1992-1994
Mobile - eine schwere Geburt
Am 19.05.1992 beschloß der Rat der Stadt Erftstadt die
Neukonzeption der offenen Jugendarbeit in Erftstadt. Dies
beinhaltete, daß
- das Jugendzentrum Köttingen an fünf Tagen pro Woche für
mindestens 25 Stunden mit einer pädagogischen Fachkraft, mehreren
Honorarkräften und einer Praktikantin im Anerkennungsjahr geöffnet
bleibt, und die Mitarbeiter/innen verstärkt Bemühungen unternehmen
sollten, Jugendliche aus Kierdorf mitzubetreuen.
- der bisherige Jugendtreff in Lechenich als "Jugendberatung Mobile"
weitergeführt wird. Das Jugendcafé sollte als Kontakt- und
Anlaufadresse dienen. Die Jugendberatung wurde mit fünf
hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeiter/innen besetzt.
- von der Stadt keine weiteren Räumlichkeiten von vornherein für
Jugendliche zur Verfügung gestellt werden. Sollte sich in der
Praxis der Mobile-Arbeit die Notwendigkeit ergeben, daß solche
Räumlichkeiten in einzelnen Stadtteilen erforderlich sind, wird im
Einzelfall in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Jugendlichen
und den vor Ort betroffenen Jugendverbänden eine Prüfung
vorgenommen. Dabei sollte der Gedanke vorrangig sein, daß
Jugendliche sich selbst die von ihnen gewünschten Räume suchen und
diese nach ihren Vorstellungen gestalten.
- in der konkreten Praxis der Mobile-Arbeit geprüft werden sollte,
ob die Bereitstellung eines Jugendbusses sinnvoll erscheint. Ein
solcher Jugendbus könnte sich sowohl wechselnd in verschiedenen
Stadtteilen als Treffpunkt für Jugendliche (rollendes Jugendcafé)
dienen, wie auch eine Beförderung von Jugendlichen zu zentralen
Veranstaltungen sicherstellen.
Diesem Beschluß vorausgegangen waren gründliche Diskussionen mit
Jugendlichen und Erwachsenen, Laien und Fachleuten im Jugendzentrum
Köttingen, Jugendtreff Lechenich und nicht zuletzt dreimal im
Jugendhilfeausschuß. Der Rat war sich bewußt, daß die bisherige
Konzeption der dezentralen, von der Stadt mindestens mit acht
hauptamtlichen Mitarbeiter/innen betriebenen Jugendtreffs mit
dieser Beschlußfassung nicht mehr verfolgt wurde. Diese Konzeption
wäre ungleich teurer geworden als Mobile, aber leicht vorstellbar
gewesen.
Mobile Jugendarbeit in Erftstadt als experimentelle Jugendarbeit
sollte deshalb, ehe sie gegebenenfalls langfristig eingerichtet
wird, zuvor zwei Jahre lang erprobt werden. Erst nach diesen zwei
Jahren sollte eine endgültige Entscheidung fallen.
Mobile hat im Oktober 1992 seine Arbeit aufgenommen. Die Probezeit
ist vorbei.
Das Konzept
Ausgehend von der Tatsache, daß Jugendhäuser immer nur einen
kleinen, regional begrenzten Teil von Besucher/innen (z.B. Skins)
erreichen und daß ggf. ein bestimmter Besucher/innenkreis andere
potentielle Besucher/innengruppen gänzlich ausschließt, versucht
Mobile, Ansprechpartner für alle Jugendlichen zu sein.
Setzt Freizeitarbeit in Jugendhäusern die "Komm-Struktur" voraus,
geht Mobile verstärkt von der "Geh-Struktur" aus.
Während das Jugendhaus den "Raum" für Freizeitarbeit verortet, geht
Mobile von einem erweiterten Raumbegriff aus und bezieht in seine
Arbeit neben der Einrichtung selbst auch die informellen
Jugendtreffs wie den Park, das Freibad, Schulhöfe und andere
öffentliche Plätze mit ein. Mobile unterstützt die
Raum(wieder)-Aneignungsprozesse der Jugendlichen und macht sie zum
konzeptionellen Teil seiner Arbeit.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die
Zusammenarbeit mit Institutionen, Vereinen und Verbänden. Während
"teure" offene Jugendhausarbeit einer "billigen"
Jugendverbandsarbeit oftmals unversöhnlich gegenübersteht, begreift
sich Mobile als Mittler zwischen Jugendlichen und Verbänden, als
Teil einer gesamtstädtischen Jugendarbeit.
Mit der Verabschiedung der Neukonzeption der offenen Jugendarbeit
in Erftstadt hat das Mobile-Team vom Rat folgende Arbeitsaufträge
erhalten:
Straßenarbeit/aufsuchende Arbeit
Jugendliche werden von den Mitarbeiter/innen an ihren Treffpunkten
im Stadtteil aufgesucht. Hilfestellung bei der Verwirklichung ihrer
Freizeitinteressen und auch bei der Bewältigung von persönlichen
Problemen wird ihnen angeboten, aufgedrängt wird sich nicht.
Beratung
An ihren angestammten Plätzen genießen die Jugendlichen "Heimrecht".
Sie bestimmen die Formen des Miteinanders. Hier ist Mobile zu Gast.
Für viele Jugendliche ist dieses Setting eine gute Voraussetzung,
Beratung anzunehmen. Weitergehende, eventuell verbindlichere Formen
der Beratung ermöglicht die Beratungsstelle im Mobile-Café in
Lechenich.
Jugendkulturarbeit
Abgesehen von der Jugendmusikschule, dem kommunalen Kino in
Köttingen und den gelegentlichen Veranstaltungen einiger weniger
freier Träger hat Erftstadt im Jugendkulturbereich wenig zu bieten.
Zu Beginn der Mobile-Arbeit fanden kaum Konzerte und keine einzige
Disco-Veranstaltung aus Angst vor tätlichen Ausschreitungen mehr
statt. Die Initiierung und Durchführung jugendkultureller
Aktivitäten gehört deshalb mit zum Aufgabenspektrum.
Stadtteilarbeit/Gemeinwesenarbeit
Die Jugendlichen sind Teil des Gemeinwesens. Wenn Jugendliche Raum
benötigen, muß die Brücke zu den Raumbesitzern, und das sind immer
die Erwachsenen, im Stadtteil geschlagen werden. Geht es darum, daß
Jugendliche an von ihnen besetzten Räumen (Park, Spielplatz usw.)
als störend empfunden werden, muß auch wieder - soll der Konflikt
für beide Seiten fruchtbar verlaufen - die Brücke zu den
Erwachsenen geschlagen werden. Das Gemeinwesen integriert oder
grenzt aus. Mobile vermittelt.
Café
Als Anlauf- und Kontaktadresse sollte der ehemalige Jugendtreff an
vier Tagen in der Woche, davon an einem nur für Mädchen, von 16.00
bis 19.00 Uhr zur Verfügung stehen - als niederschwelliges Angebot.
Kinderbüro
Mobile sollte sich durch seine Präsenz vor Ort und im
Beratungscafé, durch die Kenntnis der Problemlage im Stadtteil und
durch den Bekanntheitsgrad der Mitarbeiter/innen und zum Kinderbüro
oder - wie dies in der Vorlage 5/1820 vom 07.04.1992
"Kinderfreundlichkeitsprüfung" noch dezidierter beschrieben ist -
zum "Kinderbeauftragten" entwickeln.
Kinder- und Jugendsprechstunden
Seit Anfang 1991 sollten aufgrund eines Beschlusses des
Jugendhilfeausschusses zweimal jährlich Kinder- und
Jugendsprechstunden mit dem Bürgermeister und dem Stadtdirektor
durchgeführt werden. Aufgrund der Erfahrungen der ersten beiden
Veranstaltungen war die Verwaltung mit dem Bürgermeister der
Meinung, daß zukünftig diese Sprechstunden in den Ortsteilen
angeboten werden sollten, da die Themen ortsspezifischer Natur
waren. Die Ortsvorsteher/innen sollten als Ansprechpartner/innen
fungieren, Mobile diese Sprechstunden organisieren und moderieren.
Rahmenbedingungen
3.1. Personal
Zur Zeit arbeiten in der Jugendberatung Mobile sechs
Mitarbeiter/innen:
Frau Monika Lauer (Dipl.-Päd.) Teilzeit,
Frau Petra Strack (Dipl.-Sozialarbeiterin) Vollzeit,
Frau Angela Tigges (Dipl.-Sozialpädagogin) Vollzeit,
Herr Ralf Knütter (Dipl.-Sozialpädagoge) Vollzeit,
Herr Klaus Röttgen (Dipl.-Päd.) Vollzeit, Leiter der Einrichtung,
Her Rolf Röttgen (Student der Sozialpädagogik), Honorarkraft (9
Stunden in der Woche).
Das Anforderungsprofil, das an die Mitarbeiter/innen eines solchen
Projekts gestellt wird, unterscheidet sich wesentlich von den
traditionellen Arbeitsfeldern in der offenen Jugendarbeit.
In einem Jugendhaus etwa bestimmen die Pädagogen/innen den
Handlungsrahmen, in dem sich die Jugendlichen bewegen. Sie setzen
die Regeln fest, nach denen das Haus geführt wird und verfügen über
Sanktionsmöglichkeiten (z.B. Hausverbot), um die Einhaltung zu
gewährleisten. Dieser Rahmen bietet den Kolleg/innen ein hohes Maß
an Sicherheit.
Ganz anders stellt sich die Situation bei der Arbeit von Mobile
dar. Hier suchen die Mitarbeiter/innen die Jugendlichen an den von
ihnen besetzten und gestalteten Räumen auf, ohne daß sie zunächst
darum gebeten worden wären. Die hier geltenden Spielregeln stammen
von den Jugendlichen und sind zunächst auch von den Pädagogen/innen
zu akzeptieren, will man überhaupt Kontakt bekommen. Daß diese
Regeln häufig nicht sozialpädagogischen Vorstellungen entsprechen,
liegt auf der Hand. Die Möglichkeit, weggeschickt und abgewiesen zu
werden, ist groß. Es hängt auch viel vom persönlichen Geschick
der/des Einzelnen ab, ob man akzeptiert wird und wiederkommen darf,
zumal man zunächst nichts anzubieten hat, außer der eigenen Person.
Um den breiten Arbeitsauftrag von Mobile erfüllen zu können, wird
von den Mitarbeiter/innen zudem ein hohes Maß an
Organisationsfähigkeit, Flexibilität und Fachkompetenz in
unterschiedlichen Bereichen erwartet.
Die o.g. Anforderungen und die damit verbundenen
Auseinandersetzungen um den richtigen Weg von Mobile führten dazu,
daß in den ersten 1 1/2 Jahren vier Kollegen/innen das Projekt
verließen. Darüber hinaus hat ein weiterer Kollege das Projekt aus
beruflichen Gründen verlassen. Nunmehr hat sich die
Personalsituation konsolidiert, das zur Zeit bestehende Team steht
geschlossen hinter dem Mobile-Konzept und ist in der Lage, es
praxisgerecht umzusetzen. Nicht zufriedenstellend für die
Kollge/innen ist, daß die anspruchsvolle Arbeit derzeit nicht
adäquat honoriert wird. So bleibt die Gefahr, daß sich immer wieder
Kollegen/innen auf klarer strukturierte Arbeitsstellen bewerben,
auf denen sie die gleiche oder eine bessere Bezahlung erhalten.
3.2 Arbeitszeiten
Die offiziellen Arbeitszeiten für die Vollzeitkräfte sind wie
folgt: 3 x je Woche 10.00 bis 18.00 Uhr, einmal in der Woche 10.00
bis 20.30 Uhr, freitags 10.00 bis 16.00 Uhr, bei Veranstaltungen
16.00 bis 22.00 Uhr.
Die praktische Arbeit vor Ort hat in zwei Jahren gezeigt, daß o.a.
Zeiten lediglich als Orientierung dienen können. Neben zahlreichen
Abendveranstaltungen und Terminen ist das Mobile-Team häufig auch
an Wochenenden im Einsatz. Hinzu kommen Ferienfreizeiten. Es ist
notwendig, den Mitarbeiter/innen ein Höchstmaß an Flexibilität bei
der Gestaltung ihrer Arbeitszeit zuzubilligen, damit der
Arbeitsauftrag sinnvoll erfüllt werden kann. Dies hat bisher
problemlos funktioniert.
3.3 Finanzen
Die finanzielle Ausstattung für die Arbeit stellt sich wie folgt
dar: 2.000,-- DM für die Anschaffung und Unterhaltung von Mobiliar
und Gerätschaften, 7.000,-- DM für die Durchführung von
Veranstaltungen und die Anschaffung von Spiel- und
Beschäftigungsmaterial.
Die Arbeit zeigt, daß dies die absolute Mindestausstattung ist, die
jedoch die Durchführung eines anspruchsvolleren
Veranstaltungsprogrammes nicht zuläßt. Die Aufstockung des Etats
durch Sponsoring gestaltet sich derzeit schwierig, da potentielle
Geldgeber durch eine Vielzahl von Institutionen um Hilfe gebeten
werden, und die Notwendigkeit einer Spende für kommunale
Einrichtungen selten eingesehen wird. Gleichwohl ist dies in
Einzelfällen gelungen.
3.4 Sachausstattung/Räume
Die räumlichen Verhältnisse, in denen das Mobile-Team arbeitet,
sind sehr beengt. Sechs Kollegen/innen teilen sich zwei Büroräume,
die zusätzlich mit Kopierer, Drucker und Computer bestückt sind.
Der hierdurch zwangsläufig bestehende permanente Geräuschpegel läßt
ein konzentriertes Arbeiten kaum zu. Dies führt dazu, daß Arbeiten,
die Ruhe und Konzentration erfordern, häufig zu Hause erledigt
werden müssen. Daß dies das Arbeitsklima belastet, ist sicherlich
vorstellbar. Um so ärgerlicher erscheint diese Situation, da im
Stadthaus Räume vorhanden sind, die offenkundig nur selten genutzt
werden.
Im Bereich Sachausstattung benötigt Mobile dringend einen
leistungsfähigeren Computer, damit die Öffentlichkeitsarbeit
(Plakate, Faltblätter, Handzettel etc.) adäquat durchgeführt werden
kann. Daß sich die Mitarbeiter/innen ihre Schreibtische zum Teil
aus ausrangiertem Mobiliar von Erftstädter Schulen zusammen suchen
mußten, sei nur am Rande erwähnt.
4. Umsetzung des Konzeptes in die Praxis
4.1 Aufsuchende Arbeit/Straßenarbeit
Überblickt man den Projektzeitraum von nunmehr zwei Jahren, läßt
sich insgesamt feststellen, daß das Konzept der aufsuchenden Arbeit
in Erftstadt erfolgreich gegriffen hat.
Das Prinzip, die Jugendlichen in den Ortsteilen aufzusuchen und
ihnen in ihrem unmittelbaren Wohnbereich Freizeit- und
Hilfsangebote zu unterbreiten, wird größtenteils akzeptiert. Das
läßt sich u.a. an der Vielzahl von Treffpunkten erkennen, die im
gesamten Stadtgebiet von den Mobile-Mitarbeiter/innen betreut
werden. Ein Teil dieser Treffs konnte mittlerweile von der Straße
in Räume verlegt werden. Möglich wurde dies durch die solidarische
Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie Vereinen, Kirchen oder
auch Privatinitiativen.
Ein weiteres Indiz für die Akzeptanz der aufsuchenden Arbeit ist
der inzwischen sehr hohe Bekanntheitsgrad von Mobile unter den
Erftstädter Jugendlichen.
Nicht verschweigen sollte man jedoch die Tatsache, daß es natürlich
auch Gruppierungen gibt, die den Besuch des Mobile-Teams nicht
wünschen und in ihrer Freizeit nicht von Mitarbeiter/innen des
Jugendamtes belästigt werden möchten. Diesem Wunsch wird
entsprochen.
4.2 Beratung
Insbesondere in der zweiten Hälfte des Projektes nahm die Zahl
derjenigen Jugendlichen, die Rat und Hilfe aufgrund persönlicher
Probleme bei Mobile suchten, zu. Hierbei handelte es sich im
wesentlichen um Beziehungskrisen (Liebeskummer), die für
Jugendliche oft existentielle Bedeutung haben, und die in ihrem
unmittelbaren sozialen Umfeld häufig nicht ernst genommen werden.
Hinzu kommen innerfamiliäre Konflikte (Scheidung, Stiefeltern,
Adoption, Arbeitslosigkeit, Alkohol etc.) und schulische Probleme.
In diesen Fällen wird eine Einzelberatung eingeleitet, die maximal
zwei Monate dauern sollte, wobei eine Stunde, maximal zwei Stunden
in der Woche, vorgesehen sind. In diesem Zeitraum wird eine
Problemanalyse durchgeführt und anschließend mit dem/der
Jugendlichen gemeinsam eine Zielperspektive entwickelt. Benötigen
die Ratsuchenden weitergehende oder spezifische Hilfestellung,
werden sie an andere Fachinstitutionen weitervermittelt. Nur in
begründeten Ausnahmefällen wird vom Mobile-Team eine intensive
Einzelfallhilfe durchgeführt.
Grundsatz für die Beratungsarbeit ist, daß sich die Jugendlichen
selbst bei Mobile melden. "Überweisungen" von anderen Institutionen
sind nicht möglich, da zuvorderst die Jugendlichen selbst die
Auftraggeber von Mobile sind.
4.3 Jugendkulturarbeit
Wie schon in den vorherigen Erfahrungsberichten vermerkt,
bereicherte die Jugendberatung Mobile in den letzten zwei Jahren
das jugendkulturelle Spektrum Erftstadts durch eine Vielzahl von
Veranstaltungen, an denen sie entweder federführend oder
unterstützend beteiligt war. Das Schwergewicht lag hierbei in den
Bereichen Disco, Rockmusik und Kino.
Zahlreiche Disco-Veranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen, die
mit unterschiedlichen Kooperationspartnern veranstaltet wurden,
zählten insgesamt ca. 7.500 Jugendliche als Besucher. Erfreulich
ist besonders, daß es auf keiner Veranstaltung zu gewaltätigen
Auseinandersetzungen kam. Dies ist um so erstaunlicher, da vor der
Existenz von Mobile keine Institution in Erftstadt mehr bereit war,
derartige Tanzveranstaltungen durchzuführen, aus Angst vor Ärger
und Randale. Erklärt werden muß dies mit dem hohen Bekanntheitsgrad
des Mobile-Teams und seiner Akzeptanz bei den Jugendlichen, die
letztlich auch aus Sympathie und dem Bewußtsein heraus, daß Mobile
für sie da ist, auf größeren Ärger verzichten, bzw. auf diese
"Action" nicht mehr angewiesen sind.
Im Bereich Rockmusik hat sich das Mobile-Café mit seiner
Veranstaltungsreihe "Rock-live" fest in der Jugendkulturszene
Erftstadts etabliert. Allmonatlich treffen sich bis zu 130
Besucher/innen im Café, um den Bands unterschiedlicher
Stilrichtungen zuzuhören. Bewährt hat sich das Konzept,
insbesondere jungen, noch unerfahrenen Gruppen die Möglichkeit zu
geben, erste Bühnenerfahrungen zu sammeln.
Im Bereich Kino gelang es durch die erste Erftstädter Kinder- und
Jugendfilmwoche, die im Spätherbst letzten Jahres zusammen mit dem
BDKJ Erftstadt durchgeführt wurde, die Kinoszene dieser Stadt zu
beleben.
In neun, über das gesamte Stadtgebiet verteilten Spielorten, fanden
25 Kinovorführungen statt. Noch wichtiger als dieses Angebot an
sich war, daß sich, motiviert durch die Vorbereitung und
Durchführung der Filmwochen, in einzelnen Pfarrgebieten Jugendliche
zu kleinen Filmclubs zusammengefunden haben, die das ganze Jahr
hindurch Kinder- und Jugendfilmvorführungen in ihrem Ortsteil
organisieren. Im November 1994 werden die zweiten Erftstädter
Kinder- und Jugendfilmwochen gestaltet stattfinden.
Erweitert man den Kulturbegriff um einen multikulturellen Ansatz,
sind an dieser Stelle die von Mobile durchgeführten
Begegnungsfreizeiten zwischen Erftstädter Jugendlichen und jungen
Asylbewerber/innen zu erwähnen, die in Finkenberg und Dattenberg
stattfanden. Ziel dieser Maßnahmen war es, insbesondere nach den
zahlreichen rechtsradikalen Anschlägen im gesamten Bundesgebiet,
bei Jugendlichen unterschiedlicher Nationalitäten Vorurteile
abzubauen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Daß dieses
Ziel erreicht wurde, zeigen nicht nur die Dokumente (Zeitungen,
Videofilme), die auf diesen Freizeiten gemeinsam erstellt wurden,
sondern auch die Tatsache, daß sich die Teilnehmer/innen nach wie
vor regelmäßig im Mobile-Café treffen.
4.4 Mädchenarbeit
Bedingt durch die vom Rat verabschiedete Konzeption und die
Stellenausschreibung des Jugendamtes Erftstadt erhielt
Mädchenarbeit einen eigenen Platz im Rahmen des Mobilé-Projekts.
So begann Mobilé vor ca. zwei Jahren mit dem Angebot des
Mädchen-Cafés jeden Dienstagnachmittag in den Räumen des ehemaligen
Jugendtreffs in Lechenich.
Der Ansatz von Mädchenarbeit entstand zum einen aus den Erfahrungen
der offenen Jugendarbeit, wo Besucherinnen - bedingt durch das an
männlichen Bedürfnissen orientierte Angebot - in der Regel
unterrepräsentiert sind. Zum anderen waren die Erkenntnisse aus
vielen Jahren Frauenbewegung, daß die nach wie vor herrschende
Wahrnehmung von Frauen/Mädchen durch männliche Zensur erfolgt,
ausschlaggebend für die Entwicklung dieses Arbeitsschwerpunktes.
Ein mädchenspezifisches Angebot wie das Mädchen-Café soll den
Besucherinnen eigenen Raum geben, in dem ihre Interessen und
Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Die Mädchen können sich hier
ungestört treffen und sich austauschen. Dabei setzt dieses Konzept
nicht an den Defiziten der Mädchen an, sondern will Möglichkeiten
bieten, eigene Fähigkeiten und Stärken zu entdecken und
weiterzuentwickeln.
Hinzu kommt, daß Mädchen durch den mobilen Ansatz unseres Konzepts
auf der Straße weniger erreicht werden als Jungen, da sich Mädchen
(und Frauen) in öffentlichen Räumen weniger wohl fühlen, denn sie
sind potentiell immer der Kontrolle und Anmache von Jungen
ausgesetzt. Zudem werden Töchter von ihren Eltern stärker
beaufsichtigt und für Hausarbeiten und die Versorgung von
Geschwistern eingeplant, so daß sie eher in einen kontrollierten
Raum entlassen werden.
Konsequenterweise wird dieses Angebot denn auch von weiblichen
Fachkräften realisiert. Die Stellenwechsel und zuletzt die Abgabe
einer halben Stelle nach Köttingen hat gerade in diesem Bereich
auch für einen häufigen Wechsel der Bezugspersonen gesorgt.
Zunächst war das Mädchen-Café als offenes pädagogisches Angebot für
alle Mädchen in Erftstadt im Alter von 12-20 Jahren gedacht.
Während zu Beginn der Projektphase die Altersspanne zwischen 12 und
18 Jahren schwankte, und das Café kein festes Programm aufwies, hat
sich das Alter der Besucherinnen seit ca. einem Jahr auf 12 bis 15
Jahre eingependelt; es sind Mädchen, die die Haupt-, die Realschule
oder das Gymnasium besuchen und größtenteils aus Lechenich und den
umliegenden Orten wie Erp oder Friesheim kommen.
Für die Mädchen hat es sich als sinnvoll und wichtig erwiesen, ein
monatliches Programm anzubieten.
Das Angebot ist sehr breitgefächert: über sportliche Aktivitäten,
Kreativangebote, Erfahrungen im handwerklich-technischen Bereich,
Lebensplanung bis hin zu Informationen und Beratungen zu
mädchenspezifischen Themen reicht die Palette. Beliebt sind auch
Besuche von Veranstaltungen für Mädchen oder von
Jugendkulturangeboten.
Höhepunkte in diesem Jahr waren der Mädchentag im Erftkreis "Just
for Girls" am 16. Juni in Kerpen und eine Mädchenfreizeit am
Wisseler See, Kreis Kleve, im Juli.
In diesen zwei Jahren wurde das Mädchen-Café von 40 bis 50 Mädchen
besucht; davon kommen einige regelmäßig, einige sporadisch.
Allerdings gibt es auch einiges, was zur Steigerung der
Effektivität noch verbesserungswürdig wäre:
Zur Zeit haben wir als Raum lediglich eine Küche, die von den
Mitarbeiter/innen als Pausenraum und von verschiedenen Gruppen als
Sitzungsraum genutzt wird. Ein eigener Raum, der mit den Mädchen
gestaltet werden könnte, würde ihre Identifikation mit diesem
Angebot - z.B. durch die längerfristige Präsentation von
Arbeitsergebnissen - wesentlich erhöhen. Außerdem hätten die
Mädchen auch an anderen Tagen eine Rückzugsmöglichkeit.
Auch die Teilnahme an notwendigen Fortbildungsveranstaltungen, die
Anschaffung von Fachliteratur, und die Finanzierung größerer
Projekte wird durch fehlende Gelder verhindert.
Die Vernetzung von Mädchenarbeit im Erftkreis in Form von
regelmäßigen Arbeitstreffen ist trotz schwieriger Voraussetzungen
wie unterschiedliche Anstellungsträger, andere regionale Strukturen
und unterschiedliches Alters- und Bildungsniveau der Zielgruppe
erfolgreich gelungen. Dies hat der Mädchentag im Erftkreis
dokumentiert.
In Liblar wird ein Angebot für Mädchen in Kürze realisiert werden.
Die evangelische Kirchengemeinde steht dieser Idee aufgeschlossen
gegenüber, und so wird ab Mitte Oktober ein wöchentlicher
Mädchentreff für 12-16jährige jeden Donnerstag in ihren Räumen
unter Anleitung und Betreuung von Mobilé aufgebaut werden.
Für das kommende Jahr ist die Teilnahme von Erftstädter Mädchen an
der Mädiale '95, dem dritten bundesweiten Mädchen-Kulturfestival,
in Berlin geplant.
Außerdem soll in den Sommerferien erneut eine Mädchenfreizeit von
ca. einer Woche stattfinden.
4.5 Stadtteilarbeit
Bliesheim
Seit Sommer 1993 besteht zu einer Gruppe von ca. 10 bis 15 Jungen
und Mädchen Kontakt. Diese Gruppe trifft sich jeden Nachmittag auf
dem Schulhof der Erich-Kästner-Gemeinschaftsgrundschule. Hier
werden die Tischtennisplatte und ein unter einem Baum liegender
Stamm als Kommunikationsräume genutzt. Als die vorhandenen
Basketballkörbe noch benutzbar waren, war Straßenbasketball
Hauptfreizeitgestaltung der Jugendlichen. Da die Korbanlagen nicht
stabil genug waren, war es nur eine Frage der Zeit, wann die Anlage
nicht mehr bespielbar war. Nach kurzer Zeit wurde eine neue
Sportart für den Schulhof entdeckt, die in Deutschland noch recht
unbekannt ist, nämlich Baseball: ein Spiel für zwei Mannschaften,
das sehr viel mit Kommunikation untereinander zu tun hat.
Unstimmigkeiten gab es zuweilen mit dem Hausmeister und den
Reinigungsfrauen. Durch Verunreinigungen durch die Jugendlichen
werden zum Teil Gespräche mit dem Hausmeister und den Jugendlichen
nötig, manchmal auch ein Hausverbot (Betreten des Schulhofs)
ausgesprochen. Dieses Verbot besteht aber nur einige Tage. Trotz
dieser Unstimmigkeiten kann das Verhältnis zwischen Hausmeister und
Jugendlichen als gut beschrieben werden.
Seitens der Schulleitung besteht mittlerweile das Angebot, mit
Mobilé bezüglich dieser Gruppe zu kooperieren.
Die Jugendlichen haben offen den Wunsch geäußert, daß Mobilé noch
mehr Präsenz in Bliesheim zeigen soll. Im Moment wird versucht,
dem Wunsch durch Arbeitsstrukturveränderungen zu entsprechen.
Nach der 1993 durchgeführten Kinder- und Jugendsprechstunde mit dem
starken Wunsch der Jugendlichen, in Bliesheim eine Disco
durchzuführen, wurden Kontakte zur katholischen Kirche und zur St.
Sebastianus-Schützenbruderschaft aufgenommen. Wegen
Renovierungsarbeiten an der Kirche konnte keine gemeinsame
Umsetzung für den Wunsch der Jugendlichen gefunden werden. Der
Jugendwart der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft stand dem
Bedürfnis der Jugendlichen wohlwollend gegenüber. Er versprach, es
mit Unterstützung von Mobilé dem Vorstand zu unterbreiten. Nach
einigen Überlegungen wurde für eine Disco "grünes Licht" gegeben.
Anschließend sollte überprüft werden, ob weitere Veranstaltungen
dieser Art in der Schützenhalle stattfinden könnten. Die erste
Disco fand am 12.11.1993 statt. Die Veranstaltung war mit fast 300
jugendlichen Besucher/innen ein voller Erfolg. Alle aus dem
Organisationsteam und die Besucher/innen waren zufrieden, so daß am
11.03.1994 eine zweite Disco stattfand. Zu dieser Tanzveranstaltung
kamen mehr als 350 jugendliche Gäste, so daß für den Jugendwart der
St. Sebastianus-Schützenbruderschaft und Mobilé feststand, diese
Art der Veranstaltung zu einem festen Bestandteil der
Jugendkulturarbeit in Bliesheim werden zu lassen.
Friesheim
"Tümpel" nennen Jugendliche ihren Kellerraum im AWO-Haus. Dieser
Raum war über die Wintermonate der einzige Raum, der für die
Jugendlichen nutzbar war. Seit ca. einem Jahr kann auch der Raum
der Altentagesstätte (an zwei Tagen in der Woche geöffnet)
mitbenutzt werden. Hier stehen Stühle und Tische in gemütlicher
Atmosphäre zur Verfügung. In diesem Raum werden Gesellschaftsspiele
und Gruppengespräche angeboten. Im unteren Raum, dem eigentlichen
"Tümpel", können die Jugendlichen ihre Musik hören, sich
unterhalten und herumtoben, da das Mobiliar aus alten Sofas und
Matratzen besteht. Zur Zeit treffen sich bis zu zehn Jugendliche
jeden Donnerstag von 16.00 bis 18.00 Uhr in diesen Räumen. Im
Sommer befanden sie sich meistens im anliegenden Garten, wo
Volleyball, Fußball oder an einem Gartentisch Gesellschaftsspiele
gespielt wurden.
Weitere Actionen waren Schwimmbad- und Kinobesuche, Filmnachmittage
usw. Ein von Jugendlichen entdeckter alter Bezinrasenmäher wurde
von ihnen repariert. Anschließend mähten sie damit regelmäßig die
ihnen zur Verfügung gestellte Wiese. Dies beweist, daß Jugendliche
durchaus bereit sind, ihnen zur Verfügung gestellte Räume
verantwortlich zu nutzen.
In Friesheim bestehen gute Kontakte zu den Verantwortlichen der AWO
und dem Ortsvorsteher. Der Pfarrer von St. Martin hat die erste
Kinder- und Jugendfilmwoche bestens unterstützt. Es sind auch
Kontakte zum Vorsitzenden der KJG intensiviert worden, so daß die
zweite Kinder- und Jugendfilmwoche gemeinsam mit Mobilé in
Friesheim durchgeführt wird.
Gymnich
Bis zum Sommer 1994 trafen sich regelmäßig montags ca. zehn
Jugendliche im Alter von 13-16 Jahren in der Emmaus-Kirche, um ihre
Freizeit zu gestalten. Hierzu gehörten neben Spiel- und
Bastelnachmittagen auch Fahrten in benachbarte Städte, um das
dortige Freizeitangebot zu nutzen. Hinzu kamen Gesprächsrunden zu
jugendrelevanten Themen wie Partnerschaft, Sexualität etc.. Nach
den Sommerferien wurde der Treff jedoch nur noch sehr wenig
frequentiert, da sich ein Großteil der Jugendlichen mittlerweile in
andere Richtungen orientiert. Zur Zeit wird mit den Jugendlichen
überlegt, ob eine Fortführung des Treffs weiterhin sinnvoll
erscheint.
Loser Kontakt besteht zu einer Gruppe Jugendlicher und junger
Erwachsener im Alter von 14-25 Jahren, die ca. 15 Personen umfaßt.
Die Gruppe fällt auf durch starken Alkoholkonsum, hohe
Gewaltbereitschaft und latente wie offene Kriminalität. Die
Jugendlichen sind zum Teil berufstätig, gehen zur Schule oder sind
arbeitslos. Die Fluktuation innerhalb der Gruppe ist recht hoch.
Ein engerer Kontakt zu Mobilé wird nicht gewünscht.
Nach wie vor erfreut sich der "Club Zupp" in der evangelischen
Kirche großer Beliebtheit bei den Jugendlichen. Seit Oktober 1992
treffen sich Jugendliche im Alter von 16-25 Jahren jeden Montag
abend. Initiiert wurde der Club Zupp von den Jugendlichen selbst,
die für sich und andere einen Jugendtreffpunkt installieren
wollten, in dem sich mehrere Leute treffen können, kein
Verzehrzwang herrscht, und man nicht permanent von Erwachsenen
beobachtet und reglementiert wird.
Unterstützt wurden die jungen Leute bei ihrem Vorhaben von Mobilé.
Gemeinsam machte man sich auf die Suche nach geeigneten
Räumlichkeiten und wurde in der evangelischen Kirche fündig. Das
Presbyterium stimmte dem Anliegen der Jugendlichen zu mit der
Auflage, daß der Treff von Mobilé verantwortlich betreut wird. Seit
nunmehr über zwei Jahren treffen sich durchschnittlich 25
Jugendliche im Club. Es besteht ein regelmäßiges Freizeitangebot
von Parties über Kino, Spielabende bis hin zu gemeinsamen
Wochenendfahrten. Auch für das leibliche Wohl ist stets gesorgt.
Organisiert wird dies alles von den Jugendlichen selber.
Bezüglich der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen kann zu
Gymnich gesagt werden, daß der Kontakt zum Ortsvorsteher als gut,
zur katholischen Kirche als ausbaufähig und zur evangelischen
Kirche als hervorragend bezeichnet werden kann.
Erp
Zu Beginn des Projektes nahm eine damalige noch bei Mobilé
beschäftigte Mitarbeiterin Kontakt zur katholischen Pfarrgemeinde
in Erp auf. In Absprache mit dem Pfarrer und dem Jugendarbeitskreis
der Pfarrgemeinde wurde beschlossen, die im Pfarrheim stattfindende
Teestube attraktiver zu gestalten und neu zu beleben, da die
Jugendlichen offensichtlich das Interesse daran verloren hatten.
Durch die unerwartete Kündigung dieser Kollegin und die daraus
resultierende knappe Personalsituation im Mobilé-Team konnten diese
Kontakte leider nicht vertieft und fortgeführt werden.
Der weitergehende Personalwechsel war verantworltich dafür, daß Erp
auch im Verlauf des Jahres 1993 nur sehr sporadisch von Mobilé
betreut werden konnte. Jedoch wurde im Rahmen der Kinder- und
Jugendfilmwoche Erp mit einbezogen, es wurden dort im Pfarrheim
zwei Filme gezeigt.
Als im Februar dieses Jahres durch zwei Neueinstellungen das Team
wieder vollständig besetzt war, sollte Erp wieder konstant von
Mobilé erreicht und betreut werden.
Zu diesem Zeitpunkt existierte noch eine feste, langjährige
Mädchengruppe unter Leitung einer ehrenamtlichen Betreuerin sowie
eine lose Clique von ca. zehn männlichen Jugendlichen, die meist
mit ihren Mofas durch den Ort fuhren. Beide Gruppen trafen sich
unregelmäßig in den Räumen der Pfarrgemeinde (Teestube). Zu beiden
Gruppen wurde Kontakt aufgenommen.
Zur gleichen Zeit hatte der Pastor der Pfarrgemeinde Kontakt zum
Katholischen Jugendbüro Erftkreis hergestellt und um Unterstützung
in der Jugendarbeit gebeten. Gemeinsam traf man sich zur
Koordination des Aufbaus von Jugendarbeit. Aus diesem Treffen ergab
sich der Vorsatz, eine feste Jugendgruppe auf Zeit zu installieren,
die sich themmenzentriert mit Jugendarbeit, Gruppe, Gruppenarbeit
befassen sollte. Diese Gruppe sollte gemeinsam von Jugendbüro und
Mobilé betreut werden. Hieran nahmen die bestehende Mädchengruppe,
Jungen aus der "Mofaclique" sowie weitere Erper Jugendliche teil.
Aus organisatorischen Gründen ergab sich, daß diese Gruppe mit
Jugendlichen aus Friesheim gemischt wurde, so daß die Treffen
abwechselnd in Erp und Friesheim stattfanden.
Die Gruppe war ein voller Erfolg. Das Zusammenwachsen der
Jugendlichen aus beiden Ortsteilen erwies sich als unproblematisch
und sehr fruchtbar, und es entstanden neue Freundschaften. Die
Teilnahme der Jugendlichen (21 Personen zwischen 14 und 18 Jahren)
war konstant und nach 11 wöchentlichen Treffen und einer
Wochenendfahrt war diese Arbeit am 13.09.1994 offiziell beendet.
Die Jugendlichen haben von sich aus den Wunsch geäußert, sich
weiterhin zu treffen. In jedem Fall hat Mobilé Unterstützung bei
der Umsetzung zugesichert.
Aus dieser Gruppe hat sich eine kleinere Mädchenclique (15-17
Jahre) gebildet. Diese nahm auch an der diesjährigen Ferienfreizeit
am Heiderbergsee in Brühl teil und trifft sich seitdem wöchentlich
in Erp mit der Mobilé-Mitarbeiterin. Zudem besuchen die Mädchen
auch das Mobilé-Café. Hier besteht mittlerweile ein so guter
Kontakt, daß auf der Grundlage gewachsenen Vertrauens auch
persönliche Probleme und Fragen von den Jugendlichen angesprochen
werden. Eine Erweiterung der Gruppe wird angestrebt.
Der Kontakt zu der Mofaclique hat sich jedoch schwieriger gestaltet
als zuvor angenommen. Anfangs hatten die Jugendlichen Interesse an
einem offenen Teestubentreff bekundet, kamen zu den Terminen und
planten auch Ausflüge, von denen zumindest einer in die Tat
umgesetzt wurde (Besuch des Phantasialandes). Dann jedoch blieben
sie den Terminen fern. Zu dieser Zeit war auch das Wetter so schön,
daß sich die Jungen lieber draußen trafen oder mit ihren Mofas
durch die Gegend fuhren. So bestand der Kontakt nur noch aus losen
Treffen auf der Straße. Nach den Sommerferien sind diese Kontakte
sehr sporadisch geworden. Einige der Jungen haben den Besuch einer
weiterführenden Schule begonnen, andere befinden sich schon in der
Ausbildung und vor allem hat ein Teil von ihnen jetzt den
Führerschein gemacht, so daß sich die Gruppe auch stärker in andere
Ortsteile bzw. Städte orientiert. Es ist aber zu vermuten, daß mit
kommendem Herbst/Winter und schlechten Witterungsverhältnissen die
Gruppe wieder verstärkt den Pfarraum nutzen wird.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Vorhaben, den Ortsteil Erp
mit Mobilé zu erreichen, erfolgreich angelaufen ist. Mittlerweile
ist Kontakt zu ca. 20 bis 25 Erper Jugendlichen aufgenommen worden,
der jedoch unterschiedlich intensiv ist. Fruchtbar gestaltet sich
die Zusammenarbeit mit der katholischen Pfarrgemeinde. So ist der
Mobilé-Mitarbeiterin seitens des Pastors ein Schlüssel für das
Pfarrheim und den Teestubenraum zur Verfügung gestellt worden.
Zudem wurde zusammen mit dem Jugendausschuß des Pfarrgemeinderats
beschlossen, einen regelmäßigen Informations- und
Erfahrungsaustausch über die Jugendarbeit vor Ort zu pflegen. Hier
sind Mobilé und das Jugendbüro Erftkreis mit eingebunden.
Liblar
Liblar ist mit über 11.000 Einwohner/innen nach Lechenich der
zweitgrößte Ortsteil Erftstadts. Er besteht aus mehreren Teilen,
die zu historisch unterschiedlichen Zeiten entstanden sind, und so
ist bis heute im Stadtbild kein Zentrum erkennbar. Liblar
zergliedert sich in Neubauviertel, das ehemalige Straßendorf
entlang der Carl-Schurz-Straße und die ehemalige
Bergarbeitersiedlung in Oberliblar.
Hinzu kommt die Bebauungsweise an der Theodor-Heuss-Straße in Form
einer Hochhaussiedlung, die durch Anonymität, beengte
Wohnverhältnisse, erhöhtes Aggressionspotential, zu wenig
Freiflächen und krasse soziale Unterschiede auf engstem Raum ihre
eigene Problematik mit sich bringt.
Diese strukturellen Probleme spiegeln sich auch in der Arbeit mit
den in Liblar lebenden Jugendlichen wider.
Es gibt verschiedene informelle Treffs, die sich zum Teil an wenig
einsehbaren Stellen befinden, zum Teil jedoch gerade dort, wo
"etwas los ist".
Als Mobilé in Liblar vor ca. zwei Jahren die Arbeit begann, wurden
zunächst Kontakte zu verschiedenen Institutionen wie Schulen,
Kirchen und freien Verbänden aufgenommen, um das Projekt
bekanntzumachen und mögliche Kooperationspartner zu finden. Die
Resonanz war sehr unterschiedlich; sie erstreckte sich von
konkreten Anfragen nach Zusammenarbeit über Informationsbedarf bis
zu Ablehnung. Nicht immer wurde deutlich, ob das Desinteresse an
Zusammenarbeit daran lag, daß kein Bedarf nach Unterstützung
bestand oder ob es Ablehnung gegenüber dem neuen Konzept von
Jugendarbeit bzw. das Mißtrauen einer kommunalen Institution
gegenüber war.
Da es im Gegensatz zu Lechenich in Liblar kein Jugendcafé gab,
bemühte sich das Team zunächst darum, einen Raum zu finden, in dem
Mobilé erreichbar und präsent war.
Dieses Ziel wurde Anfang 1993 mit der Teestube des Ville-Gymnasiums
auf dem Campus erreicht. "Canapé", wie dieser Raum genannt wurde,
war ein offener Treff für Jugendliche, der einmal wöchentlich für
drei Stunden geöffnet hatte.
Zunächst wurde dieses Angebot unregelmäßig von vorzugsweise
männlichen Jugendlichen im Alter von 13-16 Jahren in Anspruch
genommen.
Als zum Sommer hin trotz verstärkter Bemühungen, dieses Angebot
bekannter und attraktiver zu gestalten, das Interesse der
Besucher/innen nachließ, blieb der Raum vorübergehend geschlossen.
Mobilé verlegte die Arbeit wieder auf die Straße und suchte die
Jugendlichen an ihren Treffs, wie im Einkaufszentrum, im Park oder
auf anderen Plätzen auf.
Zu einer Clique männlicher Jugendliche entstanden regelmäßige
Kontakte. Im Winter 93/94 nutzte diese Clique das "Canapé" als
ihren Treffpunkt. Einmal wöchentlich traf sich eine Mitarbeiterin
von Mobilé mit den Jugendlichen für zwei Stunden in diesem Raum.
Durch interne Querelen veränderte sich die Clique, und mit Beginn
der besseren Witterungsverhältnisse zog sich die Gruppe an ihren
alten Treffpunkt zurück.
Als zu Beginn des Jahres 1994 das Mobilé-Team nach mehreren Monaten
endlich wieder vollständig war, wurde auch die Arbeit in Liblar
verstärkt.
Durch den Einsatz des Beratungsbusses hat sich die Arbeit
verändert. Zweimal wöchentlich bauen zwei Mitarbeiterinnen von
Mobilé den Bus mit Tischen, Stühlen und einem Sonnenschirm auf und
bieten Möglichkeiten zu Gesprächen und Freizeitgestaltung an.
Während dieses Angebot jeden Montag am Bürgerplatz für alle
Jugendlichen offen ist, entwickelt sich mittwochs im
Einkaufszentrum der Bus für eine Gruppe von 13- bis 14-jährigen zu
einem festen Treff. Hier zeichnet sich eine Veränderung von einem
offenen Angebot hin zu Gruppenarbeit ab.
Auch schon die länger anstehende Graffiti-Aktion konnte im Frühjahr
1994 durchgeführt werden. Seitens der Stadt war die Schulwand an
der Skater-Anlage (Bahnhofstraße) zum Besprayen zur Verfügung
gestellt worden. Zur Durchführung des Projektes hat sich unter
Mithilfe von Mobilé eine Gruppe von jungen Graffiti-Künstlern
gebildet, die in einer öffentlich angelegten Aktion die Wand
besprayten. Seitdem finden sich an diesem Platz regelmäßig
Jugendliche ein, um das Angebot einer legalen Sprayfläche zu
nutzen.
Eine weitere Gruppe, zu der erneut Kontakt aufgenommen wurde, ist
die Gruppe der Skater an der Half-Pipe. Da hier Größe und
Zusammensetzung der Gruppe sehr wetterabhängig ist und zumindest im
Frühjahr häufig wechselte, besteht zum jetzigen Zeitpunkt noch ein
eher loser Kontakt. Zusammen mit Mobilé besserten sich die
Jugendlichen die Platten der Pipe aus und besprachen die
Modalitäten zur Nutzung des Bauwagens, der ihnen als Treff
versprochen worden war.
Nach langer Vorlaufzeit wurde der Bauwagen im September 1994 auf
den Platz an der Skater-Anlage gebracht. Die Chance, durch den
Bauwagen einerseits einen überdachten, eigenen Raum als Treffpunkt
zu haben und andererseits eine nähere Anbindung an Mobilé zu
erwirken, konnte nicht genutzt werden, da der Bauwagen bereits nach
einer Woche von Unbekannten dermaßen demoliert und zerstört wurde,
daß er abtransportiert werden mußte. Dieser Platz dient jedoch nach
wie vor bis zu 20 Jugendlichen täglich als Treffpunkt.
Seit März 1994 gibt es in Liblar den "Club JustUs", der ähnlich
aufgebaut ist, wie der "Club Zupp" in Gymnich. Die Räumlichkeiten,
die von den Jugendlichen genutzt werden können, wurden vom
Arbeiter-Samariter-Bund in Liblar schnell und unbürokratisch zur
Verfügung gestellt. Es handelt sich hierbei um einen Schulungsraum
und eine Küche. Zunächst trafen sich ca. 10 Jugendliche jeden
Donnerstagabend im Club. Mit Beginn des schönen Wetters konnte man
jedoch nicht mehr mit den Biergärten in Liblar konkurrieren, die
Besucher/nnenzahlen gingen erheblich zurück. Zur Zeit wird
versucht, über ein interessantes Programmangebot neue Jugendliche
für den Club "JustUs" zu gewinnen. Der Club wird geführt von Szene
e.V., also von Jugendlichen selbst, mit Unterstützung von Mobile.
Mit der Aufnahme der Arbeit von Mobilé entstand in Liblar eine
Jugendarbeitsgemeinschaft, bestehend aus Jugendvertreter/innen,
schulischer, freier und kirchlicher Träger. Sie stellte eine Form
gemeinwesenorientierter Jugendarbeit dar und diente dem Austausch
und der Planung von Angeboten im Stadtteil.
Aus dieser Kooperation entwickelte sich eine fruchtbare
Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde (EKG) und
Mobilé.
So konnten nach langer Zeit wieder Disco-Veranstaltungen in Liblar
erfolgreich durchgeführt werden. Zielgruppe sind 12- bis 16-jährige
Jugendliche, von denen über 800 Besucher/innen die Veranstaltungen
bisher besuchten.
Auch ein Anfang November stattfindendes Jugendkultur-Festival wird
die Teestuben-Gruppe der EKG tatkräftig unterstützen. Ebenso wird
von der Ev. Kirche die Möglichkeit, Mädchenarbeit in Liblar zu
etablieren, unterstützt (siehe auch Mädchenarbeit).
In Zusammenarbeit von Hauptschule Liblar und Mobilé wird ab Mitte
Oktober ein außergewöhnliches Projekt starten. Einmal wöchentlich
werden zwei Mitarbeiterinnen vormittags mit dem Bus in der großen
Pause auf dem Schulhof stehen und den Jugendlichen als Anlaufstelle
dienen. Hier können die Hauptschüler/innen sich über die Angebote
von Mobilé informieren, die für Liblar zuständigen Kolleginnen
kennenlernen und sich bei Fragen und Problemen beraten lassen. Bei
Bedarf können Gesprächstermine in der darauffolgenden Stunde
stattfinden bzw. am Nachmittag angeboten werden. Sollte diese
Kooperation nach einer sechswöchigen Pilotphase erfolgreich
weitergeführt werden, soll ein regelmäßiger Austausch mit den
Lehrern/innen der Schule stattfinden.
Die geplante Jugendbefragung in Liblar wird in Form eines
Preisausschreibens durchgeführt werden. Die Leiter der Haupt- und
der Realschule haben sich bereiterklärt, diese Aktion an ihren
Schulen zu unterstützen. Ziel der Befragung sind genauere
Informationen über Freizeitverhalten, Interessen und Bedürfnissen
von Jugendlichen in Liblar.
Insgesamt greift das Mobilé-Konzept zunehmend erfolgreicher auch in
Liblar, jedoch dauert dieser Prozeß hier wesentlich länger als in
anderen Orten. Das liegt nicht zuletzt auch daran, daß dieses
Projekt hier teilweise auf sehr viel Widerstand stieß. Nach wie vor
erweist es sich z.B. als äußerst schwierig, geeignete
Veranstaltungsräume zu finden. Verschiedentlich taucht immer wieder
die Forderung nach einem eigenen Jugendtreff auf.
Als Erfahrung von 2 Jahren Mobilé-Arbeit wäre es für die Zukunft
sinnvoll, eine Art Stadtteilbüro in Liblar aufzubauen, mit
festgelegten Öffnungszeiten. Hier könnten dann sowohl Jugendliche
wie Erwachsene den/die zuständigen Mitarbeiter/innen vor Ort
erreichen. Es gäbe die Möglichkeit, Beratungsgespräche in
geeigneten Räumlichkeiten zu führen, spontan vorbeizuschauen und in
Kontakt zu bleiben. Auch für die Multiplikatoren/innen wäre
ein/eine Ansprechpartner/in leichter greifbar. Dazu würde sich
beispielsweise ein kleines Ladenlokal am Bürgerplatz oder im
Einkaufszentrum eignen, ausgestattet mit Schreibtisch, Telefon und
einem Getränke- und Spieleangebot, in dem Jugendliche sich unter
Umständen auch einen Nachmittag aufhalten könnten, das jedoch nicht
die Strukturen eines Jugendtreffs hätte.
Wie bereits im Zwischenbericht ausgeführt, fehlt es an geeigneten
Möglichkeiten, Jugendkulturarbeit in Liblar anzubieten.
Wünschenswert wären Räumlichkeiten, die mit entsprechenden
Voraussetzungen wie Strom, Heizung und Sanitär-Anlagen ausgestattet
sein müßte und abseits der Wohnbereiche liegt, so daß es keine
Lärmbelästigung für Nachbar/innen gäbe.
Dirmerzheim
In Dirmerzheim findet von Beginn des Mobilé-Projektes an eine
kontinuierliche Arbeit mit Jugendlichen statt. In Ermangelung
jedweder Räumlichkeiten, die von den Jugendlichen genutzt werden
konnten, begann die Arbeit auf der Straße. Zwei Altersgruppen
wurden betreut: 16- bis 20-jährige und 10- bis 15-jährige. Während
sich die Gruppe der 16- bis 20-jährigen nach ca. einem Jahr, wie im
letzten Bericht beschrieben, auflöste, gelang es, der Gruppe der
10- bis 15-jährigen eine räumliche Alternative zu bieten: Der
Sportclub Dirmerzheim stellt seit ungefähr einem Jahr sein
Sportlerheim zweimal wöchentlich den Jugendlichen zur Verfügung.
Die Modalitäten der Nutzung wurden zwischen Sportverein und Mobile
vertraglich geregelt. Dieses Angebot wird von den Jugendlichen
dankbar angenommen. Der Treff wird stets gut besucht. Zusätzlich zu
den allwöchentlichen Treffs veranstaltet diese Gruppe weitere
Freizeitaktivitäten, wie Feriencamps, Mithilfe bei
Konzertveranstaltungen von Mobilé, Benefiz-Veranstaltungen etc.
Die intensive und kontinuierliche Arbeit mit dieser Gruppe ließ ein
intensives Vertrauensverhältnis zwischen Jugendlichen und Betreuer
entstehen, welches Lösungen auch bei schwierigen persönlichen
Problemen ermöglichte.
Seit Beginn dieses Jahres findet erfreulicherweise auch eine engere
Zusammenarbeit mit der Katholischen Pfarrei St. Remigius statt.
Mobilé unterstützt die Pfarrei im Aufbau eigener Jugendarbeit
derart, daß eine Jugendgruppe von 8- bis 13-Jährigen betreut wird,
die später von einem älteren Jugendlichen übernommen werden soll.
Geplant ist, weitere Gruppen zu etablieren. Hierzu stellt die
Kirche den Jugendlichen einen eigenen Raum im Pfarrhaus zur
Verfügung, der nach den Vorstellungen der jungen Leute gestaltet
werden kann. Diese Gruppe trifft sich einmal in der Woche zur
gemeinsamen Gruppenarbeit.
Als Ergebnis der ersten Erftstädter Kinder- und Jugendfilmwoche
1993 hat sich in Dirmerzheim ein Film-Club gegründet. Er besteht
aus Jugendlichen im Alter von 12-15 Jahren, die es sich zur Aufgabe
gemacht haben, regelmäßige Kinovorführungen für Kinder und
Jugendliche in Dirmerzheim zu veranstalten. Die Kinonachmittage
finden im Kath. Pfarrhaus statt. Finanziert wird die Arbeit durch
die Pfarrei St. Remigius, betreut wird der Film-Club von Mobilé.
Resümierend läßt sich sagen, daß in Dirmerzheim ausgehend von einem
vermeintlichen "Nichts" im Laufe von 2 Jahren akzeptable Angebote
für Jugendliche entstanden sind, die gut genutzt werden. Es hat
sich jedoch gezeigt, daß man dafür Zeit und manchmal einen langen
Atem braucht. Als besonders wichtig stellte sich heraus, daß
Kontinuität sowohl im Angebot als auch in der betreuenden Person
bestand.
Lechenich
In den zwei Jahren Mobilé hat sich eine äußerst fruchtbare
Zusammenarbeit zwischen der KJG Lechenich (Katholische Junge
Gemeinde) und der Jugendberatung entwickelt. Dies schlägt sich in
einer Vielzahl gemeinsamer Veranstaltungen und Projekten nieder.
Hierzu gehören Disco-Veranstaltungen, Rock-Konzerte, Flohmärkte für
Kinder und Jugendliche etc..
Nach wie vor gibt es einmal wöchentlich einen offenen Treff, der
von der KJG und Mobilé gemeinsam betreut wird. Jeden Donnerstag
treffen sich Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren im Pfarrzentrum
Lechenich, um gemeinsam bei Spaß und Spiel ihre Freizeit zu
verbringen.
Kontakt wurde auch aufgenommen zu einer Gruppe von 30-40
Jugendlichen, die sich allabendlich am Schulberg (Südschule)
trifft. Die Jugendlichen, größtenteils Realschüler/innen und
Gymnasiasten/innen, wünschten sich einen Treff, in dem sie sich
auch bei schlechter Witterung aufhalten könnten. Sie wandten sich
mit ihrem Anliegen an den Lechenicher Ortsvorsteher. Mobilé, die
Jugendlichen und der Ortsvorsteher suchten gemeinsam in mehreren
Gesprächen nach Umsetzungsmöglichkeiten ihres Anliegens. Ein
zunächst von allen akzeptierter Vorschlag war die Aufstellung eines
als Jugendtreff umgebauten Reisebusses, der günstig hätte beschafft
werden können. Nachdem den Jugendlichen jedoch klar wurde, daß
dieser Bus nicht an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden lang
unkontrolliert genutzt werden kann, und ihnen Mitarbeit und
besonders Mitverantwortung abverlangt wurde, verloren sie das
Interesse an diesem Projekt und treffen sich nach wie vor am
Schulberg.
Weiterhin wird in Lechenich eine Gruppe von ca. 20 Jugendlichen im
Alter von 12-18 Jahren, vorwiegend Sonder-, Hauptschüler/innen und
Auszubildende, betreut. Sie treffen sich regelmäßig auf dem
Spielplatz Elsa-Brändström-Straße. Hier kam es häufig zu
Differenzen mit den Anwohnern, die sich durch die Jugendlichen
insbesondere in ihrer Ruhe gestört fühlten. Mobilé lud beide
Parteien zu einem gemeinsamen Treffen ins Mobilé-Café ein. Ziel war
es, beide Seiten miteinander ins Gespräch zu bringen, um ggf.
Verständnis für die andere Seite zu entwickeln. Dieses Ziel wurde
erreicht. Ob die getroffenen Vereinbarungen von Dauer sein werden,
wird die Zukunft zeigen.
4.6 Das Mobilé-Café
Das Mobilé-Café befindet sich im Stadthaus, zentral in
Erftstadt-Lechenich. Außerhalb der Öffnungszeiten werden die
Räumlichkeiten von verschiedenen Erftstädter Initiativen genutzt,
z.B. BUND, W.O.M.A.N., Junge Union, Initiativkreis
Jugendgemeinderat, Schulklassen etc. Vom 01. September 1992 bis zum
30. September 1993 wurde das Café betreut von zwei halbtags
beschäftigten Sozialpädagog/innen. Mehrere Ebenen pädagogischer
Arbeit wurden realisiert: offener Café-Betrieb, Beratung in
persönlichen Problemsituationen und kulturelle Angebote. Zum
01.10.1993 wechselten diese Kolleginnen zum Jugendzentrum
Köttingen.
Der Café-Betrieb wurde im weiteren gewährleistet durch eine
Honorarkraft mit 9 Stunden in der Woche und die Präsenz einer der
hauptamtlichen Kräfte für jeweils einen Nachmittag in der Woche,
die vor allem für das Beratungsangebot zur Verfügung stand.
Mitte Februar 1994 wurde die vakante halbe Stelle besetzt, damit
konnte die geplante konzeptionelle Neugestaltung des Cafés
realisiert werden.
Das Café dient nicht mehr vorrangig nur als Freizeit-Angebot,
sondern fungiert als qualifiziertes Beratungs-Café. Neben der
Möglichkeit, sich im Café über eine Vielzahl von Themen (z.B. AIDS,
Sexualität, Freizeitveranstaltungen, Fortbildungsmöglichkeiten) zu
informieren, wird für den Zeitraum von zwei bis vier Monaten ein
jugendrelevanter Themenkomplex schwerpunktmäßig präsentiert. Zum
einen besteht für die Jugendlichen die Möglichkeit, sich
unverbindlich bei einer Tasse Kaffee mit den ausliegenden
Materialien zu beschäftigen, zum anderen können die anwesenden
Mitarbeiter/innen jederzeit beratend in Anspruch genommen werden.
Selbstverständlich kann das Café auch weiterhin zwanglos als Treff
genutzt werden.
Mit dieser Umgestaltung des Cafés wird die Einbindung der
Café-Mitarbeiterin in das Team wesentlich verstärkt, da die jeweils
präsentierten Schwerpunktthemen mit dem Mobilé-Bus in die einzelnen
Stadtteile transportiert werden. Diese Mobilität hat sich als
zwingend notwendig erwiesen, um die Jugendlichen mit unserem
Angebot zu erreichen.
Der erste im Café realisierte Themen-Komplex war
Ausländer/innenfeindlichkeit/Asylproblematik, ab Oktober 1994
gefolgt von dem Komplex Sucht/Drogen. Da für jedes Thema zunächst
eine "informationelle Infra-Struktur" (Welchen Ansprechpartner/in
gibt es? Woher bekomme ich Informationsmaterial? etc.) zu schaffen
ist, wird sich bei einer turnusgemäßen Wiederholung der Themen die
Vorbereitungszeit entsprechend verkürzen.
Im Café wurde das erste Thema präsentiert durch Plakate,
Stellwände, Bücher, mehrere Spiele, Fragebögen, wobei diese
Materialien größtenteils von Mobilé erarbeitet wurden. Über die
ausliegenden Spiele beispielsweise wird eine persönliche
Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht.
Zum Thema Sucht sind in Zusammenarbeit mit der
Drogenberatungsstelle Hürth mehrere Nachmittags- bzw.
Abendveranstaltungen geplant; während der ersten erftkreisweiten
Aktionswoche "Sucht hat immer eine Geschichte" Ende Oktober 1994
dient das Café zudem als Informationsbörse.
Eine intensive Erprobung des Themenangebots außerhalb des Cafés
fand erfolgreich in Dirmerzheim statt, wo mit jeweils ca. 20
Jugendliche mehrere Nachmittage gestaltet wurden.
An Gymnasien, Haupt- und Realschulen in Erftstadt wurde mehrfach
das Angebot übermittelt, entsprechende Unterrichtseinheiten zu
gestalten oder Schüler/innen mit Material für Referate auszustatten
o.ä., dies wurde jedoch bisher nicht wahrgenommen.
Während aktionsorientierte Angebote (Spiele zum Thema, Fragebögen
zum Selbstausfüllen, Befragungen anderer etc.) von den Jugendlichen
sehr engagiert aufgegriffen wurden, blieben rezeptive Angebote wie
Stellwände, Plakate - auch wenn sie jugendadäquat gestaltet waren -
weitgehend unbeachtet. Es wird zu überlegen sein, wie dieser
Erkenntnis Rechnung getragen werden kann.
4.7 Kinderbüro
Die Erwartungen an Mobilé als Kinderbüro oder Kinderbeauftragte
haben sich nicht erfüllt. Eine Subsumierung nahezu aller irgendwie
mit Kindern in Verbindung zu bringenden Aufgaben hätte Mobilé
überfordert. Neben den konzeptionellen Aufgaben ist es nicht
möglich,
- alle städtischen und freien Aktivitäten zu koordinieren,
- regelmäßig einen Kinderbericht vorzulegen
- Kinderfreundlichkeitsprüfungen bei Verwaltungsvorhaben
durchzuführen,
- Kinderbeiräte aufzubauen und zu betreuen
- mit dem Landeskinderbeauftragten zusammenzuarbeiten usw.
Diese Aufgaben mußten in Teilen auf andere Personen im Jugendamt
übertragen werden. Durch die Zuordnung des Bereichs
Jugendhilfeplanung beim Jugendpfleger ist die Wahrnehmung der
Aufgaben eines Kinderbeauftragten an dieser Stelle sinnvoll
sichergestellt. Kinderinteressen können somit im Rahmen der
Jugendhilfeplanung wie der weitergehenden Stadtplanung
Berücksichtigung finden. Dies setzt Kooperation aller Dienste der
öffentlichen und freien Träger selbstverständlich voraus. Ein
Kinderbericht wird z.Zt. erarbeitet.
5. Zahlen
Es erscheint in pädagogischen Arbeitsfeldern oft problematisch,
geleistete Arbeit über die Zahl der erreichten Jugendlichen
legitimieren zu müssen. All zu schnell wird der Wert der Arbeit
dann nur noch anhand von Zahlen diskutiert, qualifizierte
pädagogische Arbeit mit Einzelpersonen oder kleinen Gruppen
schwindet aus dem Blickwinkel.
Im Bewußtsein dieser Problematik soll es dennoch nicht unterlassen
werden, oben beschriebene Arbeit mit einigen Zahlen zu belegen:
Im Bereich der Stadtteilarbeit auf der Straße oder in den
entstandenen Jugendtreffs erreicht Mobilé Woche für Woche mehr als
300 Jugendliche. Im Rahmen der Jugendkulturarbeit zählten alleine
die Disco-Veranstaltungen über 7.500 Besucher/innen. Die
Filmveranstaltungen wurden von ca. 800 Kino-Fans gesehen, ca. 1.000
junge Leute hörten den Bands zu, die im Mobilé-Café auftraten. Etwa
150 Jugendliche waren mit Mobilé in acht Ferienfreizeiten
unterwegs. Hierbei handelte es sich mit Ausnahme der
Begegnungswochen um stadtteilbezogene Maßnahmen.
Zusätzlich war Mobilé auf einer Vielzahl von Veranstaltungen
präsent, die federführend von anderen Organisationen durchgeführt
wurden. Die hier erreichten Leute sind nicht mehr quantifizierbar.
Insgesamt kann man davon ausgehen, daß ca. 50 % der Erftstädter
Jugendlichen mehr oder weniger intensiv von Mobilé erreicht werden.
6. Bilanz
Zwei Jahre Jugendberatung Mobilé zeigen, daß das Konzept,
Jugendliche an ihren Treffpunkten aufzusuchen und mit ihnen
gemeinsam Freizeitmöglichkeiten in ihren jeweiligen Ortsteilen
aufzubauen, funktioniert. In Gymnich, Dirmerzheim, Liblar,
Lechenich, Friesheim und Erp können mittlerweile Räumlichkeiten
genutzt werden, die vorher den Jugendlichen nicht zugänglich waren.
Der dabei für die Stadt entstehende Kostenfaktor liegt bei Null.
Als zu hohe Erwartung hat sich die Hoffnung herausgestellt, diese
Räume nach kurzer Zeit den Jugendlichen in Selbstverwaltung
überantworten zu können. Durch den offenen Charakter dieser Treffs
und die Fluktuation innerhalb der Besucher/innengruppen sind die
Mobilé-Mitarbeiter/innen die Konstanten, die die reibungslose
Nutzung der Räume im Sinne der Institutionen, die sie zur Verfügung
stellen, gewährleisten. Diese Tatsache knüpft nahtlos an die
Geschichte der selbstverwalteten Jugendzentren Anfang der 70er
Jahre an. Dennoch ist Ziel der Arbeit, die Jugendlichen zu
befähigen, eigenverantwortlich Freizeit zu gestalten und
überlassene Räume zu nutzen.
Dieses Ziel ist als prozeßhafter Verlauf immer wieder Inhalt und
auch Methode der Arbeit. Damit soll der dominierenden Konsumhaltung
in nahezu allen Bereichen entgegengewirkt werden.
Das jugendkulturelle Angebot wurde durch Mobilé erheblich
erweitert. Ca. 20 Disco-Veranstaltungen, 30 Kinonachmittage und 15
Rock-Konzerte konnten Erftstädter Jugendliche besuchen. Gerade im
jugendkulturellen Bereich schlägt sich jedoch die relativ niedrige
finanzielle Ausstattung von Mobilé nieder. Anspruchsvolle
Musik-Gruppen und Theaterstücke lassen sich nicht finanzieren. Hier
stellt sich die Frage, ob der Kulturetat dieser Stadt nicht
gerechter zugunsten junger Leute verteilt werden müßte. Sowohl im
infrastrukturellen (Raum, Personal etc.) wie im
Veranstaltungskostenbereich ist das Kulturangebot in Erftstadt
eindeutig erwachsenzentriert.
Häufig wurde Mobilé in den letzten beiden Jahren als
jugendpolitisches Allheilmittel betrachtet. Wo immer sich ein
Problem mit Jugendlichen auftat, irgendwann landete die
Angelegenheit bei Mobilé, verbunden mit der Erwartung, die
Mitarbeiter/innen sollten die betreffenden Jugendlichen im Sinne
der Erwachsenen disziplinieren. Die Einlösung dieser Erwartung
widerspricht gänzlich dem Auftrag von Mobilé. Das "Team für Jugend"
erfüllt keine sozial-polizeilichen Aufgaben; Ziel ist es, gemeinsam
mit Jugendlichen und Erwachsenen, Lebensräume für junge Leute zu
sichern, in denen nicht ausschließlich den Bedürfnissen der
Erwachsenen Rechnung getragen wird. Denn bedauerlicherweise haben
zwei Jahre Mobilé-Arbeit auch gezeigt, daß Jugendliche, wo immer
sie sich im Stadtgebiet in Gruppen aufhalten, über kurz oder lang
vertrieben werden sollen. Anfragen an Mobilé, diesbezüglich im
Sinne der Erwachsenen tätig zu werden, kamen häufig; Angebote, die
Interessen der Jugendlichen gemeinsam mit Mobilé zu unterstützen,
fehlten bis auf wenige Ausnahmen.
Fazit: Jugendliche haben in dieser Stadt nur eine sehr kleine
Lobby. Diese Lücke will und muß Mobilé schließen. Hierbei sind wir
jedoch zwingend angewiesen auf die Mithilfe der jugendpolitischen
Gremien.
Abschließend sei bemerkt, daß das Mobilé-Team mit der derzeit
anfallenden Arbeit an der Obergrenze seiner finanziellen,
personellen und zeitlichen Kapazität arbeitet. Eine weitere
Ausdehnung seines Aufgabengebietes kann ohne eine Veränderung der
finanziellen und personellen Ausstattung nicht mehr geleistet
werden, ohne daß qualitative Einbußen in den bisherigen
Arbeitsfeldern hingenommen werden müssen.
1995-1997
Vorwort
In den letzten Erfahrungsberichten wurde ausführlich das Konzept von Mobilé und die Arbeit
der Jugendberatung in den einzelnen Ortsteilen beschrieben. Hierauf wird deshalb im
vorliegenden Bericht verzichtet. Statt dessen beschreiben wir Entwicklungen und Tendenzen,
wie sie sich aus unserer Sicht im Berichtszeitraum (2/1995 - 5/1997) ergeben haben. Folgende
Bereiche finden dabei Berücksichtigung: aufsuchende Arbeit auf der Straße, Mädchenarbeit,
Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, individuelle Beratung, Prävention,
Jugendkulturarbeit und Rahmenbedingungen der Arbeit.
Diese sicherlich subjektiven Beobachtungen, erwachsen aus der täglichen Arbeit mit den
Jugendlichen, decken sich häufig mit aktuellen Ergebnissen aus der Jugendforschung, sodass
eine gewisse Gültigkeit unserer Aussagen belegbar ist.
1. Aufsuchende Arbeit
Im Verlauf des Berichtzeitraums hat sich gezeigt, dass die aufsuchende, mobile Jugendarbeit
wichtigstes Element von Mobilé bleibt. Hier entsteht der direkte Kontakt zu den Jugendlichen
und eine genaue Kenntnis von deren Lebenswelt. Dies erst ermöglicht eine
zielgruppenspezifische, bedürfnisorientierte Arbeit in den anderen Aufgabenbereichen von
Mobilé.
Als äußerst wichtig für das Entstehen von informellen Jugendtreffs auf der Straße, die von
Mobilé betreut werden, ist personelle und zeitliche Kontinuität, d.h. das regelmäßige
Erscheinen der gleichen Betreuungsperson. Seitdem dies aufgrund konstanter Personalsituation
seit Anfang 1996 gewährleistet ist, hat die Inanspruchnahme der Treffs, insbesondere in Liblar
und Erp, stark zugenommen.
Das Alter der Jugendlichen, die Mobilé auf der Straße trifft, liegt in der Regel zwischen 13 und
18 Jahren. Der Anteil Mädchen/Jungen ist momentan annähernd gleich, hier hat eine
Verschiebung zugunsten der Mädchen stattgefunden.
Ob eher Jungen oder Mädchen als erste einen Treff besuchen, hängt vom Geschlecht der
betreuenden Person ab: Bietet eine Kollegin einen Treff an, versammeln sich zunächst die
Mädchen und bestimmen Atmosphäre und Spielregeln, an die sich die später hinzukommenden
Jungen halten müssen und umgekehrt.
Besonders attraktiv war für die Jugendlichen der Einsatz des Mobilé-Busses. Gründe hierfür
sind zum einen Schutz vor Witterungsunbill, zum anderen die dichte, gemütliche und
ungezwungene Atmosphäre. Der Bus ist den Jugendlichen häufig sogar lieber als feste
Räumlichkeiten, da er punktgenau an ihren Lieblingsplätzen eingesetzt werden kann. Wegen
der hohen Nachfrage wurde Ende 1996 ein zweiter Bus angeschafft und in Betrieb genommen.
Im Bereich der aufsuchenden Arbeit findet zur Zeit in den Ortsteilen, die Mobilé seit längerer
Zeit kontinuierlich betreut, ein Generationswechsel statt. Die älter gewordenen Jugendlichen
kommen aus beruflichen Gründen nicht mehr so häufig. Zudem sind für sie durch höhere
Mobilität (Führerschein, Auto) andere Freizeitangebote erreichbar geworden. Ganz auf Mobilé
verzichten möchten sie jedoch auch nicht, zumal im Bereich Konfliktmanagement und
Lebensbewältigung nach wie vor Betreuungsbedarf vorhanden ist. Gleichzeitig wächst die
nachfolgende Generation heran, die in der Anfangsphase der Arbeit einer intensiven Betreuung
bedarf, um ein tragfähiges Beziehungsgefüge herstellen zu können.
2. Mädchenarbeit
Parteiliche Mädchenarbeit ist als Bestandteil offener Jugendarbeit zu betrachten und wird
durch
§9, 3 im KJHG auch vom Gesetzgeber gefordert. Parteilichkeit heißt in diesem Zusammenhang:
- Mädchen in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen
- sie ernst- und anzunehmen
- ihnen Unterstützung und Schutz anzubieten
- eigene Lebensentwürfe von Mädchen zu akzeptieren und neue Wege aufzuzeigen
Realisiert werden diese Grundsätze zum einen durch spezielle offene oder geschlossene
Angebote für Mädchen, in denen sie in geschützten Räumen eigene Erfahrungen machen, sich
mit sich selber und anderen Mädchen auseinandersetzen und sie selber sein können.
Zum anderen steckt dahinter aber auch das Angebot an jedes einzelne Mädchen , eine weibliche
Ansprechpartnerin zu finden, die sie ernst nimmt und sie in ihrem Entwicklungsprozeß
begleitet, ohne sie zu bewerten und in herkömmliche Rollenklischees zu drängen. Das bedeutet:
Parteiliche Mädchenarbeit deutet um, sieht die Fähigkeiten, Stärken und Besonderheiten jedes
einzelnen Mädchens.
Dieser Arbeitsansatz wurde von Mobilé seit Beginn umgesetzt und konsequent
weiterentwickelt.
Deutlich wurde dabei, daß Parteilichkeit für Mädchen in allen Bereichen der Jugendhilfe
erforderlich ist. Denn die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Sozialisation führt bei den
Fragen nach Ursachen und Auswirkungen, ob im Bereich von Drogenkonsum, Arbeitslosigkeit,
Lebensplanung, Gestaltung öffentlicher Räume oder Kriminalität ebenso wie die methodische
Herangehensweise zu unterschiedlichen Antworten für Jungen und Mädchen.
Daher ist parteiliche Mädchenarbeit eine Querschnittsaufgabe, die sich zum Ziel gemacht hat,
Interessen von Mädchen in allen Lebensbereichen deutlich zu machen und ihnen ausreichend
Aufmerksamkeit und Empathie entgegen zu bringen.
2.1 Aufsuchende Mädchenarbeit
Unsere Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß parteiliche Mädchenarbeit in
Ansätzen auch im Rahmen der aufsuchenden Arbeit möglich sein kann. Voraussetzung dafür ist
die Mitarbeit von weiblichem Personal, da wir festgestellt haben, daß die Kontakte von den
Jugendlichen zu den MitarbeiterInnen und umgekehrt in der Regel geschlechtsspezifisch
erfolgen. Das bedeutet: Die Frauen des Teams sprechen eher Mädchen auf der Straße an, die
Männer finden den Kontakt schneller zu den Jungen.
Um parteiliche Mädchenarbeit auf der Straße ansatzweise realisieren zu können, müssen
folgende Bedingungen erfüllt sein:
- Die Kollegin muß sich mit der eigenen Sozialisation auseinandergesetzt haben.
- Sie muß sich mit Lebensbedingungen von Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft
befaßt haben.
- Sie muß praktische Erfahrungen in der Mädchen- oder Frauenarbeit haben.
- Sie muß die Mädchen in ihrer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und sie mit ihren
verschiedenen Interessen und Bedürfnissen ernstnehmen.
- Sie muß sich der Unterstützung im Team für ihren parteilichen Arbeitsansatz sicher sein.
- Sie muß Mädchen auf der Straße antreffen.
Im Laufe des letzten Jahres läßt sich im Stadtteil Liblar eine positive Veränderung bezogen
auf die Erreichbarkeit von weiblichen Jgdl. feststellen. Dadurch verändern sich
Arbeitsbedingungen: In dem Maße wie mehr Mädchen sich öffentlichen Raum aneignen,
wird ihre Anwesenheit nicht mehr so sehr durch Jungen bestimmt, sondern sie fühlen sich
stark genug, Angebote von Mobilé auf der Straße eigenständig in Anspruch zu nehmen.
Erklären läßt sich diese Entwicklung durch den höheren Bekanntheitsgrad und die damit
einhergehende Akzeptanz von Mobilé, aber auch durch einen Wechsel von Cliquen, die das
Bild auf der Straße bestimmt haben. Wenn Mädchen den Mobilé-Bus stärker als bisher
frequentieren, so nehmen sie Einfluß auf die Atmosphäre dort, was den Umgangston ebenso
wie die Inhalte von Gesprächen verändert.
2.2 Mädchenarbeit in Räumen
Vor zwei Jahren wurde in Liblar der MädchenTreff in den Räumen der ev. Kirchengemeinde
installiert. Zu Beginn richtete sich das offene Angebot an alle Mädchen ab 12 Jahren und war
für zwei Stunden pro Woche geplant.
Es kamen zunächst sehr viele unterschiedliche Mädchen, was die Altersstruktur und
Interessen betraf. Eine Gruppe von 13 - 14 jährigen Realschülerinnen etablierte sich und
bestimmte wesentlich die Atmosphäre des Treffs. Sie forderten nach einiger Zeit auch, die
Altersgrenze auf 14 Jahre anzuheben.
Inhalte waren neben gemeinsamen Freizeitaktivitäten, Auseinandersetzung und
Informationen zu Themen wie Freundschaft, Liebe, Sexualität und Verhütung , aber auch
Probleme mit Eltern und LehrerInnen.
Bedingt durch schulische Veränderungen oder Interessensverlagerungen nahmen diese
Mädchen das Angebot nach ca. 1,5 Jahren nicht mehr in Anspruch.
Das Mädchencafé in Lechenich wird dagegen schon seit längerer Zeit nicht mehr
angenommen. Als dort der Generationswechsel stattfand, wurde deutlich, daß für Mädchen
neben einem geschlechtsspezifischen Angebot auch eine kontinuierliche Präsenz im Stadtteil
wichtig ist.
Während die Kollegin in Liblar auch auf der Straße und an der Schule anzutreffen ist, war
dies in Lechenich bedingt durch den stadtteilorientierten Arbeitsansatz des Teams nicht
gegeben. Somit bestand und besteht keine Möglichkeit der persönlichen Kontaktaufnahme
bzw. ergänzender Angebote auf der Straße durch eine Frau.
2.3 Mädchen in der Jugendhilfeplanung
Seit Okt. 95 gibt es in Erftstadt den Arbeitskreis "Mädchen in der Jugendhilfeplanung", der
zwischenzeitlich auch als Arbeitsgemeinschaft (AG) nach §78 KJHG anerkannt ist. Diese AG
wurde von Mobilé ins Leben gerufen und wird von hier auch geleitet. Neben verschiedenen
Abteilungen des Jugendamtes sind die ehrenamtliche Leiterin einer Gruppe aus Erp, die
Haupt- und Realschulen aus Liblar und Lechenich, die Don-Bosco-Schule und die
Gleichstellungsbeauftragte vertreten. Ziel dieser AG ist es, die Jugendhilfeplanung
dahingehend zu unterstützen, daß Mädchen mit ihren Stärken, Interessen, Vorstellungen und
Bedürfnissen als Zielgruppe von JHPL berücksichtigt und gefördert werden.
Um neben der theoretischen Arbeit auch praktisch etwas für und mit Mädchen zu gestalten,
wurde in den Herbstferien 1996 ein Mädchen-Tag "Girls just wonna have fun" von der AG
organisiert und durchgeführt. Einen Nachmittag lang wurden Workshops wie Schreinern,
Trommeln, Seidenmalerei oder Selbstverteidigung ebenso wie ein Café und eine Infobörse
angeboten. Sowohl bei den Besucherinnen als auch bei den Veranstalterinnen fand dieser
Tag großen Anklang, so daß für 1997 erneut ein Mädchen-Tag geplant ist.
Darüber hinaus konnte ein Teil der Besucherinnen für den MädchenTreff in Liblar begeistert
werden, so daß sich dort jetzt eine Gruppe von 12-13 jährigen Mädchen regelmäßig trifft.
Dieser Generationswechsel scheint eine normale Entwicklung unserer Arbeit zu sein, der
immer wieder Brüche und Neuanfänge nach sich zieht.
3. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
Von Anfang an hat sich Mobilé bemüht, mit anderen Institutionen, die Jugendarbeit
betreiben, zusammenzuarbeiten und sie zu unterstützen. So wurde es möglich, in einzelnen
Stadtteilen offene Angebote für Jugendliche zu etablieren, die bis dahin nicht vorhanden
waren. Hierbei ist es wichtig, von einem offenen Angebot unter hauptamtlicher Betreuung
hin zu einem in Eigenverantwortlichkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen
geführten Treff zu gelangen. Die Bereitschaft anderer Institutionen, diesen Ansatz sowohl
mit Räumen als auch personell zu unterstützen, wächst ständig.
Angenommen wird auch das Angebot von Mobilé, Hilfestellung bei Fragen zur Jugendarbeit
und Gestaltung von Jugendräumen zu leisten.. Hier versteht sich Mobilé als Mittler zwischen
Jugendlichen, Verbänden und Erwachsenen. Beispielhaft genannt für diese Vernetzung seien
hier der Jugendarbeitskreis Gymnich (JAK Gymnich) und die Kooperation zwischen Mobilé
und der Gemeinde St. Remigius in Dirmerzheim. Durch diese Kooperationen ist die
Angebotspalette für Freizeitgestaltung in den Ortsteilen gesteigert worden.
Hinzu kommt eine Vielzahl von Angeboten und Veranstaltungen für Jugendliche, die ohne
die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und deren ehrenamtlichen
JugendarbeiterInnen nicht denkbar gewesen wären. Eine sinnvolle und effektive Umsetzung
des Mobilé-Konzepts ohne die Unterstützung durch die Jugendverbände, Vereine und
Kirchen ist nicht vorstellbar.
4. Beratung
Im Berichtszeitraum wurde deutlich, daß sich individuelle Beratungssituationen im
wesentlichen aus den persönlichen Beziehungen ergeben, die in der aufsuchenden Arbeit
entstehen. Das Beratungsangebot wurde von den Jugendlichen wahrgenommen, denen die
MitarbeiterInnen durch die Arbeit auf der Straße bekannt waren. Dies belegt auch der
geringe Anteil an "FremdmelderInnen".
Der Grundsatz der Beratungsarbeit, Jugendliche kontaktieren von sich aus Mobilé (d.h.
"Überweisungen" von anderen Institutionen sind nicht möglich), sowie Mobilé als parteiliche
Anlaufstelle, hat sich bewährt. Jugendliche verstehen Mobilé als eigene Anlaufstelle, die
nichts ohne ihr Wissen und Einverständnis unternimmt. Dadurch ist das Vertrauen in die
BeraterInnen weiter gewachsen.
Zu allen Themenbereichen, mit denen Jugendliche die Beratung aufsuchen, ist es möglich,
der geschlechtsspezifischen Problematik, z.B. bei Drogenkonsum, Sexualtität, Gewalt, fam.
Probleme etc. durch weibliche und männliche BeraterInnen gerecht zu werden.
Die Problembereiche mit denen Jugendliche unser Beratungsangebot überwiegend
aufsuchen, sind:
- innerfamiliäre Konflikte und Problemlagen
(Scheidung, Stiefeltern, Konflikte mit Eltern, Adoption, Arbeitslosigkeit, Alkohol etc.)
- schulische Schwierigkeiten
- Partnerschaft/Beziehung
- Sexualität
- Drogen.
Bei Problemen und Konflikten, die einer längerfristigen Beratung oder Betreuung bedürfen,
findet eine Weitervermittlung in Absprache mit dem/der Jugendlichen an bestehende
Institutionen, z.B. Erziehungsberatungsstelle, Allgemeiner Sozialer Dienst, Drogenberatung,
Frauen helfen Frauen... statt.
5. Präventionsarbeit
Aufgrund der von uns beobachteten Zunahme des Drogenkonsums, insbesondere von
Haschisch, Ecstasy und Alkohol, und das Antreffen von arbeitslosen Jugendlichen auf der
Straße, wurde im Laufe des Berichtszeitraums die Präventionsarbeit verstärkt
wahrgenommen.
5.1. Drogenprävention
Vielen Berichten in den Medien zufolge hat der Drogenkonsum bei Jugendlichen
zugenommen. Diese Tendenz konnte auch Mobilé in der Arbeit beobachten. Es handelt sich
vor allem um den Konsum von Haschisch, Ecstasy und Alkohol. Da die KonsumentInnen
gleichzeitig immer jünger werden und ein hoher Informationsbedarf rund um das Thema
Drogen festgestellt werden konnte, wurde sich der Drogenprävention intensiv gewidmet.
Hierzu gehörte die Teilnahme an einer Fortbildung bei der Fachstelle zur Suchtprävention in
Hürth, um sich im Vorfeld mit der Thematik auseinanderzusetzen und qualifizierte
Beratungsangebote machen zu können.
Da die notwendige Vernetzung von verschiedenen Institutionen aus Erftstadt zu diesem
Themenbereich im AK Jugendschutz bereits erfolgt war, wurde hier die Mitarbeit
intensiviert.
In der konkreten Arbeit mit den Jugendlichen wurde die Drogenproblematik in der
Gruppenarbeit verstärkt thematisiert. Dem Informationsbedarf der Jugendlichen kam Mobilé
mit einer jugendadäquaten Infobroschüre "What about drugs" entgegen. Diese Broschüre
findet einen großen Anklang bei den Jugendlichen.
5.2. Jugendarbeitslosigkeit
Ausgehend von den o.g. Erfahrungen und Presseveröffentlichungen über ständig steigende
Zahlen arbeitssuchender Jugendlicher wurde sich dem Thema der Jugendarbeitslosigkeit
verstärkt zugewendet.
Mobilé richtete eine Anlaufstelle für arbeitslose Jugendliche in Form eines offenen Cafés
einmal wöchentlich im Vormittagsbereich ein. Zusätzlich wurden Beratungsmöglichkeiten
für alle Jugendlichen zu den Themen Arbeit, Lehrstellensuche, Bewerbung und
Vorstellungsgespräche angeboten. Es zeigte sich, daß diese Angebote nicht angenommen
wurden. Trotz unserer Bemühungen in der Motivationsarbeit sowie eines eingesetzen
Busdienstes, um interessierte Jugendliche aus den Ortsteilen abzuholen, zeigte sich kein
Interesse an dem von uns eingerichteten Angebot.
Zudem wurde das Beratungsangebot allen Schulen zugänglich gemacht. Mobilé entwickelte
ein auf Schulen zugeschnittenes Präventionskonzept. Beides wurde nicht nachgefragt.
Abschließend ist hier zu betonen, daß ein Hilfsangebot fast nur über die stadtteilbezogene
Arbeit, d.h. über den persönlichen Kontakt funktioniert. Demnach wurde das Thema der
Jugendarbeitslosigkeit verstärkt in der Gruppenarbeit vor Ort miteinbezogen.
6. Jugendkulturarbeit
Die Jugendkulturarbeit von Mobilé in Kooperation mit anderen Trägern hat einen festen
Stellenwert in Erftstadt erhalten.Unsere Arbeitsbereiche in der Jugendkulturarbeit bilden
sieben Schwerpunkte:
Die Discoveranstaltungen in drei verschiedenen Stadtteilen haben sich auch bei den jüngeren
Jugendlichen etabliert. Gleichbleibende Besucherzahlen und Zulauf auch aus benachbarten
Städten sprechen für die Qualität von ca. 12 Veranstaltungen im Jahr. Dadurch, daß in
Lechenich Besucherzahlen von 650 Personen keine Seltenheit sind, hat sich die
Veranstaltung auch zu einem Treffpunkt von Jugendlichen entwickelt, die die eigentliche
Disco nicht besuchen und sich vor dem Veranstaltungsort aufhalten. Bei der
Aufrechterhaltung der Ordnung und der Regelung des abfließenden Verkehrs nach
Veranstaltungsende hat sich die Zusammenarbeit mit dem Bezirksbeamten der hiesigen
Polizei als fruchtbar erwiesen.
Die Filmarbeit ist fester Bestandteil der Arbeit von Mobilé geworden. Seit der Entstehung
von Mobilé sind insgesamt 4 Kinowochen ins Leben gerufen worden. Hier ist besonders die
Kooperation der verschiedenen Veranstaltungsorte in unterschiedlichster Trägerschaft zu
erwähnen. Aus diesem Gedanken heraus entstanden viele kleinere Filmclubs, die das
Angebot vor Ort beleben. Hier wird Kino von Jugendlichen für Kinder und Jugendliche
gemacht.
Auch die Erftstädter Musikszene wird von Mobilé unterstützt. Hier bekommen Jugendliche,
die Musik verschiedener Stilrichtungen anhängen, ein Forum, in dem sie sich präsentieren
können. Dabei sind monatliche Konzerte in der Reihe ROCK-LIVE im Mobilé-Café und im
Club Zupp in Gymnich die einzigen regelmäßigen Auftrittsmöglichkeiten in Erftstadt. Einen
besonderen Höhepunkt bildet die Produktion einer CD mit Erftstädter Bands, die 1997 der
Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Einmal im Jahr veranstaltet Mobilé ein Jugendkulturfestival mit unterschiedlichen
Kooperationspartnern und Konzepten. Wichtig ist bei diesen Veranstaltungen, daß ein
möglichst breites Publikum angesprochen wird.
Auch der deutsch-polnische Jugendaustausch war 1996 wichtiger Bestandteil des
Arbeitsbereiches. Insgesamt wurden 2 Maßnahmen durchgeführt, von denen eine in Jelenia
Góra/Polen, die andere in Erftstadt stattfand. Wichtig war bei der Rekrutierung der
TeilnehmerInnen, daß sie weitgehendst aus den betreuten Gruppen von Mobilé kamen.
Einen weiteren Höhepunkt bildete das Streetbasketballtunier in Gymnich. Hier waren fast
250 Jugendliche einen Tag lang auf 4 Courts beschäftigt, verschiedene Pokale im fairen
Spiel zu erlangen. 3 unterschiedliche Träger schafften es, die Veranstaltung über
Sozialsponsoring zu finanzieren. Derartige größere Veranstaltungen sind immer nur in
Trägergemeinschaften machbar, da so eine optimale Nutzung der Ressourcen möglich ist und
sich so die Angebotsvielfalt steigert.
7. Rahmenbedingungen der Arbeit
7.1. Praktikumsstelle
Auf Beschluß des JHA wurde 1996 die Teilzeitstelle (19,25 Std) mit einem Praktikanten im
Anerkennungsjahr (Vollzeit) besetzt. Die Suche nach geeigneten PraktikantInnen für das
komplexe Aufgabengebiet aufsuchender Arbeit hat sich schwierig gestaltet. Von den
BewerberInnen wird erwartet, dass sie in kurzer Zeit selbständig einen Ortsteil betreuen und
somit ein zusätzliches Angebot für die Erftstädter Jugendlichen schaffen. Ob dies gelingt,
hängt von den jeweiligen Fähigkeiten der PraktikantInnen ab. Viel Zeit, sich einzuarbeiten,
bleibt bei einem Jahr Verweildauer nicht. Zur Zeit wird Erp von einem Praktikanten mit
großem Erfolg versorgt. Ob und wie der Übergabeprozeß bei Stellenwechsel gelingt und wie
die Jugendlichen mit der regelmäßigen Personalfluktuation umgehen werden, bleibt
abzuwarten.
Insgesamt hat sich der Wechsel von Teilzeit auf Anerkennungspraktikum bewährt, da
aufgrund der doppelt so hohen zeitlichen Präsenz eine wesentlich bessere Anbindung an das
Team gewährleistet ist, und die Aufgaben im Ortsteil flexibler wahrgenommen werden
können. Dennoch ist es aus unserer Sicht unbedingt wünschenswert und sinnvoll, die
Teilzeitstelle auf Vollzeit auszuweiten, damit mittelfristig personelle Kontinuität als
unabdingbare Voraussetzung unserer Arbeit gesichert wird.
7.2. Öffentlichkeitsarbeit
Während des Berichtszeitraums erstellte Mobilé eine PC-Diskette, auf der in anschaulicher
Weise das Konzept der Jugendberatung präsentiert wird. Nach Veröffentlichung in diversen
Fachpublikationen wurde diese Diskette ca. 50 mal von anderen Städten, Hochschulen,
Parteien und Privatpersonen aus der BRD und dem benachbarten Ausland angefordert. Seit
Ende 1996 ist Mobilé zusätzlich im Internet vertreten. Das Konzept wurde dort ca. 100 mal
abgerufen.
Im Berichtszeitraum informierten sich Delegationen aus Weißrußland, Rußland, Polen,
Frankreich, England und Griechenland über die Arbeit der Jugendberatung.
Für vier Fortbildungsveranstaltungen des Landesjugendamtes zum Thema "Neue Ansätze
und Konzeptionen in der offenen Jugendarbeit" wurde der Leiter von Mobilé als Referent
angefordert.
Zusätzlich fanden im Berichtszeitraum zahlreiche Informationsveranstaltungen
unterschiedlicher Institutionen innerhalb und außerhalb von Erftstadt statt, in denen die
MitarbeiterInnen von Mobilé das Konzept auf Anfrage erläuterten und dafür warben.
7.3. Budgetierung
Im Rahmen der Einführung des neuen Steuerungsmodells wurde das Jugendamt budgetiert.
Für die Arbeit von Mobilé bedeutet das einen höheren Spielraum in der Ausschöpfung der
vorhandenen finanziellen Mittel. Da mittlerweile die Mittel von Mobilé eigenständig
bewirtschaftet werden und eine Deckungsfähigkeit der einzelnen Haushaltsstellen
untereinander gegeben ist, lassen sich nun in einem Bereich eingesparte Mittel sinnvoll in
anderen einsetzen. Dies führt dazu, dass die MitarbeiterInnen stärker als vorher auf eine
planvolle Mittelverwendung achten, um zusätzliche Angebote für die Jugendlichen schaffen
zu können. Insgesamt wird somit bei gleichbleibender finanzieller Ausstattung der finanzielle
Bewegungsspielraum von Mobilé vergrößert. Die Suche nach managementbedingten
Einsparmöglichkeiten bindet natürlich Arbeitskapazitäten, die von der eigentlichen
pädagogischen Arbeit abgezogen werden. Auf der anderen Seite sind nun jedoch Aktivitäten
möglich, die ohne dieses Verfahren nicht zu finanzieren wären.
7.4. Umorganisation im Jugendamt
Anfang 1997 fand eine Umorganisation im Jugendamt statt. Ca. 85% der bisher getätigten
kommunalen Jugendpflege wurden auf Mobilé übertragen. Hierbei handelt es sich im
wesentlichen um die Aufgabenfelder Kinder- und Jugendschutz, Stadtjugendring,
internationale Jugendbegegnung, Aus- und Weiterbildung von FerienhelferInnen und
GruppenleiterInnen.
Da Mobilé in einzelnen Bereichen schon vorher tätig war, ist die inhaltliche Zuordnung der
Jugendpflege zu Mobilé konzeptionell durchaus sinvoll und von den MitarbeiterInnen
gewollt. Inwieweit sich die o.a. Arbeitsbereiche letztlich in ein Konzept mobiler Arbeit
integrieren lassen, bleibt abzuwarten. Die für die Jugendpflege notwendigen
Arbeitskapazitäten werden zur Zeit auf Kosten der aufsuchenden Arbeit in den Stadtteilen
bereitgestellt. Will man das erreichte Level im Bereich der aufsuchenden Arbeit halten und
gleichzeitig Jugendpflege betreiben, die den hohen Erwartungshaltungen von Kindern,
Jugendlichen, Eltern, Verbänden wie gelegentlich auch der Politik gerecht werden soll, wird
man an einer Aufstockung des Mobilé-Personals nicht vorbeikommen.