobilé-Personals nicht vorbeikommen.